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Finanzkrise Kreditklemme verschärft sich immer weiter

Die Kreditklemme macht immer mehr Unternehmen zu schaffen. Bankexperten warnen: Spätestens im Herbst droht eine flächendeckende Krise.

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Skyline von Frankfurt am Main Quelle: AP

Wie einer von den Dagobert’schen Panzerknackern wirkt Hannes Hesse, nur eben blond und hager, wenn er dieser Tage auf die Banken zu sprechen kommt. „Man muss die Banken zwingen, Geld rauszugeben“, zischt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VMDA), ohnehin genervt durch den dramatischen Auftragsrückgang in seiner Branche. Verständlich, dass Hesse und mit ihm viele Unternehmer in Rage geraten, wenn nun die Banken auch noch mit Krediten geizen.

Die Kreditkrise erfasst die deutschen Unternehmen mit der gleichen Wucht, wie zuvor die Banken von der Subprime-Krise getroffen wurden. Spürten im März erst fünf Prozent der Unternehmen eine Kreditklemme, so waren es im Juni bereits 57 Prozent, ermittelte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Die Automobilzulieferer Aksys in Worms und TM Friction in Leverkusen oder Edscha in Remscheid stehen für Insolvenzfälle infolge der rigiden Kreditvergabe.

„Die Kreditklemme könnte sich zum Hauptproblem für die deutsche Konjunktur entwickeln, weil die Banken sich gesundschrumpfen, um ihr Bilanzvolumen an das geschrumpfte Eigenkapital anzupassen“, warnt Wirtschaftsguru Hans-Werner Sinn. Aber wenn sie den Bogen überziehen, so der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung weiter, dann „schrumpfen sie die Wirtschaft vielleicht kaputt“.

„Ab Herbst Gefahr einer flächendeckenden Kreditklemme“

Die wachsenden Klagen über störrische Banken haben mittlerweile auch Politiker auf den Plan gerufen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zitierte vorigen Mittwoch Bank- und Wirtschaftsvertreter nach Berlin, um über Unternehmensfinanzierung zu sprechen. Doch außer Palaver kam wenig heraus. Deutlicher wurde Finanzminister Peer Steinbrück (SPD): Die Banken sollten endlich die milliardenschweren Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank nutzen, um die Unternehmen mit Krediten zu versorgen. Die Institute seien in der Pflicht, „das Arteriensystem der deutschen Volkswirtschaft mit Kapital zu versorgen“.

Dabei streitet das kritisierte Kreditgewerbe die Engpässe gar nicht ab. Im Gegenteil. „Ab Herbst besteht die Gefahr einer flächendeckenden Kreditklemme“, sagt Iris Bethge vom Bundesverband Deutscher Banken. Auch die massiven Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank haben die Lage bisher nicht wirklich entspannt. Schuld an der Misere sei das System, so Bethge. In der Krise verschlechtere sich das Rating vieler Unternehmen, eine schlechtere Bonität verlange nach den Basel-II-Finanzvorschriften aber von den Banken, solche Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Selbst für bestehende Kredite, müssten die Banken nun mehr Eigenkapital vorhalten. Damit stehen automatisch weniger Bankengelder für die Realwirtschaft zur Verfügung – zumal viele Kreditinstitute einen Großteil ihres Eigenkapitals durch milliardenschwere Abschreibungen auf toxische Wertpapiere verloren haben.

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