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Akademisierung Vor brotloser Akademisierung sei gewarnt!

Die Kernaussage meines Beitrags lautet: Einem stark akademisierten Bildungssystem fehlen die Marktsignale, die Studienanfängern eine verlässliche Orientierung bei der Studienfachwahl geben könnten.

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Quelle: dpa

Deswegen habe ich einen Vorschlag gemacht, wie dem abzuhelfen sei – nämlich durch eine Offenlegung von Informationen zum weiteren Werdegang von Absolventinnen und Absolventen nach Studiengang und Hochschule. Darauf geht Karl Heinz Hausner in seiner erstaunlich scharfen Replik mit keinem Wort ein. Stattdessen suggeriert er, ich hätte die Abschaffung des Bologna-Prozesses gefordert. Davon kann gar keine Rede sein, so dass seine darauf aufbauende Kritik weit am Ziel vorbei geht. Mit seinen angeführten Fakten hat er zwar völlig Recht: Die Arbeitslosenquote von Akademikern ist derzeit nachweislich geringer als die von Nicht-Akademikern. Die Einkommen von Akademikern sind derzeit nachweislich höher als die von Nicht-Akademikern. Das Problem ist nur, dass die angeführten Daten auf Vergangenheitserfahrungen beruhen, die mit dem, was vor uns liegt, nicht vergleichbar sind.

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In anderen Ländern, die im Akademisierungsprozess schon weiter sind als wir, wird längst eine ernsthafte Debatte über die sogenannte „Over-Education“ geführt. Ich erlaube mir an dieser Stelle den Verweis auf mehrere einschlägige Artikel in der IZA World of Labor. Sie zeigen, dass der „Akademisierungswahn“ ein reales Problem darstellt: Er kann die Absolventen mancher nicht nachhaltiger Fächer ins Abseits führen und gleichzeitig das Reservoir beruflich sehr gut ausgebildeter Fachkräfte weiter schrumpfen lassen. Der hochqualifizierte Experte im Handwerk wird sich kaum durch den hochqualifizierten Absolventen eines Studienganges ersetzen lassen, dem es an Jobangeboten mangelt, weil sein oder ihr Fach zu arbeitsmarktfremd konzipiert wurde.

Im Übrigen – auch das übersieht Hausner – rechtfertig der Umstand, dass ein akademischer Abschluss einer begrenzten Zahl von Absolventen einen privilegierten Zugang zum Arbeitsmarkt verschafft, noch lange nicht die Schlussfolgerung, dass Gleiches auch dann noch gelten wird, wenn der akademische Abschluss im Extremfall für alle erreichbar wird. Derselbe Irrtum liegt der Abschaffung des Hauptschulabschlusses in manchen Bundesländern zugrunde. Bloß, weil es statt des Hauptschulabschlusses nur noch Realschulabschlüsse gibt, verbessern sich die Arbeitsmarktchancen der Betroffenen um keinen Deut. Man macht es Unternehmen und Arbeitsuchenden lediglich schwerer, die Eignung für eine bestimmte Stelle realistisch einzuschätzen.

Interessant wäre es gewesen, hätte Hausner die Beobachtung, dass es in manchen Ländern wie Finnland, Norwegen oder der Schweiz trotz eines hohen Akademisierungsgrads augenscheinlich wenig Allokationsprobleme gibt, dazu genutzt, der Frage nach zu gehen, warum das dort wohl der Fall ist. Stattdessen wird diese Beobachtung nur dazu genutzt, das Problem einer drohenden Überakademisierung generell in Abrede zu stellen. Damit ist leider niemandem geholfen.

Hausner irrt auch, wenn er einen höheren Akademisierungsgrad als Instrument zur Verbesserung der Chancengleichheit propagiert. Um begabten Kindern aus bildungsfernen Schichten den zweifellos wünschenswerten Zugang zu einer akademischen Ausbildung und besseren Einkommenschancen zu verschaffen, bedarf es ganz anderer Instrumente als einer Bachelor-für-alle-Strategie. Wer hier etwas erreichen will, muss schon in einer frühen Phase der Sozialisation mit einem intensiven Mentoring ansetzen.

Bleibt die Frage, warum hier von einem Hochschulvertreter so gewaltiges Geschütz aufgefahren wird, um der Auseinandersetzung mit einem Vorschlag auszuweichen, der nicht nur Studieninteressenten bei der Wahl ihres Studienfaches eine sehr gute Orientierung bieten könnte, sondern auch den Qualitätswettbewerb unter den Hochschulen nachhaltig befördern würde? Hausners Kritik zeigt, dass mein Vorschlag noch ausbaufähig ist: Es müsste nicht nur nach Hochschule und Studiengang offen zugänglich gemacht werden, was aus den Absolventen später geworden ist. Es müsste auch transparent gemacht werden, wie viele Studienanfänger ihr jeweiliges Studium früher oder später abgebrochen haben.

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