DVD-Kritik: Die Erfolgsstory von Steve Jobs ist langweilig
In "Jobs" spielt Ashton Kutcher den Apple-Visionär
Foto: APVom übel riechenden College-Abbrecher ohne Schuhe zum philosophierenden Visionär, bis hin zum menschlich fragwürdigen Milliardär: ein Leben, wie gemacht für Hollywood. In „Jobs - Die Erfolgsstory von Steve Jobs“ wird das Leben des Apple-Gründers im Schnelldurchlauf erzählt. Er erfindet Apple, wird aus seiner eigenen Firma geschmissen und stampft kurzerhand zwei neue Unternehmen aus dem Boden. Nach Pixar und Next kehrt er zurück zu Apple, der Kreis schließt sich, und der Film ist vorbei.
Schon nach wenigen Minuten geht es vielversprechend los. „Es sind 1000 Songs in der Hosentasche. Ich möchte ihn Euch präsentieren: Den iPod.“ – Steve Jobs stellt auf großer Bühne die neue Revolution vor. Dann beginnt der Rückblick auf sein Leben.
Jobs begegnet uns 1974, kurz nachdem er sein Studium am Reed College geschmissen hat. Er rebelliert gegen das System, ist ein Künstler. Heruntergekommen, in zerschlissenen Jeans und meist ohne Schuhe philosophiert er über das Leben. Er liebt Computer und Technik genauso wie Drogen. In Indien sucht er nach dem Sinn seines Lebens. Erstaunlich authentisch spielt Ashton Kutcher seine Rolle. Trotz Teenie-Komödien schafft er es sein Hollywood-Blockbuster-Image abzulegen.
„Ich glaube, dass die besten und innovativsten Tage noch vor Apple liegen. Und ich freue mich darauf, den Erfolg von Apple in einer neuen Rolle zu sehen und dazu beizutragen. Ich habe bei Apple einige der besten Freunde in meinem Leben gefunden und ich danke Euch allen für die vielen Jahre, die ich neben Euch arbeiten konnte.“
Übersetzung aus dem Abschiedsschreibens von Steve Jobs.
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Foto: rtr„Unser Marktanteil ist sehr gesund. Unsere Wettbewerber fordern uns nicht genügend heraus. Also müssen wir es selber tun. Sonst werden wir schlaff.“ Das sagte Jobs im Oktober 2005 in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Foto: ap
Foto: ap„Es ist besser, ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten. Lasst uns Piraten sein.“
Aus dem Buch "Die Apple-Story"
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Foto: rtr"Ich denke, dass man immer ein wenig anders sein musste, um einen Apple-Computer zu kaufen. Oft halten sich solche Menschen selbst für ein bisschen verrückt. Doch in dieser Verrücktheit sehen wir Genialität."
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Foto: dpa"Heute schreiben wir ein bisschen Geschichte" Steve Jobs 2007 bei der Einführung des iPhones."
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Foto: dpa"Ich bin genauso stolz auf das, was wir nicht machen wie auf das, was wir machen."
Jobs über die Fokussierung Apples auf wenige Produkte.
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Foto: dpa"Qualität ist wichtiger als Quantität und ist obendrein finanziell die bessere Entscheidung. Ein Home Run ist viel besser als zwei Doppel."
Quelle: Handelsblatt Online
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Foto: dapd„Lass den Lärm anderer Leute Meinungen nicht deine eigene innere Stimme ertränken. Und am wichtigsten: Hab Mut, deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Irgendwie wissen sie bereits, was du wirklich willst. Alles andere ist sekundär.“
Quelle: dpa
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Foto: rtrDas einzige Problem an Microsoft ist, dass sie keinen Geschmack haben. Sie haben absolut keinen Geschmack. Und ich meine das nicht nur im Detail, ich meine das im Großen und Ganzen, im Sinne, dass sie keine originellen Ideen haben und, dass sie wenig Kultur in ihre Produkte einbringen.
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Foto: rtr"Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen."
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Foto: rtrChronologisch wird sein Leben weitererzählt. 1976 trägt er wieder Schuhe und arbeitet als Spieleentwickler. Jobs scheitert, denn er liebt seine Unabhängigkeit. „Sie sind gut, verdammt gut. Aber Sie sind ein Arschloch“, sagt sein Chef zu ihm.
Danach gibt es die Portion Drama, keiner will sein Betriebssystem kaufen. Im Schnelldurchlauf wendet sich die Situation. Apple wird gegründet, in der heimischen Garage werden die Home-Computer zusammengeschraubt. Neben der Erfolgsstory gibt es auch das Beziehungsdrama: Jobs wird Vater, verschmäht seine Freundin und seine Tochter. Er wird zusehend cholerisch im Beruf, wirkt überheblich und verliert seine menschlichen Züge.
Der Film springt zu den wichtigsten Etappen in Jobs Leben. Die Vorstellung des Apple II, Apples Börsengang, der verlorene Machtkampf mit Aufsichtsratschef Arthur Rock und Neu-CEO John Sculley. Nachdem er aus seiner eigenen Firma geworfen wurde, gibt es wieder Zeitraffer. Ein bisschen Traurigkeit, Trotz und Verbitterung. Irgendwann kommt Bill Gates ins Spiel, Jobs steigt wieder bei Apple ein und verwirklicht sein Herzensprojekt, den Mac.
Auch ohne ein Apple-Spezialist zu sein, gibt es nicht viel Neues bei dem Film. Es ist die übliche Geschichte eines Überfliegers, viel wusste man schon. Der Film endet genau an dem Punkt, an dem es spannend wird. 1997 ist Schluss, der iMac erfunden. Aber wie hat Jobs das Unternehmen so erfolgreich gemacht? Wie hat er den Mac vermarktet? Wie ist der iPod angekommen und wie ist man auf die Idee des iPhones gekommen? Wie ist der Streit mit Microsoft ausgegangen?
Der Film bleibt nah an der Realität, dadurch wirkt das Erzähltempo an vielen Stellen zu hektisch, an anderen wieder zu lang gezogen. Wer keine 500-Seiten Biographie über Steve Jobs lesen will, der bekommt durch den Film einen guten Überblick. Mehr aber auch nicht. Der Film zeigt den Aufbau des Unternehmens und gibt eine Idee von Jobs Charakter. Dabei bleibt er wohlwollend. Steve Jobs wird egozentrisch, eigenwillig, aber trotzdem in sich gekehrt und ruhig gezeigt. Der Film schafft es dabei nicht zu fesseln. Er ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Ein bisschen Biographie, ein bisschen Unternehmensgeschichte, ein kleiner Eindruck aus dem Silicon Valley.