Bundeskartellamt: SAP darf WalkMe kaufen: Das soll SAPs neueste Übernahme für Nutzer ändern
Der Softwarekonzern SAP aus dem nordbadischen Walldorf baut sein Portfolio rund um Digitalisierung und künstliche Intelligenz weiter aus.
Foto: imago imagesDie digitale Transformation von Unternehmen sowie die stärkere Unterstützung von Geschäftsprozessen durch künstliche Intelligenz (KI) gehören auch für SAP zu den derzeit wichtigsten Themen und geschäftlichen Wachstumsfeldern. So hat der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware erst Anfang Juni angekündigt, den israelischen Anbieter von KI- und Digital-Tools WalkMe für 1,5 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Am Freitagmittag teilte das Bundeskartellamt nun mit, der Erwerb sei freigegeben. Gegen das Vorhaben gebe es keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken. WalkMe werde auch nach der Übernahme weiterhin dem Wettbewerb durch andere Anbieter ausgesetzt sein.
Das israelische Unternehmen ist spezialisiert auf Lösungen, die Endnutzern dabei helfen, neue Software einfacher und schneller zu verstehen und einzusetzen. „Mit der Übernahme von WalkMe verstärken wir die Unterstützung für unsere Endanwender deutlich, und helfen ihnen, neue Lösungen und Funktionen schnell zu übernehmen“, ließ sich SAP-Vorstandschef Christian Klein Anfang Juni in der Übernahmeankündigung zitieren, „so dass unsere Kunden den maximalen Nutzen aus ihren IT-Investitionen ziehen können.“
Tatsächlich hat WalkMe auch Funktionen für die IT-Manager in Firmen parat: Diese erhalten eine Art Software-Cockpit, das anzeigt, welche Anwendungen im Unternehmen wie genutzt werden und womit sich Nutzer möglicherweise schwertun. „So sollen CIOs Flaschenhälse vermeiden und die Nutzungsrate neuer Anwendungen hochtreiben können“, erläutert SAP-Manager Rouven Morato.
Unterstützung für Endnutzer und IT-Chefs
Morato leitet bei SAP das Geschäft mit den Prozessmanagement-Lösungen Signavio und LeanIX. Den Prozessdurchleuchter Signavio hatte SAP Anfang 2021 gekauft, den IT-Architekturabbilder LeanIX im Herbst 2023. Nach erfolgreichem Abschluss der Übernahme soll WalkMe ebenfalls in die Verantwortung von Morato wandern.
In der Praxis unterstützt WalkMe, indem sich die Tools optisch auf die Nutzeroberfläche anderer Anwendungen aufsetzen – und dem Endnutzer kontextabhängig Nutzungstipps geben. „Dazu nutzt WalkMe eigene KI-Fähigkeiten, um die passenden nächsten Schritte zu ermitteln und vorzuschlagen“, berichtet Morato. Künftig sollen die KI-Fähigkeiten von WalkMe unter anderem mit dem KI-Assistenten aus dem Hause SAP namens Joule verwoben werden.
Tatsächlich ist WalkMe auch für SAP selbst kein Unbekannter. Das Cloud-basierte System für Reisekostenabrechnungen SAP Concur nutzt WalkMe schon heute, um Gelegenheitsnutzern die Abrechnung von Dienstreisen zu erleichtern. „Das positive Feedback der Concur-Nutzer gab einen wichtigen Ausschlag für die Übernahme“, so Morato.
Schnellere und einfachere digitale Transformation
Durch den Kauf des Unternehmens mit Hauptsitz in Tel Aviv in Israel erhofft sich SAP, seine Kunden bei der digitalen Transformation und der Einführung neuer Software besser unterstützen zu können als bisher. „SAP scheint langsam zu erkennen, dass reine technische Angebote nicht ausreichen, damit Firmen ihre Altsysteme modernisieren“, sagt Frank Naujoks, Analyst für Unternehmenssoftware beim Marktbeobachter PAC. „Die Kunden brauchen jemanden, der sie durch den Prozess begleitet – das soll künftig WalkMe leisten.“ SAP-Experte Axel Oppermann sieht vor allem den künftigen Dreiklang von Signavio, LeanIX und WalkMe positiv: „Damit stärkt SAP seine Führungsposition in der Geschäftstransformation“, sagt der Analyst des IT-Beobachters Avispador.
WalkMe war bisher an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert, wo es vor der Übernahmeankündigung durch SAP eine Marktkapitalisierung von rund 770 Millionen Dollar hatte. Das Barangebot durch die Walldorfer in Höhe von 14 Dollar je Aktie oder 1,5 Milliarden Dollar entspricht einem Plus gegenüber dem Schlusskurs der Israelis Anfang Juni von rund 45 Prozent.
Im Geschäftsjahr 2023 hat WalkMe einen Umsatz von rund 267 Millionen Dollar erzielt und dabei ein operatives Minus in Höhe von 55 Millionen Dollar erwirtschaftet. Zu den Umsatzaussichten für die kommenden Jahre schwieg sich SAP allerdings aus: Mit dem Zugang zum Kundenbestand der Walldorfer habe WalkMe aber nun die Chance, sein Wachstum in den kommenden Jahren zu beschleunigen.
Lesen Sie auch: SAP vor „starkem Wachstumsschwung“ durch künstliche Intelligenz
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert.