1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Spritpreise in den Ferien: Kommen mit dem Urlaub neue Preisanstiege?

Benzinmarkt„Höhere Preise zu Urlaubszeiten? Das ist nur ein Gerücht“

Zum Start in die Sommerferien spricht der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, über die Mythen des Benzinpreises, die Tricks der Tankstellen – und seine persönlichen Gewohnheiten an der Zapfsäule.Bert Losse 25.06.2022 - 09:17 Uhr

Tank schon wieder fast leer – und Preisschock an der Tankstelle. Wie weit werden die Spritpreise noch klettern?

Foto: imago images

Andreas Mundt, Jahrgang 1960, ist Jurist und seit 2009 Präsident des Bundeskartellamts in Bonn.

WirtschaftsWoche: Herr Mundt, die Sommerferien stehen vor der Tür, viele Menschen fahren in Urlaub. Auf welchen neuerlichen Preissprung beim Sprit müssen sich Autofahrer einstellen?
Andreas Mundt: Womöglich auf gar keinen. Es zählt zu den hartnäckigen Gerüchten zum Benzinmarkt, dass in Urlaubszeiten die Preise hochgehen. Die wahren Zahlen geben das aber schlicht nicht her. Auch zu Ostern und an Weihnachten steigen die Benzin- und Dieselpreise entgegen der landläufigen Meinung nicht automatisch.

Aber es ließe sich ökonomisch plausibel ableiten: Wenn zu Ferienbeginn alle auf die Autobahn drängen oder an Feiertagen die Oma besuchen fahren, steigt bei gegebenem Angebot die Spritnachfrage.
Das stimmt – aber dafür fahren die Leute eben nicht mehr ins Büro oder zu Geschäftsterminen. Die Fahrleistung insgesamt geht daher nicht unbedingt nach oben. Die Entwicklung der Nachfrage ist zudem relativ gut vorhersehbar und kann bei der Beschaffungsplanung entsprechend berücksichtigt werden. Es ist für die Tankrechnung ebenfalls egal, ob man an Werktagen oder am Wochenende zur Zapfsäule fährt. Die Daten der beim Kartellamt angesiedelten Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zeigen, dass es auch dann im Schnitt nicht teurer ist. Höhere Preise am Wochenende – das ist also ebenfalls ein hartnäckiges Gerücht.

Gleichwohl ist der oligopolistische Kraftstoffmarkt kein Musterbeispiel für knallharten Wettbewerb…
…ok, das ist kein Gerücht …

Zehn Tipps zum Sprit sparen
Auch bei kurzen Stopps vor Ampeln oder im Stau den Motor abschalten. Beim Anlassen kein Gas geben!Quelle: Auto Club Europa
Immer im höchstmöglichen Gang fahren – frühzeitig hochschalten: Den ersten Gang nur zum Anrollen nutzen, ab etwa 25 km/h im dritten Gang, 50 km/h im fünften Gang fahren.
Kraftvoll beschleunigen, dazu Gaspedal zu etwa zwei Dritteln durchtreten, dann ohne Gasgeben rollen lassen.
Vorausschauend fahren, rechtzeitig vom Gas gehen, um unnötiges Bremsen zu vermeiden.
Gleichmäßiges Tempo einhalten, mindestens 20 Prozent unter der Höchstgeschwindigkeit bleiben.
Den Reifendruck auf den Wert erhöhen, der für volle Beladung oder hohe Geschwindigkeiten empfohlen wird. Regelmäßig kontrollieren.
Den Kofferraum entrümpeln, Dachträger nach Gebrauch sofort entfernen.
Das Auto regelmäßig zur Inspektion bringen, bei jeder Wartung Zündungs- und Leerlaufeinstellung kontrollieren lassen.
Häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Fahrgemeinschaften gründen. Kurzstrecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
Die Fahrtroute planen, Staus umfahren, die gleitende Arbeitszeit nutzen, um die Spitzen des Berufsverkehrs zu meiden

…und immer stärker rücken auch die Raffinerien in den Fokus. Was weiß das Kartellamt über diesen Teil der Wertschöpfungskette?
Wir wissen über die Raffinerien zwar einiges, weil wir immer mal wieder Fusionen auf diesem Markt prüfen. Uns fehlt aber noch der vollständige und systematische Einblick.  Vor dem Ukraine-Krieg war dieser Bereich aus unserer Sicht wettbewerbsrechtlich nicht auffällig. Zuletzt aber hat es eine erstaunliche Entkopplung der Kraftstoffpreise vom Ölpreis gegeben, sowohl bei den Tankstellen als auch bei den Raffinerien. Das Bundeskartellamt hat daher eine Sektoruntersuchung mit Schwerpunkt auf Raffinerien und Großhandel eingeleitet. Wir wollen das volle Bild haben. 

Eine persönliche Frage: Wann tankt der Präsident des Bundeskartellamts?
Möglichst nach 18 Uhr. Dann ist es nachweislich fast immer billiger. Erst gegen 22 Uhr ziehen die Preise wieder an.  Wenn ich aus irgendwelchen Gründen außerhalb dieser Zeitspanne tanken muss, tanke ich nur so viel wie gerade nötig. Und ich vermeide die Zeit zwischen 5 und 8 Uhr morgens – dann nämlich ist der Sprit statistisch gesehen am teuersten.

Und noch ein Tipp: Die Erfahrung zeigt, dass die Kraftstoffpreise im Tagesverlauf zwar stark schwanken, die Spanne liegt normalerweise an einer Tankstelle zwischen acht bis 13 Cent pro Liter. Doch günstige Tankstellen bleiben trotzdem günstig – und teure bleiben meistens teuer.

Lesen Sie auch: Wer bei den Spritpreisen abzockt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick