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CoronakriseVirologe Drosten: Situation ist „sehr ernst und sehr kompliziert“

Für den Berliner Virologen ist ein neuer Lockdown angesichts aktueller Corona-Zahlen wahrscheinlich. Drosten kritisiert verpasste Gelegenheiten zur Optimierung in Deutschland. 30.03.2021 - 21:32 Uhr

Christian Drosten: „Es ist klar, es müssen die Kontakte reduziert werden.“

Foto: dpa

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen mahnt der Virologe Christian Drosten schärfere Maßnahmen an. „Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen, um diese Dynamik, die sich jetzt ohne jeden Zweifel eingestellt hat, noch einmal zu verzögern“, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ (bei NDR-Info). Die Situation sei leider „sehr ernst und sehr kompliziert“. Deutschland habe viel verpasst an Gelegenheiten, die Werkzeuge zu optimieren. „Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich im Moment immer noch die gleichen Werkzeuge benutzen müssen, die wir schon in der ersten Welle benutzt haben.“ Es bleibe nur noch der Holzhammer, der Lockdown.

„Es ist klar, es müssen die Kontakte reduziert werden.“ Dazu zählten der Privatbereich, der Erziehungs- und Bildungsbereich sowie die Arbeitsstätten. „Da gibt es viele wissenschaftliche Beiträge, die jetzt auch auf Deutschland bezogen sind.“ Es sei falsch, wenn gesagt werde, man wisse ja noch gar nicht, wo das Virus übertragen wird. Wenn es zu einer hohen Inzidenz komme, werde die Bevölkerung ganz von selbst gegensteuern mit entsprechenden Schäden. „Dann ist wirklich ein Schaden auch für die Wirtschaft gesetzt.“

Die Vorhersage der Modelle für die dritte Corona-Welle sei leider durch die Natur noch überschritten worden, sagte Drosten. „Wir haben einen noch früheren Beginn bekommen, als die Modelle das vorausgesagt haben.“ Noch in dieser Woche werde die Zahl der Nachweise der britischen Variante B.1.1.7 über 90 Prozent erreichen. „Das ist natürlich alles andere als beruhigend.“ Die Variante B.1.1.7 sei zudem eindeutig krankmachender und tödlicher als das Ursprungsvirus.

Die in Südafrika und in Brasilien entdecken Varianten lägen in Deutschland immer noch im Bereich von ein Prozent oder niedriger. „Die haben sich überhaupt nicht vermehrt.“ Beide können dem Immunsystem entweichen. Ihr Anteil sei so niedrig, weil es in Deutschland keine Bevölkerungsimmunität gebe. „Diese Varianten kommen nur dann hoch, wenn wir in der Bevölkerung schon eine Immunität haben. Sonst profitieren die nicht von ihren Mutationen.“

Mehr zum Thema: Der Beschluss der Gesundheitsminister ist das nächste Kapitel im Wirrwarr um AstraZeneca. Biontech dagegen erweist sich als zuverlässiger Partner. Und das Unternehmen hat noch viel Potenzial, wie aktuelle Zahlen zeigen.

dpa
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