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Blick hinter die Zahlen #67 – Fußball-Europameisterschaft Turnier der Ausrüster: Swoosh schlägt Streifen

Große Fußball-Turniere sind stets auch ein Wettkampf der Sportartikelfirmen: Nike und Adidas statten ähnlich viele EM-Teams aus – doch wenn es um die Schuhe der teuersten Spieler geht, liegt einer der zwei deutlich vorn.

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Eine alte Fußballweisheit behauptet, Geld würde keine Tore schießt. Wäre es allerdings doch so, könnten sich die Fans zwischen Brighton und Newcastle schon einmal freuen: Englands Nationalmannschaft hat den mit weitem Abstand höchsten Marktwert aller teilnehmenden Teams. Der Zaster-Logik zufolge dürfte ihnen der Titel kaum zu nehmen sein.

Hintergrund der monetären Dominanz ist vor allem die wirtschaftliche Stärke der heimischen Premier League. In keinem anderen Markt überweisen Medienunternehmen, Mäzene und Sponsoren mehr Geld an die Liga und die Klubs als im Königreich. Das schlägt sich – trotz Corona – in den Gehältern der Kickerstars und ihre Bewertung nieder. Zwar hatte auch in England die Pandemie Folgen für die Erlöse – beispielsweise fehlen den Klubs natürlich auch die Millionen aus den Zuschauereinnahmen. Auch die Medienunternehmen reduzierten wegen der Saisonunterbrechung ihre Überweisungen an die Liga. Doch ist es der Premier League durch vorgezogene Abschlüsse jüngst immerhin gelungen, die bestehenden Medienverträge mit Sky Sports, BT Sport, Amazon Prime Video und der BBC um drei weitere Jahre zu verlängern. Jene Verträge bescheren den Vereinen bis 2025 umgerechnet 5,5 Milliarden Euro – und den Fußballstars üppige Gehälter mit entsprechenden Ablösesummen.

Unter dem Strich ist der Kader von der Insel fast 50 Prozent wertvoller als das Aufgebot, das der amtierende Fußball-Weltmeister Frankreich auf den Platz stellen wird. Die deutsche Elf, die zuletzt 1996 den Titel holte und auf Frankreich bereits bei ihrem ersten Turnerauftritt am 15. Juni in der Vorrunde trifft, landet immerhin auf Rang drei.



Die Dominanz der englischen Spieler zeigt sich sehr deutlich beim Blick auf die Top Ten der wertvollsten Fußballer. Die Hälfte dieser Top-Akteure stammt von der Insel. Nur die Krone bleibt ihnen verwehrt – aktuell ist der Stürmer Kylian Mbappé, der sein Geld bei Paris St. Germain verdient, Europas wertvollster Kicker. Mit Joshua Kimmich vom FC Bayern bringt es immerhin ein deutscher Spieler unter die zehn mit dem höchsten Marktwert. Corona hinterlässt bei der Spielerbewertung jedoch sichtbare Schleifspuren – laut der Unternehmensberatung KPMG sank der Marktwert der 500 teuersten Spieler zwischen Februar 2020 und April 2021 um zehn Prozent.

Sogar noch dominanter als Englands Kicker in der Money-Liga tritt dagegen der weltgrößte Sportkonzern auf. Geht es um die Frage, wie viele der Top-Spieler ihre Fußballschuhe und ein stattliches Zubrot von einer bestimmten Sportmarke beziehen, beherrscht Nike die Top Ten der wertvollsten Kicker. Sieben der zehn Akteure stehen beim US-Unternehmen unter Vertrag. Selbst Bayern-Spieler Kimmich, an dessen Arbeitgeber der Nike-Konkurrent Adidas beteiligt ist, trägt Treter mit dem sogenannten Swoosh.



Tatsächlich stattet der Dax-Konzern aus Herzogenaurach aktuell keinen der zehn wertvollsten Spieler aus. Unter den Top Ten vertreten ist dagegen ausgerechnet der deutlich kleinere Ortsrivale Puma, der den belgischen Angreifer Romelu Lukaku mit Schuhen ausrüstet. Da sich der Marktwert der Spieler neben ihrem sportlichen Können nicht zuletzt auch aus ihrer Popularität in sozialen Medien speist, ist das ein klarer Vorteil für Nike – Nachwuchskicker schauen ihren Idolen schließlich auf die Füße und eifern ihnen nach. Zwar hat bei allen Sportartikelherstellern zuletzt das Geschäft mit der Ausstattung für Mannschaftssportarten gelitten. Doch mit der allmählichen Besserung der Corona-Lage hoffen alle Beteiligten darauf, dass auch Amateur- und Nachwuchskicker in absehbarer Zeit wieder ins Training einsteigen dürfen – und Trikots und neue Schuhe benötigen.

Der Zweikampf zwischen Nike und Adidas spielt sich auch bei der Frage ab, welcher der beiden Ausrüster die meisten – und vor allem die aussichtsreichsten – teilnehmenden Mannschaften bei der Euro ausstattet. Rein zahlenmäßig hat auch hier Nike die Nase vorn. Die US-Amerikaner statten neun Nationalteams aus, Adidas kommt auf acht. Puma hat seit vielen Jahren ein Quartett unter Vertrag – neben Dauerbrenner Italien die Alpenländer Schweiz und Österreich sowie Tschechien.



Jako ist der kleinste der drei deutschen Hersteller. Der Mittelständler aus dem baden-württembergischen Mulfingen fertigt die Trikots für den Außenseiter Nordmazedonien. Das dänische Team setzt wieder auf den heimischen Hersteller Hummel, der im Fußball derzeit wieder deutlich aktiver wird und auch zahlreiche Vereinsmannschaften unter Vertrag genommen hat. Welche Marke sich am Ende mit ihrem Team im Finale durchsetzt, ist wie immer völlig offen – nicht ausgeschlossen, dass wie 2004 in Portugal ein Überraschungsteam den Pokal gewinnt. Damals schlug Griechenland im Finale den Gastgeber – der Sieg bescherte Ausrüster Adidas mit 150.000 zusätzlich verkauften Hellenen-Leibchen eine Sonderkonjunktur.

Sehr ähnlich wie bei den Nationalteams, wo auch stets die Frage ist, welche Mannschaften es durch die Qualifikation überhaupt bis in die Endrunde der Europameisterschaft schaffen, ist die Lage bei den wichtigsten Vereinsmannschaften des Kontinents. Hier kommt Nike auf fünf Teams, Adidas bringt es auf vier. Mit dem Schwergewicht Manchester City mischt allerdings mit Puma auch der kleinste der drei Top-Ausrüster mit, der die Blues einigermaßen überraschend für sich gewinnen konnte.



In einem Punkt allerdings herrscht seit Jahrzehnten ungebrochene Kontinuität: Seit 1968 hat kein anderer Hersteller als Adidas den Spielball der Europameisterschaft gestellt. Vor 53 Jahren hieß das klassisch schwarz-weiße Modell „Telstar“ und war benannt nach einem Kommunikationssatelliten. Bei der Euro in diesem Jahr trägt die Kunststoffkugel den Kunstnamen Uniforia und ist vor allem eins – ziemlich bunt.

Mehr zum Thema: Weniger Zuschauer, weniger Einnahmen: Die Corona-Beschränkungen treffen die EM-Spielorte wie München unterschiedlich stark. Nur in einer Stadt ist alles ganz normal. Weniger Fans in den Stadien: So viel Geld entgeht Europas Städten durch die Corona-Auflagen zur Fußball-EM

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