Pflegeversicherung: Das Wünschenswerte ist nicht mehr bezahlbar

Bereits heute gelten sechs Millionen Menschen in Deutschland als pflegebedürftig. 5,7 Millionen von ihnen bekommen Leistungen der sozialen Pflegekasse, der Rest Geld von den Privatversicherungen. Jede und jeder 15. im Land ist für die Sozialkasse hilfebedürftig. Dabei gehen die Boomer erst in Rente und kommen erst in zehn, 15 Jahren ins hohe Alter.
Wie kann das sein?
Wenn jetzt über eine Abschaffung der niedrigsten Versorgungsstufe, des Pflegegrades 1 (von fünf), diskutiert wird, lohnt ein Blick darauf, was dieser überhaupt leistet. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass das Sozialsystem zugleich zu viel und zu wenig leistet. Dass viele etwas bekommen, dass zugleich aber jene schlecht dastehen, die wirklich Hilfe brauchen.
Deshalb und nicht nur wegen der stark steigenden Beiträge für Pflege und Gesundheit müssen die Leistungen verändert werden. Wir müssen das Wesentliche absichern. Das nur Wünschenswerte ist nicht mehr bezahlbar. Die kletternden Kosten zerstören zudem das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Systems.
Knapp 900.000 Menschen bekommen also heute Leistungen im Pflegegrad 1. Der heißt zwar so, umfasst aber keine einzige pflegerische Leistung. Dafür können die Menschen etwa für 42 Euro im Monat Desinfektionsmittel und Hygieneartikel kaufen. Oder sie können bis zu 131 Euro abrechnen, wenn sie eine Haushaltshilfe oder einen Gärtner beschäftigen. Den haben sie vorher womöglich selbst bezahlt.
Deshalb ist es nicht schön, aber vertretbar, wenn diese erste Stufe wegfiele. Experten verweisen auch darauf, dass zu diesem Zeitpunkt viele mit etwas Anleitung noch vermeiden könnten, in die Pflegebedürftigkeit zu rutschen.
Zugleich müssten aber jene mehr bekommen, die zum Ende ihres Lebens im Pflegeheim im Schnitt 3000 Euro monatlich zuzahlen. Schon mehr als jede und jeder Dritte rutscht da in die Sozialhilfe. Hier braucht es dringend mehr Hilfe.
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