Ukraine-Krieg Schröder und Putin: Chronologie einer Freundschaft

Enge Vertraute: Präsident Putin und damaliger Kanzler Schröder bei den Deutsch-Russischen Konsultationen in Weimar im April 2002. Quelle: imago/Eckehard Schulz

Russland führt Krieg in der Ukraine, aber Altkanzler Gerhard Schröder hält immer noch zu Putin. Woher kommt die Treue zum russischen Autokraten?

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Ex-Bundeskanzler und Gas-Lobbyist Gerhard Schröder lässt sich nicht hereinreden, mit wem er befreundet sein darf. Seit seinen Regierungstagen pflegt er eine enge Freundschaft mit dem russischen Präsidenten. Nun hat sich Schröder am Donnerstagabend offenbar mit Putin in Moskau getroffen, berichtet das Nachrichtenmagazin Politico. Er wolle im Russland-Ukraine-Krieg friedensstiftend vermitteln. Kreml-Sprecher Peskow hat das Treffen der beiden nicht bestätigt.

Seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine wird Schröder Putin-Nähe und seine Rolle als Lobbyist zunehmend kritisiert. „Es gab viele Fehler – auf beiden Seiten“, kommentierte er den Ukraine-Krieg Russlands im sozialen Netzwerk LinkedIn.

Die Freundschaft zu Putin hat Schröder lukrative Aufsichtsratssitze in russischen Gasunternehmen verschafft. Nun zahlt Schröder mit seiner Glaubwürdigkeit dafür. Wie begann diese zweifelhafte Männerfreundschaft?

Wie Schröder und Putin sich in der Sauna trafen

Privates und Politisches ist von Anfang in der Beziehung von Gerhard Schröder und Putin vermischt. Ihr erstes Treffen verbrachten sie angeblich in einem russischen Dampfbad, berichteten die beiden Männer im russischen Fernsehen. Die ZDF-Doku „Putin gegen die Welt“ zeigt diesen Ausschnitt.

Wer das Gesetz der Omerta und die Putinsche Auslegung dazu kennt, den wundert die langanhaltende Treue des Ex-Bundeskanzlers zu Wladimir Putin nicht. Denn Schröder ist in die stärkste mafiöse Bande auf der Welt geraten.
von Stephan-Götz Richter

Als es plötzlich im Dampfbad zu brennen begonnen habe, soll Putin gesagt haben: „Gerhard, wir müssen hier raus, wir brennen.“ Schröder habe geantwortet: „Nein, ich will erst mein Bier austrinken“. Das habe er dann auch getan.

Anfang der 2000er wirkt Putin noch wie ein Reformer

Wenige Wochen nach seiner Wahl zum Präsidenten besucht Wladimir Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Gerhard Schröder. Schröder ist beeindruckt von Putin, von dem der Westen zum damaligen Zeitpunkt Reformen in Russland erhofft. 2001 hält Putin eine Rede im Bundestag, auf Deutsch. Denn Russlands Präsident spricht seit seiner Kindheit fließend Deutsch. Zudem war er als KGB-Agent in der DDR stationiert. Schröder und Putin können sich reibungslos austauschen.

Gemeinsames Weihnachten, Urlaube, Geburtstage

Anfang 2001 verbringen die beiden Staatsmänner und ihre Frauen gemeinsam das orthodoxe Weihnachten. Schröder und Putin fahren zusammen Schlitten im Schnee. In den nächsten Jahren folgen weitere Treffen, auch zu Geburtstagen laden sie sich immer wieder gegenseitig ein.

Wladimir Putin lässt seine Kontakte spielen, um dem Ehepaar Schröder-Köpf in den Jahren 2004 und 2006 dabei zu helfen, zwei Kinder aus Russland zu adoptieren.

Auch in der Familiengeschichte gibt es Schnittpunkte. Beide haben ein enges Familienmitglied, Schröder seinen Vater und Putin seinen Bruder, im Zweiten Weltkrieg verloren. Zudem stammen beide aus einfachen Verhältnissen, aus denen sie sich hochgearbeitet haben.

Wladimir Putin, der „lupenreine Demokrat“?

In der ARD-Sendung „Beckmann“ versichtert Kanzler Schröder im Jahre 2004, dass er in Putin einen lupenreinen Demokraten sehe. Dabei hatte sich Putin bereits damals weitreichende Kontrolle über demokratische Institutionen verschafft und die Arbeit der Opposition in Russland erschwert. Anschließende Kritik an Schröders Aussage führte auch Jahre später nicht dazu, dass er sie relativierte.

Im Frühjahr des gleichen Jahres lädt Gerhard Schröder Putin als Gast zu seinem 60. Geburtstag in Hannover ein. Putin kommt vorbei und bringt einen Kosakenchor aus Russland mit.

Gerhard Schröder, Gazprom und die Nord-Stream-Pipeline

Im September 2005 formalisieren der damalige Bundeskanzler Schröder und Putin den Bau einer Ostsee-Pipeline. Nord Stream 1 soll Erdgas von Russland nach Deutschland befördern. Die Pipeline ist höchst umstritten, da sie die osteuropäischen Länder als Transitländer umgeht.

Kurz darauf verliert die SPD die Bundestagswahl und Angela Merkel wird Kanzlerin. Gerhard Schröder ist auf der Suche nach einem neuen Job – aber nicht lange. Schon im Dezember wird bekannt, dass Schröder Aufsichtsratsvorsitzender bei der Nord Stream AG wird, diese gehört zu 51 Prozent der russischen Gazprom. Es hagelt entrüstete Kritik in allen Parteien.

Party mit Putin: Gerhard Schröder und die Krim-Krise

2014 annektiert Russland die ukrainische Halb-Insel Krim. Daraufhin bricht in der Ost-Ukraine ein Bürgerkrieg aus. Der Westen reagiert mit Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Gerhard Schröder fordert indes Verständnis für den Völkerrechtsbruch auf russischer Seite.

Schröders Freundschaft zu Putin scheint nicht unter der Krim-Krise zu leiden. Im Gegenteil: Schröder feiert seinen 70. Geburtstag im großen Stil in St. Petersburg. Mit dabei auf der Party: Wladimir Putin. Über Politik hätten sie aber nicht geredet, sagt Schröder.

„Gas-Gerd“ – Russlands wichtigster Lobbyist?

2014 und 2017 organisiert Gerhard Schröder gezielt in Berlin Treffen zwischen Gaslobbyisten und deutschen Politikern. Prominenter Gast einer dieser Treffs: die damalige SPD-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Seit September 2017 ist Schröder auch Chef des Aufsichtsrats des russischen Energiekonzerns Rosneft.

Als Putin 2018 wiedergewählt wird, gratuliert ihm Schröder in Moskau zu seiner vierten Amtszeit.

Trotz Ukraine-Krieg: Schröder arbeitet weiter für Rosneft

Den Krieg in der Ukraine unterstützt Schröder wohl nicht, entnimmt man seinen LinkedIn-Einträgen. Aber Schröder zeigt bislang auch keine klare Haltung gegenüber der russischen Regierung. Schröder arbeitet weiter in leitender Position bei Nord Stream und Rosneft. Auch das Angebot eines Aufsichtsratspostens für Gazprom hat er bisher nicht abgelehnt.

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In Deutschland ist die Stimmung gegen Gerhard Schröder aber mittlerweile gekippt: Laut einer Umfrage fordern 75 Prozent der Deutschen, dass sein Ruhegehalt gestrichen werden sollte, wenn er seine Jobs in den Chefetagen russischer Staatskonzerne nicht aufgibt. Seine Büro-Angestellten haben ihm bereits gekündigt. Teile der SPD fordern ein Ausschlussverfahren.

Lesen Sie auch: Der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist bei Wladimir Putin in die stärkste mafiöse Bande auf der Welt geraten. Ein Gastbeitrag.

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