WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Werner knallhart

Berlins Pissoire für Frauen: ein gutes „Geschäfts-Modell“?

Seite 2/2

Urinale für Männer sind vor allem eins: Zeitersparnis.

Urinale für Männer sind vor allem eins: Zeitersparnis. Die Männer-Pissoirs sind der Grund, warum sich vor Männer-Waschräumen keine Schlangen bilden, während Frauen anstehen müssen. Denn Urinale sparen Platz. Eine Klokabine kann durch zwei bis drei Urinale ersetzt werden. Doch dieser große Vorteil des Urinals käme den Frauen nicht zugute. Denn die Urinale für Frauen müssten ja in Kabinen untergebracht werden. Alles andere wäre kaum vorstellbar - also bitte nicht vorstellen jetzt!

Ein Frauen-Urinal ersetzt also eine klassische Toilette. Klassische Klos durch Urinale zu ersetzen, wäre also nur dann eine gute Idee, wenn Frauen unterwegs ganz überwiegend ohnehin nur klein austreten wollen und deshalb auf Sitz-Toiletten verzichten könnten. Und mangels gegenteiliger Studien unterstelle ich mal: Hier geht es den Frauen nicht anders als den Männern. Und auf Männerklos etwa in Kinocentern gibt es mitunter nur eine Kabine, aber rund acht Urinale. Heißt: Auch Frauen könnten wohl gut auf einige Sitztoiletten verzichten. Gewonnen wäre dadurch zwar kein Platz, aber die Urinale wären sauberer.

Der einzige Vorteil der Urinale für Frauen wäre also die Hygiene. Aber ein sauberes stilles Örtchen ist wahrlich nicht zu verachten. Und jetzt kommt´s: Das käme auch den Männern zugute. Denn die Unisex-Toiletten sind auf dem Vormarsch. Gerade auch in Berlin. Wo Menschen aller denkbaren Gender sich die Toiletten teilen, dann können natürlich keine Männer-Urinale offen herumhängen, sondern verschwinden auch in Kabinen. Wenn diese nun Urinale wären, die von Frauen verwendet werden können, dann müsste man sie lediglich als Unisex-Urinale deklarieren. Und so hat es Berlin offenbar auch vor. Kein Problem. Denn Männer können ja fast überall. Und kämen dann in den Genuss von sauberen Unisex-Anlagen, statt in von Frauen in ihrer Verzweiflung mit Papier vermüllten Klassik-Klos. Es spricht also vieles für das Frauen-Urinal als Unisex-Urinal.

ABER: Ich erinnere an die eingangs erwähnte Bedingung. Es darf für keinen übermäßige Nachteile geben. Und Männer haften nunmal nicht für die anatomischen Nachteile der Frauen (die dafür ja schließlich eine höhere Lebenserwartung haben). Deshalb wäre es sehr sehr traurig, wenn der Unisex-Klo-Trend am Ende dazu führt, dass Männer in der Schlange stehen müssen, weil jedes Urinal in einer Kabine untergebracht wäre, was die Anzahl der Becken dramatisch verringern würde. Das wäre in Summe über alle Gender gerechnet Zeitverschwendung. Männer verlieren Zeit, ohne dass Frauen welche gewinnen.

An Stellen ohne Drängel-Potenzial kommt das Unisex-Urinal also wie gerufen. In Stadtparks, Behörden, Unis, im ICE und im Flugzeug (wo es ohnehin Unisex-Toiletten gibt). Aber bitte nicht in Kinos, Theatern, im Ankunftsbereich von Flughäfen und überall dort, wo es Stoßzeiten gibt. Dort kann es ja gerne Unisex-Urinale geben. Aber bitte außerdem noch die ergonomisch in Reihe montierbaren Männer-Pissoire. Das entlastet alle. Und sonst wäre einer der größten anatomischen Vorteile der Männerwelt dahin. Und das kann doch keine wollen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%