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Konjunktur

Die Situation im Euroraum bleibt kritisch

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Niedrige Zinsen und Wertpapierkäufe

Die weltweiten Zentralbanken versuchen mit verschiedenen Maßnahmen das Wachstum anzukurbeln. Zu den mittlerweile üblichen Instrumenten gehören Notenbankzinsen nahe der Nulllinie; die Europäische Zentralbank hat den Einlagesatz sogar bis auf -0,20 Prozent gesenkt.

Ein weiteres Mittel der Konjunkturankurbelung ist der Aufkauf von Wertpapieren: Hierbei suchen die Zentralbanken gezielt nach Anlagen, deren Ankauf das Zinsniveau in den für sie entscheidenden Sektoren der Volkswirtschaft senkt. Die japanische Zentralbank kauft fast alle Arten von Wertpapieren.

Ziel ist es, eine höhere Inflationsrate zu erreichen. In den USA wurden durch die amerikanische Notenbank hauptsächlich Staatsanleihen gekauft sowie Anleihen, die in Verbindung mit dem Hausmarkt stehen. Im Euroraum beginnt die Zentralbank in Kürze mit dem Aufkauf von Krediten, um so die Kreditvergabe anzukurbeln. Als Nebeneffekt aller dieser Maßnahmen werden die Bilanzen der Notenbanken stark ausgeweitet.

Ob das angestrebte Ziel einer Belebung des Wirtschaftswachstums mit diesen Maßnahmen erreicht wird, ist umstritten. Immerhin scheinen diese Bemühungen einen weiteren Rückgang des Wirtschaftswachstums verhindert zu haben. Und das ist bereits ein Erfolg. Allerdings haben die Zentralbanken es bisher nicht geschafft, das Weltwachstum auf ein nachhaltig höheres Niveau zu heben.

Wie sehr die Weltkonjunktur lahmt, zeigt sich auch bei den Investitionen. Die Unternehmen investieren (in Prozent des jeweiligen BIP) seit Jahren deutlich weniger als noch vor der Krise. Dies liegt sicher auch an dem noch immer schwach kapitalisierten Bankensektor. Insbesondere in Südeuropa führt das zu einer schleppenden Kreditvergabe.

Ein anderer wichtiger Grund für die schwachen Investitionen ist die Nichtauslastung der vorhandenen Kapazitäten. Damit fehlt letztendlich der entscheidende Investitionsanreiz für die Unternehmen.

Ölpreise als Indiz

Auch die fallenden Rohstoffpreise sind ein weiteres Indiz für eine relativ schwache wirtschaftliche Entwicklung. Beispielsweise ist der Ölpreis in den letzten Tagen wieder unter die Marke von 100 Dollar je Barrel gefallen. Und die Preisentwicklung bei Industriemetallen ist ebenfalls rückläufig.

Der Instrumentenkasten der EZB

Global betrachtet hat sich also die wirtschaftliche Situation vieler Länder in den vergangenen  Monaten verschlechtert - und das von einem ohnehin eher niedrigen Niveau aus. Bei eher wachstumssensiblen Anlageklassen, wie Aktien oder Unternehmensanleihen kann dies zu einer längeren Korrektur führen. Die Notenbanken werden diese Entwicklung mit einer weiteren Ausweitung der expansiven Politik nur schwer verhindern können, da die Effektivität der Maßnahmen zuletzt schon deutlich abgenommen hat.

Auch die Investitionen der Staaten dürften eher geringer ausfallen, da letztendlich die haushaltspolitischen Spielräume fehlen. Zudem dürfte eine weitere spürbare Ausweitung der Staatsverschuldung das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der staatlichen Budgets weiter verringern. Die Investitionsneigung wird also weiter abnehmen und Wahrscheinlichkeit für zukünftige Steueranhebungen steigt. Es wird also ein unruhiger Herbst werden.

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