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Integration Talente fördern

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Ähnlich ist die Situation beim Autobauer Ford. Man sei stolz auf seine Türken, betont Bernhard Mattes, der Vorsitzende der Geschäftsführung, nicht nur bei Besuchen an den Standorten des Konzerns in der Türkei. Und die Türken bei Ford Köln, versichert der Entwicklungsingenieur Ali Gögercin, sind stolz auf ihr Unternehmen. Viele arbeiten neben ihrem normalen Job am „Brand-of-Choice“-Konzept und haben Vorschläge entwickelt, wie Ford-Autos gerade auch für Türken noch attraktiver werden können. Beim geräumigen Ford Transit haben die TRG-Leute eine Reihe von Einzelvorschlägen gemacht, die türkischen Vorlieben entgegenkommen sollen. „Das ist das türkischste unserer Automobile“, sagt Astrid Wagner, „Diversity“-Expertin in der Kommunikationsabteilung ihres Unternehmens. Doch während innerhalb der Wirtschaft die Integration gelingt, nehmen außerhalb der Werkstore die Probleme zu. Die Unternehmen könnten mehr Ausländer einstellen, wäre deren Bildungsniveau besser. Von den Jugendlichen aus Zuwanderungsfamilien schaffen immer weniger einen Schulabschluss. Die Abbrecherquote liegt inzwischen bei 40 Prozent, bei den Deutschen sind es – schlimm genug – 15 Prozent. Wegen der mangelnden Ausbildungsreife verzeichnet das Handwerk, das traditionell überdurchschnittlich viele Migranten aufnimmt, einen starken Rückgang bei den ausländischen Lehrlingen. Waren Mitte der Neunzigerjahre noch neun Prozent aller Azubis ohne deutschen Pass, so sind es heute nur knapp fünf Prozent. Eine gefährliche Entwicklung. Die Arbeitslosenrate ist bei Migranten bereits heute mit rund 23 Prozent (600.000) mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen, auch die Zahl der Transferempfänger liegt mit 13 Prozent (950.000) deutlich über dem Wert der einheimischen Bevölkerung. Während zum Beispiel Griechen und Spanier vergleichsweise gut integriert sind und häufig gute Abschlüsse erreichen, ist die Lage bei Spätaussiedlern aus Russland und muslimischen Zuwanderern schwierig. Bei türkischen Migranten liegt die Arbeitslosenquote bei fast einem Drittel. Hin- und hergerissen zwischen den Kulturen wachsen die türkischen Kinder „in doppelter Halbsprachlichkeit“ auf, beobachtet der im Berliner Problembezirk Kreuzberg lebende deutsch-türkische Unternehmer Nihat Sorgec. Der 48-Jährige kam 1972 als Gastarbeiterkind nach Deutschland, studierte Maschinenbau, arbeitete bei Siemens und besitzt heute eine Metallbaufirma und ein Weiterbildungsinstitut. Sorgec steht nicht für die Masse der türkischen Migranten. Denn bei vielen Türken zählt Bildung wenig, erklärt er. Die oft aus einfachsten Verhältnissen stammenden türkischen Migranten seien mit ihrem Nachwuchs völlig überfordert, und die deutsche Gesellschaft habe sie mit ihrem „Multikulti des Nichtstuns“ allein gelassen. „Wir können uns diese Vergeudung von Ressourcen nicht leisten“, mahnt daher Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Dies umso weniger, als die demografische Entwicklung hier zu Lande nach einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft dazu führen wird, dass bis zum Jahr 2050 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um zehn Millionen sinken wird. Viele Betriebe investieren daher in die Bildung von Migranten. Etwa der Berliner Unternehmer Hans Wall. In seinem auf Straßenwerbung spezialisierten Unternehmen sind von den gut 400 Mitarbeitern in Deutschland bereits rund zehn Prozent Ausländer. Die Folgen mangelnder Integration erlebt Wall an sozialen Brennpunkten in Kreuzberg, Wedding und Neukölln, wo Vandalismus auch seine Plakatflächen trifft. Wall: „Um den sozialen Sprengstoff zu entschärfen, müssen wir weg vom Reparaturstaat hin zu einer vorsorgenden Bildungs- und Sozialpolitik kommen.“

Wall unterstützt seit vorigem Jahr die Kreuzberger Jens-Nydahl-Grundschule und finanziert dort den Förderunterricht von 30 mathematisch begabten Schülern mit schwachen Deutschkenntnissen. Die Eltern der Förderkinder werden durch Abschluss eines Elternvertrages zu Beginn der Förderung mit fest umrissenen Aufgaben und Zielen eingebunden. Halbjährliche Elterngespräche informieren über die Fortschritte der Kinder. Die Wall AG zählt auch gemeinsam mit BASF, Voith, Bosch, Fischer, Follmann, KSB, ThyssenKrupp und Trumpf zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Wissensfabrik e. V.. Inzwischen gehören 38 Unternehmen dem Netzwerk an, das in Schulen Lernkultur, Erfindergeist und unternehmerisches Denken fördert. Um Migrantenkinder mit ihren durchweg schlechteren Zeugnisnoten nicht von vornherein bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen auszusieben, legen Unternehmen wie die Deutsche Bahn AG spezielle Förderprogramme auf, um die sich nur Ausländer bewerben können. Andere Unternehmen wie der Papiermaschinen- und Turbinenhersteller Voith bieten Förderlehrgänge an. Derzeit unterstützt Voith 44 Schulabbrecher, ein Großteil davon Ausländer, damit sie doch noch den Anschluss ins Berufsleben finden. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun will aber auch die ausländischen Unternehmer stärker in die Pflicht nehmen: „Unternehmerkollegen mit Migrationshintergrund sollten mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.“ Die Betriebe mit Inhabern ausländischer Herkunft sind meist immer noch vergleichsweise klein und mit dem dualen Ausbildungssystem wenig vertraut. Die Besitzer staunten oftmals nicht schlecht, merkt Braun an, „dass sie als Dank für die Ausbildung junger Leute auch noch eine Lehrlingsvergütung zahlen sollen, die sie noch nicht einmal selbst festlegen können“. Derzeit gibt es erst 6000 Ausbildungsplätze in solchen Betrieben – viel zu wenig, kommen doch allein türkischstämmige Unternehmer auf fast 30 Milliarden Euro Umsatz und 320.000 Beschäftigte. Damit die Zahl steigt, kontaktieren der DIHK und der ZDH Vertreter deutsch-ausländischer Unternehmerverbände. Erste Erfolge kann dabei die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer melden, deren stellvertretender Präsident Sorgec ist. Nachdem das Projekt „1000 neue Ausbildungsplätze“ bei türkischstämmigen Unternehmern in den vergangenen Monaten gut ankam, habe man nun, so Sorgec, das Projekt „2000 neue Ausbildungsplätze“ aufgelegt.

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