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Quelle: dpa

Überwinde den Karstadt in dir!

Die nächste Generation lehnt alles radikal ab, was kein klares und glaubwürdiges Profil hat. Die Auslese auf Produkt- und Meinungsmärkten läuft künftig brutaler.

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Der Gegenentwurf zum Hipster liebt Karneval und Karo. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zielt auf den konservativen Kern ihrer Partei und scheint dabei den Anschluss an die Moderne zu verlieren. Arg gebeutelt vom YouTube-Star Rezo, der kürzlich im Fakten-Freistil in einem millionenfach angeklickten Video die CDU vorführte, schlägt AKK nun analog zurück. Den Aufruf von Rezo und Co., unter anderem den Volksparteien bei der Europawahl keine Stimmen zu geben, würde sie künftig am liebsten per Regulierung einfangen.

Neben der juristischen Dimension ist an diesem Vorstoß vor allem die Einstellung der Absenderin interessant. Wie bei den alten Griechen kriegt der Überbringer der schlechten Botschaft Ärger. Die Ursachen bleiben unerforscht.

Dabei kann keinen wundern, was da am vergangenen Sonntag passierte. CDU und SPD wurden abgestraft, von den unter 30-Jährigen gar regelrecht vernichtet. Seit Jahren sitzen sie an der Macht und verbiegen sich bis zur Unkenntlichkeit im Kampf um den Medianwähler. Sie versprechen alles Mögliche, unter anderem mehr Breitband und mehr Klimaschutz, verschieben aber dauernd die Einlösung. Wie ein konzeptloses Karstadt-Warenhaus bieten sie alles und nichts. Sie wollen es jedem recht machen und überzeugen damit keinen – höchstens alte Kunden, die aus lauter Gewohnheit nicht anders können.

Aber die Generation Smartphone will es anders und glaubwürdig. Die einzig akzeptierte Wartezeit ist sofort, nicht nur beim Laden der Webseite. Diese kompromisslose Ungeduld führt gerade zu einer Disruption, deren ganzes Ausmaß noch längst nicht spürbar ist, sondern sich höchstens erahnen lässt. Sie betrifft Firmen genauso wie Parteien und nicht zuletzt die Medien. Es ist bezeichnend, dass Rezo fernab der klassischen Kanäle seine Fans erreicht.

Eine Generation, die mit dem Anlegen klarer Profile in den sozialen Medien aufgewachsen ist, liked nichts mehr, was nicht auch ein klares Profil hat. Man kann das bedauern, man kann die Komplexitätsreduktion beklagen, oder man begrüßt die radikale Skepsis, die da heranwächst und keinem mehr etwas durchgehen lässt. Jedenfalls wird die Auslese auf Produkte- und Meinungsmärkten künftig noch brutaler ablaufen. Dafür sorgen Greta und Co.

Den Volksparteien bleibt ein Trost. Da ihre Follower bald nur noch Rentner sind, können sie sich wenigstens mit einer glaubwürdigen Pflegepolitik klar profilieren.

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