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Ökonom Daniel Stelter warnt "Es wird zu einer Korrektur der Vermögenswerte kommen"

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"Investoren können froh sein, wenn sie eine Rendite von zwei Prozent bekommen"

Piketty sagt nun, wir gingen wieder in Richtung 700 Prozent und ab da werde es für den sozialen Frieden gefährlich...

Ja, er trifft eine Punktprognose, indem er die Entwicklung der vergangenen Jahre einfach fortschreibt. Er hätte aber mit Szenarien arbeiten sollen, denn so klar ist das nicht.

Warum sollte sich dieser Trend nicht fortsetzen?

Piketty hat für die letzten 300 Jahre eine durchschnittliche Kapitalrendite real, also nach Abzug der Inflation, von jährlich 5 bis 6 Prozent ausgerechnet, seit 1945 gar von acht Prozent. Die setzt er auch weiter an. Aber dieser Wert wird in den nächsten Jahren nie und nimmer zu schaffen sein. Die Zinsen sind auf Jahre hinaus unten, die Notenbanken können sie gar nicht erhöhen, weil es dann sofort zu Banken - und Staatspleiten käme; und die Sachwertpreise, also die von Immobilien, zum Teil auch Aktien, sind enorm aufgebläht, können also auch nicht mehr ewig steigen. Investoren können froh sein, wenn sie in den kommenden Jahren eine Rendite von zwei Prozent - vor Steuern - erwirtschaften.

Die größten Ökonomen
Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.
Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gege die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA
Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt. Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen. Quelle: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA
Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen. Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität. Quelle: dpa
Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien. Quelle: dpa
Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft. Quelle: dpa
Amartya Sen Quelle: dpa

Also sollten sie froh sein, wenn sie ihre bestehenden Vermögen erhalten?

Ja. Wirtschaftswachstum setzt sich zusammen aus Bevölkerungswachstum und Produktivitätsfortschritten. Beides haben wir in den Industrieländern kaum noch, und auch in den meisten Schwellenländern schwächen sich die beiden Größen schon ab. Das begrenzt das Wirtschaftswachstum. Vermögen können aber nicht dauerhaft immer schneller wachsen als die Wirtschaft. Läge die Kapitalrendite wirklich dauerhaft über dem Wachstum der Wirtschaft, müsste die Gewinnquote ja auf 100 Prozent des BIP steigen. Das geht nicht.

Aber Piketty belegt in seinem Buch, dass die Vermögen schneller steigen als das Wirtschaftswachstum.

Ja, er belegt es ex post. Aber er übersieht dabei völlig, dass ein Großteil des Vermögenswachstums der vergangenen 30 bis 40 Jahre die Kehrseite des ebenfalls extremen Schuldenwachstums ist. Die Quote der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist in den meisten Industrieländern seit 1970 fast parallel zur Quote der Vermögen zum BIP gewachsen, das Vermögenswachstum oberhalb des Wirtschaftswachstums ist also auf Pump passiert. Für Piketty sind Schulden neutral. Von den Bruttovermögen zieht er die Schulden ab, um zum Nettovermögen zu kommen. Doch Schulden beeinflussen den Wert der Vermögen jenseits dieser einfach Subtraktion. Ohne die Möglichkeit Schulden zu machen, läge die Wirtschaftsleistung und die Preise der Vermögenswerte tiefer. 500 minus 200 sind dann nicht 300 wie Piketty annimmt, sondern vielleicht nur 200.

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