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Libertären-Treffen in der Türkei Staat? Nein Danke!

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Piketty löst Debatte über Vermögensverteilung auf

Das gelte auch dann, wenn die Produktionsmittel sich in den Händen der Unternehmen befinden, der Staat ihnen jedoch vorschreibe, was und wieviel sie zu produzieren haben. Jeder Eingriff des Staates in das freie Spiel der Marktkräfte verzerre das Wirtschaftsgefüge, so Polleit. Die Regierungen reagierten darauf mit weiteren Interventionen. Am Ende münde die Interventionsspirale im Sozialismus.

Eine intensive Debatte löste die von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty aufgestellte These zur Ungleichheit der Vermögensverteilung aus. Der Südafrikaner Leon Louw, Menschenrechtsaktivist und Gründer des einflussreichen Think-Tanks Free Market Foundation, kritisierte, Piketty und andere Befürworter staatlicher Umverteilung hätten nicht zur Kenntnis genommen, dass die Armutsquote in den vergangenen 30 Jahren weltweit von 30 auf 3 Prozent gesunken ist.

Selbst den Armen gehe es heute deutlich besser als damals. Die Zunahme der Vermögensunterschiede sei in erster Linie darauf zurück zu führen, dass viele Menschen der Armut entronnen und auf der Einkommens- und Vermögensleiter aufgestiegen sind. „Wir sollten uns über diese ungleiche Verteilung freuen, ist sie doch ein Zeichen dafür, dass es vielen besser geht als früher“, urteilte Louw.

„Reichtum ist nichts Anstößiges“

Ohnehin sei Reichtum nichts Anstößiges. „Die meisten Reichen sind deshalb reich, weil sie Güter herstellen, die die Bedürfnisse der Menschen befriedigen“, sagte Louw. Wer wie Piketty höhere Vermögenssteuern fordere, wolle die Reichen dafür bestrafen, dass sie anderen Menschen dienten. Gleiche Chancen und gleiche Ergebnisse für alle Menschen seien nicht möglich und auch nicht wünschenswert. „Die Menschen haben unterschiedliche Begabungen, werden in unterschiedlichen Regionen und in unterschiedlichen Elternhäusern geboren“, konstatierte Louw. Wer solche Unterschiede einebnen wolle, plädiere im Grunde genommen für einen totalitären Staat. Gleichheit könne es aus libertärer Sicht nur vor dem Gesetz geben.

Drastische Kritik hagelte es auch an vorgeblich gut gemeinten staatlichen Eingriffen wie den Antidiskriminierungsgesetzen. Ben O'Neill von der Universität Canberra machte anhand eines Beispiels deutlich, dass Antidiskriminierungsgesetze mit dem libertären Primat der Unverletzlichkeit des Privateigentums unvereinbar sind. Ist die Wahrscheinlichkeit eines Taxifahrers, Opfer eines Raubüberfalls zu werden, überdurchschnittlich hoch, wenn er farbige junge Männer als Fahrgäste befördere, so sei es verständlich, dass er nicht anhielte, wenn diese ihn heran winkten. Schreibe der Staat den Taxifahrern jedoch vor, alle Gäste gleichermaßen zu befördern, entziehe er ihnen die Verfügungsgewalt über ihr Eigentum und zwinge sie zu irrationalem Verhalten, urteilte O'Neill.

Abschließend untersuchte Hans-Hermann Hoppe die Frage, wo Libertäre im politischen Spektrum zwischen Links und Rechts einzuordnen seien. Der entscheidende Unterschied zwischen Rechts und Links, so Hoppe, bestehe darin, dass Rechte akzeptierten, dass die Menschen von Natur aus ungleich sind und darin keinen Grund für korrigierende Maßnahmen sähen. Dagegen hängen die Linken der Vorstellung an, alle Menschen seien grundsätzlich gleich. Unterschiede seien nur durch die äußeren Umstände erklärbar und müssten korrigiert werden.

Mit diesem linken Denkansatz sei die libertäre Lehre unvereinbar, da korrigierende Eingriffe eine Aggression gegen das Privateigentum darstellten. Sie seien nur gerechtfertigt, wenn die Ungleichheit ihrerseits auf einer Aggression gegen das Eigentum anderer beruhe. In diesem Fall sei eine Wiedergutmachung oder eine Entschädigungszahlung gerechtfertigt. Realistischer Libertarismus sei daher Rechts-Libertarismus.

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