Großbritannien nach dem Attentat "Hass ist giftig"

Ein Land unter Schock. Das Attentat auf eine britische Abgeordnete beendet die erhitzt geführte Debatte um die Vor- und Nachteile der EU-Zugehörigkeit – vorerst. Die politischen Auswirkungen der Bluttat sind völlig offen.

Großbritannien steht unter Schock und trauert um die tote Politikerin Cox Quelle: REUTERS

Es waren bewegende Worte, mit denen sich Brendan Cox an die Öffentlichkeit wandte: Es müssten sich jetzt alle zusammentun, um gegen den Hass zu kämpfen, der seine Frau getötet habe, appellierte er am Donnerstag Abend nach dem tödlichen Attentat auf seine Frau Jo, eine Labour-Abgeordnete. „Hass hat keine Überzeugung oder Religion, er ist giftig“, schrieb er über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Am Tag danach kam daher das Innehalten im Schock und in Trauer über den Tod der 41-jährigen Politikerin. Hunderte von Menschen legten vor vor dem Parlamentsgebäude in London Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Schweigend blieben sie für einige Minuten davor stehen. „Mir fehlen einfach die Worte“, sagte eine Londonerin. Und ihr Mann ergänzte: „Das ist unfassbar, dass es soweit kommen konnte.“

Die Flaggen vor dem Regierungsgebäude in der britischen Hauptstadt wurden auf Halbmast gesetzt, um der Politikerin zu gedenken. Labour-Chef Jeremy Corbyn schrieb bei Twitter: „Die ganze Labour-Partei und Labour-Familie – und sicherlich das ganze Land – werden angesichts dieses abscheulichen Mordes an Jo Cox heute schockiert sein.“

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Der Anschlag auf sie brachte die zuletzt erhitzt geführte Debatte über die Vor- und Nachteile der EU-Zugehörigkeit eine Woche vor dem entscheidenden Referendum zu einem abrupten Stopp. Politiker beider Lager sagten ihre Wahlkampfauftritte vorübergehend ab, obwohl das genaue Motiv für den Angriff auf Jo Cox noch unklar bleibt.

Unklar war am Freitag, wann die Politiker ihre unterbrochene Kampagne zum EU-Referendum am 23. Juni wieder aufnehmen. Auch die möglichen Auswirkungen der Bluttat auf den Ausgang des Votums sind noch völlig ungeklärt.

Medienberichten zufolge, die sich auf Augenzeugen berufen, hat der Angreifer „Britain First“ (Britannien zuerst) gerufen, als er sich mit einem Messer und angeblich einer selbstgebastelten Schusswaffe auf Jo Cox stürzte. Das passierte in der Nähe einer Bücherei in ihrer Heimatstadt im Norden Englands. Sie wollte dort ihre Bürgersprechstunde abhalten.

„Britain first“ ist eine politische Vereinigung, die sich gegen Einwanderung und für den britischen EU-Austritt. Paul Golding, der Gründer der Vereinigung distanzierte sich von dem Anschlag. Das sei ein schrecklicher Tag für die Demokratie des Landes und das Regierungssystem, sagte er und ergänzte: Seine Vereinigung habe mit dem Attentat nichts zu tun.

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