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Ministeramt in Berlin Seehofers letzte Chance

Gerüchten zufolge könnte der CSU-Parteichef in Berlin in die nächste Bundesregierung eintreten und dort ein herausgehobenes Ministeramt bekleiden. Quelle: dpa

Der CSU-Parteichef kämpft für eine große Koalition. Als künftiger Bundesfinanzminister könnte er seinem Nachfolger Markus Söder noch einmal gefährlich werden.

Auch CSU-Politiker sind Menschen, die sich gern mit Personalien und Karrieren beschäftigen. Da mögen sich die christsozialen Bundestagsabgeordneten noch so sehr ins oberbayerische Kloster Seeon zur (Sach-)Klausur zurückziehen - ein Thema ist inoffiziell von besonderem Interesse: Was wird aus Horst Seehofer, dem CSU-Parteivorsitzenden und Noch-Ministerpräsidenten, nachdem dieser gerade erst den Machtkampf gegen den Nachwuchsdrängler Markus Söder verloren hat und diesem in den nächsten Monaten das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten überlassen muss?

Dass Seehofer klein beigibt und sich künftig hauptsächlich um seine Modelleisenbahn im heimischen Keller kümmert, glaubt in der CSU-Bundestagsgruppe kaum jemand. Vielmehr wabert das Gerücht durch die Reihen, Seehofer könnte in Berlin in die nächste Bundesregierung eintreten und dort - natürlich - ein herausgehobenes Ministeramt bekleiden. Und zwar als Bundesminister der Finanzen. Darunter würde er es wohl nicht mehr machen, er, der zuvor schon in Bonn das Bundesgesundheitsministerium und später in Berlin das Bundesagrarministerium geleitet hatte. Sicher könnte Seehofer auch das Arbeits- und Sozialministerium übernehmen, doch das Bundesfinanzministerium gilt als höherwertig.

Seehofer selbst äußert sich zu der eigenen Personalie natürlich nicht. Es wäre auch noch zu früh. Zunächst einmal muss eine neue Bundesregierung zustande kommen, und das ist nach den gescheiterten Jamaika-Gesprächen nicht gerade selbstverständlich. Aber Seehofer sagt, dass er "alles für eine neue Regierung tun will". Und wenn diese in trockenen Tüchern ist, geht es an die Verteilung der Ministerposten in Berlin. Und ein politisches Tier wie Seehofer denkt selbstverständlich darüber nach, was aus ihm selbst wird.

In München hat Seehofer keine Zukunft mehr, wenn Söder Ministerpräsident ist. Die Landespolitik ist dann diesem vorbehalten. Und allein Parteichef zu sein reicht bei der CSU auf Dauer nicht. Doch es gibt historische Vorbilder für eine Lösung: Theo Waigel war einst CSU-Chef und, ja: Bundesfinanzminister, während Edmund Stoiber in München als Ministerpräsident reüssierte. Die Ämtertrennung funktionierte. Und auch der große Franz-Josef Strauß, so raunen Abgeordnete im Kloster Seeon, war einst Parteichef und Bundesfinanzminister, während in München ein anderer das Land regierte.

Seehofer könnte als Bundesfinanzminister in Berlin die ein oder andere Wohltat für den Freistaat abzweigen - und abwarten, wie Söder bei den nächsten bayerischen Landtagswahlen im Herbst abschneidet. Ein schlechtes Wahlergebnis könnte Söders politische Lebenszeit dramatisch verkürzen, da kennen die üblicherweise direkt gewählten CSU-Abgeordneten kein Pardon. Und Seehofer selbst schürt bereits insgeheim die Erwartungen. So löst dessen Äußerung, man dürfe jetzt für die nächste Wahl keine absolute Mehrheit erwarten, genau solche Erwartungen und Debatten aus und könnte zur Messlatte für Söder werden.

In der Ränkespiele erprobten CSU, wo es Seehofer über Jahre sozusagen bis zum "schwarzen Gürtel" gebracht hat, könnte der 68-jährige am Ende doch über seinen Intimfeind Markus S. triumphieren. Freuen würden sich auch die anderen CSU-Prinzlinge, also Alexander Dobrindt, Ilse Aigner und Manfred Weber, die nun gegenüber Söder ins Hintertreffen geraten sind.

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