Privatisierung Griechische Flughäfen bringen Fraport „schnelle Gewinne“

Fraport: Griechische Flughäfen bringen „schnelle Gewinne“ Quelle: dpa

Auf Druck der EU und gegen den Protest der Linken hat Griechenland 14 Flughäfen privatisiert. Im ersten Jahr hat Fraport Verbesserungen geschafft, auch zum eigenen Nutzen. Doch die großen Brocken kommen noch.

Die ersten „schnellen Gewinne“ hat der Flughafen-Manager Stefan Schulte in Griechenland bereits gemacht. Der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport meint damit aber ausnahmsweise nicht Euro und Cent, sondern schnelle Fortschritte in der Funktionalität von 14 Regionalflughäfen, die sein Konzern seit einem Jahr in Hellas betreibt. Hier ein W-Lan-Netz, dort ein paar neue Toilettentüren oder ein Fahrzeug für die Flughafen-Feuerwehr - an den maroden Flughäfen von Aktion über Chania bis Zakynthos war schon mit kleinem Geld etwas zu erreichen.

Der deutsche M-Dax-Konzern Fraport muss in Griechenland beweisen, dass die umstrittenen Privatisierungen nicht nur den beteiligten Unternehmen nutzen, sondern auch tatsächlich die Infrastruktur verbessern und damit dem klammen EU-Staat helfen. Gut 1,2 Milliarden Euro haben die Frankfurter (73,4 Prozent Anteil) gemeinsam mit dem griechischen Infrastruktur-Konzern Copelouzos an den griechischen Staat bezahlt, um 40 Jahre lang 14 Regionalflughäfen betreiben zu dürfen - drei auf dem Festland und elf auf den Inseln, darunter bekannte Touristikadressen wie Santorin, Mykonos oder Korfu.

Das erste Geschäftsjahr bis Ende 2017 verlief in Griechenland dem Fraport-Geschäftsbericht zufolge durchaus erfolgreich. Der abermalige Passagieranstieg um mehr als 10 Prozent auf 27,6 Millionen Menschen führte zu einem Umsatz von 235 Millionen Euro - leicht oberhalb der Erwartungen - und einem Gewinn von 13,5 Millionen Euro. Das neue Unternehmen beschäftigt in seinen Teilgesellschaften knapp 550 Mitarbeiter und soll auch im laufenden Jahr kräftig wachsen.

Die dicken Investitionsbrocken stehen dem nach Athen entsandten Fraport-Greece-Chef Alexander Zinell und seinem Team aber noch bevor. Rund 400 Millionen Euro sollen sie an den Flughäfen bis zum Jahr 2021 verbauen, der Löwenanteil geht dabei für neue Terminalgebäude an den Flughäfen Thessaloniki, Korfu, Kefalonia, Lesbos und Kos drauf. Am Ende soll die Gesamtfläche der verfügbaren Terminals um 50 Prozent auf dann 300.000 Quadratmeter gewachsen sein. Da gleichzeitig die Prozesse optimiert würden, sei dauerhaft ein noch höheres Passagieraufkommen möglich, verspricht Schulte. Problemlos ist das erste Jahr für Fraport aber nicht verlaufen, nicht nur wegen der unerwartet schwierigen Landebahn-Sanierung in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes. Ärger gab es vor allem mit dem parteilosen griechischen Verkehrsminister Christos Spirtzis. Im September 21017 warf er Fraport vor, mit der Modernisierung der Regionalflughäfen bereits in Verzug geraten zu sein. Fraport-Chef Schulte bilanzierte hingegen im März: „Wir sind sehr gut unterwegs“. Die pauschalen Masterpläne seien bereits von den staatlichen Stellen genehmigt und auch von den spezifischeren Design- oder Baugenehmigungen lägen bereits die ersten vor.

Diesen Flughäfen und Airlines gehört die Zukunft
Flughafen mit den meisten neuen Routen: 1. Platz – Istanbul AtatürkInsgesamt hat das Fachmagazin „Anna-Aero“ Flughäfen und Airlines aus Europa in jeweils vier verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Die Auszeichnungen basieren auf Datenauswertungen von Vergleichswochen im August 2013 und August 2014. Der türkische Flughafen am Bosporus schlägt knapp den „europäischen Hauptstadtflughafen“ in Brüssel. Innerhalb von einem Jahr hat der Airport 27 neue Strecken ins Programm genommen. Die neuen Routen verbinden Istanbul mit zwei Zielen des mittleren Ostens sowie dreizehn europäischen, sieben afrikanischen und einem amerikanischen. Quelle: Creaitve Commons: CC BY-SA 3.0
Neue Routen: 2. Platz – Brüssel AirportDen zweiten Platz in dieser Kategorie belegt der Flughafen in Brüssel mit 18 neuen Verbindungen, die überwiegend von den Billigfliegern Vueling und Ryanair angesteuert werden. Insgesamt ist das Streckennetz von 164 auf 182 Routen gewachsen. Quelle: IMAGO
Neue Langstreckenflüge, neue Airlines, meiste Linienfluggesellschaften: 1. Platz – Flughafen Charles de Gaulle, ParisDer größte Pariser Hauptstadtflughafen räumt gleich in drei Kategorien ab. So profiliert sich CDG nicht nur mit den meisten neuen Langstreckenflügen und der höchsten Zahl der dazugewonnenen Airlines, sondern kann auch mit d em größten Angebot von Linienfluggesellschaften aufwarten. Insgesamt können Passagiere am CDG zwischen 107 verschiedenen Linienfluggesellschaften und 94 Langstreckenflügen (sechs neue) wählen. Zudem hat der Flughafen innerhalb von nur einem Jahr sechzehn neue Airlines dazugewonnen und nur vier verloren. Quelle: dpa
Neue Langstreckenflüge, neue Airlines: 2. Platz – Adolfo-Suárez-Flughafen, MadridInsgesamt bieten 73 europäische Flughäfen Langstreckenflüge mit einer Mindestdistanz von 4500 Kilometern an. Den zweiten Platz konnte sich in dieser Kategorie der Adolfo-Suárez-Flughafen in Madrid sichern. Mit fünf neuen Ferndistanzen liegt er nur eine hinter Paris. Auch bei den meisten neuen Airlines sichert sich die spanische Hauptstadt den Silberrang – gemeinsam mit dem Flughafen in Prag (beide plus sieben). Quelle: dpa
Meiste Linienfluggesellschaften: 2. Platz – Flughafen FrankfurtAuch der größte deutsche Flughafen in Frankfurt kann sich sehen lassen: Mit 98 Linienfluggesellschaften zieht er am Fiumicino Airport in Rom vorbei und belegt in dieser Kategorie den zweiten Platz. Quelle: dpa
Fluggesellschaft mit den meisten neuen Routen: 1. Platz – GermanwingsGanze 261 Flugziele hat Germanwings in ihrem Programm. Innerhalb von nur einem Jahr baute das Tochterunternehmen der Lufthansa ihr Streckennetz um hundert zusätzliche Ziele aus und gewinnt damit in der Kategorie bei „Anna-Aero“. Der große Zuwachs ist aber nicht natürlich: Die Lufthansa verlagert alle europäischen Strecken außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München auf die Germanwings. Nur deshalb kann der Billigflieger so stark zulegen. Quelle: dpa
Neue Routen: 2. Platz – VuelingNur ganz knapp hinter Germanwings landet die spanische Billigfluggesellschaft Vueling: Sie hat insgesamt 87 Routen innerhalb von einem Jahr dazugewinnen können. Vueling profitiert damit vom Umbau der spanischen Iberia, die ebenfalls zur International Airlines Group (IAG) gehört. Quelle: dapd

Gerade von der Tourismusbranche werden die Frankfurter bislang wohlwollend begleitet. Giannis Kapasakalis, Direktor einer der größten Reiseagenturen Griechenlands auf der Touristeninsel Kos, ist zufrieden. Man müsse bedenken, dass die Fraport keine Zeit hatte binnen weniger Monaten alles neu zu gestalten, wie manche es sich wünschen, sagte er.

„In den Sommermonaten muss der Flughafen auf Volltouren funktionieren. Reparaturen im großen Stil sind dann nicht möglich“, sagte Kapasakalis weiter. Das bedeute, dass die Sanierung langsamer und in kleineren Etappen durchgeführt werden müsse. Dennoch sei es der Fraport gelungen, in Kos die Landebahn zu reparieren und zusätzliche Parkpositionen für Flugzeuge zu schaffen.

Die Fraport setzte im Winter die Renovierungsarbeiten in mehreren Regionalflughäfen fort, was bei Reisenden nicht unbemerkt blieb. „In Chania konnte man noch vor einem Jahr die meisten Toiletten wegen des Drecks nicht benutzen“, sagt die Deutsche Marianne Käfer, die jedes Jahr nach Kreta reist und in Athen lebt. Heute sei dieses Problem beseitigt. Ein „quick win“ für Fraport und die Fluggäste.

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