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"Ruby-Prozess" Berlusconi-Verteidiger fordert Freispruch

Berlusconi sei unschuldig, habe menschlich gehandelt, das Gericht aber sei voreingenommen: Mit Breitseiten auf Anklage und Richter verlangt Berlusconis Anwalt im "Ruby"-Prozess einen Freispruch.

Berlusconis Küchenkabinett
Über seine Qualitäten als Liebhaber schwärmt er selbst am meisten. Berlusconi kann auf seinem Konto unzählige Affären verbuchen. Der ehemalige italienische Ministerpräsident sagte einmal, dass es sei besser sei, „eine Leidenschaft für schöne Frauen zu haben als schwul zu sein". Oder er begründet seine Vorliebe für schöne Frauen so: Er habe eine hohe Arbeitsbelastung, daher schaue er hin und wieder eben schöne Frauen an. Vielen von ihnen verhalf er zu einträglichen Jobs. Damit dürfte es jetzt erstmal vorbei sein. Quelle: dapd
Ruby Rubacuori: Eine Frau, ein Name, eine Affäre. Ruby, Tänzerin aus Marokko, gehört zur Frauenriege des Ex-Regierungschef und ist eine seiner berühmtesten Gespielinnen. Die junge Frau, die in Wirklichkeit nicht Ruby, sondern Karima el Marough heißt, soll Escortgirl sein. Und noch schlimmer: Bei dem Techtelmechtel mit dem Politiker, war sie noch minderjährig. Das hielt die damals 17-Jährige nicht davon ab, von Berlusconis Parties in seiner Villa zu erzählen. Die Geschichte ging für den Cavalliere nicht gut aus: Im vergangenen Jahr leitete die Mailänder Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Premier wegen Sex mit der 17-jährigen ein. Die Untersuchung führte zu einem Prozess, der momentan noch läuft. Quelle: dpa
Mara Carfagna: Die schöne Frau stieg unter Mentor Berlusconi sehr schnell auf und machte Karriere als – ausgerechnet -  Ministerin für Gleichstellungsfragen. Die Ex-Miss-Italien-Kandidatin wurde von den Medien daraufhin prompt der Titel der „Schönsten Ministerin der Welt“ verliehen. Weniger lustig fand das ganze Schauspiel Berlusconi’s Ehefrau. Und als der Politiker vor laufender Kamera dann auch noch erklärte, er würde die schöne Mara Carfagna heiraten, wenn er nicht schon eine Ehefrau hätte, war das Fass übergelaufen. Veronica Lario verlangte daraufhin von ihrem Mann eine öffentliche Entschuldigung – der Berlusconi dann auch prompt nachkam. Und es schien, als ob der Cavalliere einfach nicht dazu lernt: Auch dem Model Aida Yespica versprach Berlusconi im selben Jahr noch, dass er mit ihr „überall hinginge, sogar in die Wüste“. Die wutentbrannte Ehefrau Berlusconis verlangte von ihrem Mann erneut öffentliche Abbitte. Quelle: Reuters
Nicole Minetti: Die 26-Jährige war vorübergehend Berlusconis Zahnpflegerin - und später wahrscheinlich auch mehr. Sie wurde, dank Berlusconi, norditalienische Abgeordnete in der Lombardei. Im Gegenzug organisierte die ehemalige Zahnarzthelferin die vielbeschworenen Bunga-Bunga-Partys, bei der sie für die nötigen Frauen gesorgt haben soll. Sicher ist, dass Minetti bei fast jedem Fest in Berlusconis Villa mit dabei war. Doch wirklich Glück brachte ihr die Liaison nicht ein. Mittlerweile ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen Minetti. Ihr wird Beihilfe zur Prostitution vorgeworfen – was die 26-Jährige vehement abstreitet. Quelle: Reuters
Eleonora Gaggioli: Auch diese 33-jährige blonde Italienerin schloss der Premier schnell in sein Herz. Ganz fix machte er sie zu einer seiner drei Kandidatinnen für das EU-Parlament. Dabei machte Eleonora Gaggioli wohl auch eher aufgrund ihrer äußerlichen Qualitäten auf sich aufmerksam, als ihrer fachlichen Kenntnisse. Zuvor war sie, wie viele andere ihrer Nachfolgerinnen und Vorgängerinnen, als  TV-Sternchen in Italien tätig. Quelle: picture-alliance/ dpaPR
Angela Sozio: Da capo al fine: Ein weiterer Name, eine weitere schöne Frau. Angela Sozio fällt nur aufgrund ihrer Haarfarbe aus der Reihe. Die Frau mit dem flammend roten Haupthaar war Teilnehmerin der italienischen „Big Brother Folgen“. Später wurde Sozio dabei erwischt wie sie während eines Wochenende-Trips auf Berlusconis Schoß saß. Später wurde auch diese Dame eine von Berlusconis Kandidatinnen für die Europawahlen. Berlusconis Frau meldete sich zu Wort: Sie bezeichnete die Frauen als „schamlose Luder im Dienste der Macht“. Quelle: picture-alliance/ dpapa
Noemi Letizia: Die Beziehung zu der damals 18-jährigen Schülerin Noemi Letizia sorgte für Kopfschütteln, nicht nur im Heimatland Italien. Silvio Berlusconi soll das Mädchen zum 18. Geburtstag besucht haben und sie mit einer kostbaren Halskette reich beschenkt haben. Noemi nannte den Politiker im Gegenzug stets „Papi“. Dass das Mädchen für ihn nur wie eine Tochter war, wollte jedoch keiner so recht glauben. Seine Ehefrau reichte es nach dieser erneuten Affäre – sie beendete damit das Kapitel Berlusconi. Quelle: dpa

Freispruch auf der ganzen Linie für Silvio Berlusconi hat sein Verteidiger im Mailänder „Ruby“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch verlangt. In seinem Schlussplädoyer sagte Anwalt Niccolò Ghedini am Montag, die Vorwürfe gegen den früheren italienischen Regierungschef seien gegenstandslos. Das Gericht sei voreingenommen, die Staatsanwältin Ilda Boccassini habe seinen Mandanten „mehr mit Suggestionen als mit Fakten“ vorverurteilt. Berlusconi könne nur freigesprochen werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft für den 76-Jährigen verlangt, ein Strafmaß, das Ghedini am Montag „ungeheuerlich“ nannte. Er kritisierte eine „kulturellen Nähe“ zwischen Staatsanwaltschaft und Richtern und gab seinen Eindruck wieder, die Verteidigung sei in diesem Prozess nur störend oder lästig gewesen. Berlusconi hat in den beiden Anklagepunkten wiederholt beteuert, unschuldig zu sein. Ein erstinstanzliches Urteil gegen ihn könnte bereits am 24. Juni fallen.

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Die junge Marokkanerin „Ruby“, im Zentrum angeblich wilder Bunga-Bunga-Feste in der Villa Arcore Berlusconis, hatte sich in einem Nebenprozess nicht mehr so gut erinnern können. Sie konnte nicht sagen, ob sie im März 2010 - damals noch minderjährig - allein oder mit anderen jungen Frauen in Berlusconis Villa übernachtet hat. Jedenfalls will sie keinen Sex mit ihm gehabt und von ihm auch keine Millionen erhalten haben. „Ruby“ alias Karima El Mahroug gab an, früher geprahlt und „Dummheiten“ ausgesagt zu haben. Die Anklage hingegen sprach von „systematischer Prostitution“ in der Villa.
Das Gericht solle diese kürzlichen Erklärungen „Rubys“ zu den Akten nehmen, beantragte Ghedini. Berlusconi, damals Regierungschef, hatte ausgesagt, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak gehalten und ihr aus Schwierigkeiten mit der Polizei helfen wollen, um so diplomatische Verwicklungen mit Ägypten zu vermeiden.

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