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Apple versus Google Kontrolle ist besser

Warum sich Nutzer von iPhone und iPad besser gegen Schnüffel-Apps schützen können.

Handy an einer Kette (Illustration) Quelle: Foto: Getty Images, Illustration: Dmitri Broido

Es war im November 2009, da stießen Apples Ingenieure in iPhone-Apps des Entwicklers Storm8 auf Überraschendes: Die Programme kopierten heimlich private Daten aus dem Telefonbuch des Handys auf eigene Server. Die Besitzer der Telefone merkten davon nichts. Binnen Tagen warf Apple sämtliche Programme von Storm8 aus seinem Handysoftwareladen App Store. Nicht nur das. Der kalifornische Computerbauer passte seine Plattform so an, dass Programme, die Ähnliches versuchen, gar nicht erst zum Download zugelassen werden.

Diese Daten können die populärsten Android-Apps auslesen

„Dieser Genehmigungsprozess ist es, der Apples Betriebssystem iOS zurzeit deutlich sicherer macht als Googles Konkurrenzprodukt Android“, sagt Günter Kurth, Spezialist für mobile Systeme beim IT-Dienstleister Computacenter in Kerpen. Denn bei Android gibt es nicht nur viele unkontrollierte Download-Plattformen. Auch die Checks in Googles eigenem Android-Store Play sind laxer.

Die Opfer der Apple-Zensur
Jüngstes Opfer von Apple im App Store von iTunes: Die sehr beliebte Instant-Messenger-Anwendung WhatsApp. Damit lässt sich über alle Geräte-Grenzen hinweg kostenlos kommunizieren - egal ob auf Blackberry, iPhone, Android oder Symbian. Damit ersetzt die App vor allem bei vielen Jugendlichen teure SMS. Wer die App bereits installiert hat, kann sie weiter nutzen - doch weder erlaubt Apple das aktuelle Update noch können Nutzer die App derzeit aus dem App Store installieren. Der Hersteller teilte via Twitter mit, eine neue Version der App sei eingereicht worden und durchlaufe nun den Prüfungs-Prozess von Apple. Der Hintergrund der Lösch-Aktion ist bisher völlig unklar. „Dazu gibt es von Apple keinen Kommentar“, heißt es wie in solchen Fällen üblich aus der Firmenzentrale in Cupertino. Im Web wird spekuliert, dass die Löschung der App mit kürzlich bekannt gewordenen Sicherheitslücken zusammenhängt. Die Website whatsappstatus.net hatte eine Sicherheitslücke demonstriert, auch die Sicherheitsfirma SEC Consult Vulnerability Labs wies auf mehrere Schwachstellen hin. Andere glauben, Apple wolle die Nutzung seiner eigenen mit dem jüngsten Betriebssystem iOS 5 vorgestellte Messenger-App mit der Löschung stärken. WhatsApp war aber nicht die erste prominente App, die Apple kurzerhand kaltgestellt hat...
Der verstorbene ehemalige Apple-Chef Steve Jobs galt als Unterstützer der Demokraten - der bekannte Demokrat und Umweltschützer Al Gore ist Mitglied im Apple-Board. Die App Freedom Time, die die Tage bis zum Ende der Präsidentschaft von George W. Bush zählte, war Jobs 2008 aber offenbar dennoch zu viel politischer Kampf auf seiner Plattform - und sie wurde schließlich gelöscht. Die Programmierer Alec Vance und Court Batso beschwerten sich bei Jobs persönlich - und der antwortete dem Blog der Entwickler zufolge so: „Auch wenn ich mit meinen persönlichen politischen Ansichten eher den Demokraten zugeneigt bin, glaube ich, dass diese App in etwa die Hälfte unserer Kunden vor den Kopf stößt. Also was soll das?“ Quelle: Juggleware
Auch Scherze über Bush-Nachfolger Barack Obama toleriert Apple nicht. Die App Obama Trampoline ließ verschiede Größen der amerikanischen Politik auf einem Trampolin im Oval Office des Weißen Hauses springen - zum Missfallen von Apple. Entwickler Swamiware wusste aber Rat und entpolitisierte die App kurzerhand. Alle politischen Persönlichkeiten bekamen nun Papiertüten über den Kopf gezogen, um sie zu anonymisieren. Die in Party Trampoline umbenannte App darf seit dem wieder heruntergeladen werden. Quelle: PR
Eine App mit politischen Karikaturen des Zeichners Mark Fiore lehnte Apple unter dem Hinweis ab, sie gäben Personen der Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preis. Erst als Fiore den Pulitzer-Preis erhielt, änderte Apple seine Meinung.
Streng ist Apple immer dann, wenn eine App die Gefühle von Nutzern verletzen könnte - seien sie politischer oder religiöser Natur. Für größeren Wirbel sorgte die Löschung der App „Me so holy“, in welcher der Nutzer sich mittels eines Foto in einen berühmten Religionsführer verwandeln konnte. Waren die virtuellen Heiligenbildchen für die meisten ein harmloser Spaß, sah Apple darin eine Verletzung religiöser Gefühle - und verbannte die App. Das Unternehmen verwies dabei auf Punkt 3.3.12 der Nutzungsbedingungen, die generell alle „anstößigen Inhalte“ verbietet. Quelle: PR
Von Drogen will Apple seinen App Store freihalten - selbst wenn sie nur virtueller Natur sind. Das Spiel „Dope Wars“, in dem sich der Spieler vom kleinen Dealer zum Drogenbaron hocharbeitet, durfte nicht in den Apple Store - auch wenn das Spiel eher satirischen Charakter hat. Doch Hersteller Catamount Software wusste Rat: Das gleiche Spiel wurde noch einmal eingereicht und alle Bezeichnungen für Drogen durch Süßigkeiten ersetzt. Neuer Titel: „Candy Wars“ (rechte Bildhälfte) - mit Apples Segen im App Store. Quelle: Catamount Software
Bei der App der Bild-Zeitung stießen deutsche nackte Tatsachen auf prüde amerikanische Moralvorstellungen. Bilds „Girl des Tages“ darf der Springer-Konzern auf dem iPhone nur zensiert zeigen.

Vorteile der Gängelei

Apple dagegen wacht rigide darüber, dass Nutzer – sofern sie nicht das Betriebssystem ihrer Telefone knacken – Anwendungen ausschließlich aus dem eigenen App Store laden. Was mancher als Gängelei empfindet, hat auch Vorteile. Denn die Miniprogamme dürfen keine Daten versenden – außer, der Nutzer erlaubt es ausdrücklich. Eine Vorgabe, die Apple selbst schon verletzt hat, als eine ältere iOS-Version ohne Wissen der Nutzer Bewegungsprofile von iPhones erfasste und an Apple überspielte. Nach einem Aufschrei der Anwender gelobten die Kalifornier Besserung.

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Heute darf eine App den Nutzer nur um zusätzliche Rechte bitten, wenn dies für ihre Funktion nötig ist. Ob eine App diese Vorgabe einhält, prüfen Apple-Mitarbeiter bei jedem Programm. Die Folge: „Abgesehen von wenigen faulen Äpfeln, respektieren die meisten iOS-Apps persönliche Daten“, heißt es in einer Studie der University of California in Santa Barbara.

Unternehmen, die Daten auf den iOS-Geräten ihrer Mitarbeiter gegen Zugriffe schützen wollen, haben noch einen Vorteil. Während von Android heute zehn Softwareversionen existieren, ist das bei iOS anders. Die aktuellste Version läuft auch auf älteren iPhones und iPads. Das macht es leichter, Handys mit Mobile-Device-Management-Systemen abzusichern. „Heute“, sagt IT-Experte Kurth, „sind iPhones fast so sicher wie Blackberrys.“ Die haben so hohe Datenschutzhürden, dass viele Benutzer beim Versuch, Zusatzprogramme zu installieren, entnervt aufgeben.

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