Online-Diagnose Vorsicht vor dem Cyber-Doktor

Wenn das Knie schmerzt oder der Bauch drückt, bietet das Internet schnellen Rat und Online –Diagnosen. Die Harvard Medical School hat ihre Qualität getestet und kommt zu einem bedrohlichen Ergebnis.

Stethoskop Quelle: dpa

„Cyberchondrie“ – es gibt sogar einen eigenen Namen für das neue Leiden, sich erst im Netz ärztliches Wissen anzulesen, um einen Atemzug später schon die ersten Symptome zu verspüren. Dieses Krankheitsbild kann man noch mit Humor nehmen. Was die Wissenschaftler aus Harvard über die Diagnosekraft solcher Nachschlag-Portale aber herausfanden wohl nicht.

Sie untersuchten 23 national bekannte Anbieter von Online-Diagnosen in den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Polen auf ihre medizinische Qualität. Die Mediziner sandten 45 verschiedene Scheinanfragen an jedes Gesundheits-Portal. 26 Symptom-Konvolute zielten auf häufige Krankheitsbilder, 19 Mal hätte die richtige Diagnose eine seltene Krankheit ans Licht gefördert. 

Großteil der Diagnosen ist falsch

Die lange Auswertung in Kürze: In zwei Drittel aller Fälle bekamen die vermeintlich Kranken eine falsche Diagnose. Gerade mal 34 Prozent der Ergebnisse wiesen auf die richtige Spur. In 58 Prozent der Fälle fand sich die richtige Zuordnung unter den ersten 20 der angebotenen Krankheitsbilder. Eine Diagnose-Lotterie sozusagen.

Zehn Netz-Ärzte wollten nicht einmal wissen, ob ein Mann oder eine Frau die Symptome beklagt – was aber für die richtige Diagnose wichtig sein kann.  

Zum Vergleich: Anders als in der virtuellen Realität geht man im Sprechzimmer eines Arztes von einer Trefferwahrscheinlichkeit seiner Diagnose von 85 bis 90 Prozent aus.

Standardfragen und Checklisten

Auch wenn die amerikanischen Wissenschaftler keine deutschen Anbieter für medizinische Hilfestellung untersuchten, die Wahrscheinlichkeit auf eine vergleichbare Qualität wie in den Niederlanden und Co zu stoßen, ist groß. Schließlich werden Auskunftssuchenden nur Standardfragen und –antworten gestellt oder vermeintliche Checklisten kommen zu seltsamen Antworten.   

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So ergeht es den Deutschen zum Beispiel auf netdoktor.de – einem der größten gewerblichen Laien-Medizinportalen Deutschlands, werbefinanziert.

Wer sich mit der klassischen Schilddrüsenunterfunktion unter den Standard-Angaben weiblich und erwachsen und den Standard-Symptomen Müdigkeit/Atemnot bei Belastung/verringerte Leistungsfähigkeit  durch den Fragenkatalog arbeitet, bekommt eine überraschende Diagnose. Der Netdoktor schlägt genau eine mögliche Ursache vor: Die Diagnose lautet cor pulmonale  - die rechte Herzkammer ist irreparabel überdehnt und die Ursache wohl eine chronische Lungenerkrankung. Ein Fall für Harvard.

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