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Europäische ZentralbankEZB verringert Anleihenkäufe früher als geplant

Die Europäische Zentralbank macht einen weiteren Schritt zum Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Hohe Teuerungsraten belasten Wirtschaft und Verbraucher. Der Krieg in der Ukraine heizt die Preise weiter an. 10.03.2022 - 15:06 Uhr
Foto: dpa

Angesichts rasant steigender Preise ebnet die EZB zwei Wochen nach Ausbruch des Ukraine-Krieges den Weg für eine Zinswende. Sie signalisierte am Donnerstag, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe schneller zurückzufahren und im dritten Quartal ganz auslaufen zu lassen. Das Ende der Käufe stehe allerdings unter der Bedingung, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht auch nach dem Auslaufen der Anleihenkäufe wie von den Währungshütern erwartet entwickelt. Der Euro zog nach dem EZB-Entscheid deutlich an auf 1,1101 Dollar von zuvor 1,1035 Dollar, während der Dax seine Verluste wegen der behutsamen Straffung der Geldpolitik ausbauten.

Das Anleihenprogramm APP wird schneller zurückgefahren als bislang geplant. Es soll im April eine monatliches Volumen an Zukäufen von 40 Milliarden Euro haben, im Mai dann auf 30 Milliarden und im Juni auf 20 Milliarden Euro eingedampft werden. Ursprünglich sollte diese Summe erst ab Oktober erreicht werden. Zugleich werden die Anleihenzukäufe im Rahmen des Pandemie-Notprogramms PEPP zum Ende des Monats wie geplant gestoppt.

Zinswende erst 2023?

Der EZB-Rat verschaffte sich zudem mit Blick auf eine Zinswende mehr Spielraum: Sie werde „einige Zeit“ nach dem Ende der Anleihen-Zukäufe vollzogen, teilten die Währungshüter mit. Bislang hatten sie signalisiert, dass sie „kurz“ nach dem Aus für die Bondkäufe kommen würde. „Das klingt jedenfalls nicht nach einer Zinsanhebung noch im laufenden Jahr sondern ist wohl eher Bestandteil des Jahres 2023“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Ukrainekrieg und EZB

Fällt die Zinswende vorerst aus?

von Malte Fischer

Zugleich strich der EZB-Rat auch eine Passage aus dem Text, die auch die Möglichkeit niedrigerer Zinsen vorsah. Den Schlüsselzins beließen die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde nun auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz liegt weiterhin bei minus 0,5 Prozent.

Die EZB hält die Tür zugleich für eine Erhöhung offen. Er steht bereit, „alle seine Instrumente“ bei Bedarf anzupassen. Damit will er sicherstellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei dem Zielwert von 2,0 Prozent stabilisiert. Ihre Volkswirte erwarten für das laufende Jahr jetzt eine durchschnittliche Teuerungsrate in der Währungsunion von 5,1 Prozent, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Noch im Dezember hatten sie 3,2 Prozent veranschlagt. 2023 soll die Teuerungsrate bei 2,1 (bisher 1,8) Prozent liegen und 2024 dann auf 1,9 (bisher: 1,8) Prozent nachgeben.

„Der Russland-Ukraine-Krieg wird durch höhere Energie- und Rohstoffpreise, die Unterbrechung des internationalen Handels und ein schwächeres Vertrauen erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation haben“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Zinssitzung. Das Ausmaß dieser negativen werde davon abhängen, „wie sich der Konflikt entwickelt“.

Die EZB strebt mittelfristig zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an. Dieses Niveau birgt aus ihrer Sicht für den Euro-Raum die meisten Vorteile. Zuletzt war die Teuerungsrate wegen rasant steigender Energiepreise allerdings immer weiter über die Zielmarke hinausgeschossen. Im Februar markierte sie mit 5,8 Prozent ein neues Rekordhoch. Manche Volkswirte gehen davon, dass durch den Ukraine-Krieg die Energiepreise noch weiter anschwellen werden und im März mit einer Teuerungsrate von über sechs Prozent zu rechnen ist.

Die EZB-Volkswirte sagen für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent für die Währungsunion voraus. Noch im Dezember hatten sie ein Plus von 4,2 Prozent prognostiziert. Für 2023 rechnen sie nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 (bisher: 2,9) Prozent. Für 2024 werden weiterhin 1,6 Prozent erwartet. „Die Erholung der Wirtschaft wird durch die nachlassenden Auswirkungen der Omikron-Variante des Coronavirus unterstützt“, sagte Lagarde. Lieferengpässe hätten zuletzt nachgelassen, während sich der Arbeitsmarkt weiter verbessert habe.

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dpa, rtr
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