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Elektronikmesse CESWenn die Zahnbürste mit dem Smartphone spricht

Verkehrswarnungen lassen die Uhr vibrieren, eine SMS setzt den Staubsauger in Gang: Auf der Elektronikmesse CES ist zu sehen, wie vernetzte Haushaltsgeräte und Fitness-Gadgets das Leben erleichtern. Dieses Mal wirklich.Christof Kerkmann 06.01.2014 - 09:33 Uhr aktualisiert Quelle: Handelsblatt

Die Messe läuft offiziell vom 7. bis 10.01.2014.

Foto: dpa

Mit einer Flunkerei fing es an. Thomas Serval glaubte seiner kleinen Tochter nicht, dass sie die Zähne geputzt hatte – konnte es aber nicht kontrollieren. Das brachte den damaligen Google-Mitarbeiter auf eine Idee: eine Zahnbürste, die mit Sensoren die Putzaktivitäten misst und ans Smartphone des Vaters funkt. Das Resultat zeigt der Franzose derzeit auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas: Die erste vernetzte Zahnbürste, die für 100 bis 200 Dollar auch Erwachsene zur Hygiene motivieren soll.

Wer keinen Spaß an technischen Spielereien hat, wird das Gerät vielleicht seltsam finden. Doch es steht für einen Trend, der weit über das Nerd-Badezimmer hinausreicht: Auf der CES, die in der Branche traditionell die Themen fürs neue Jahr vorgibt, werden so viele vernetzte und smarte Produkte zu sehen sein wie noch nie.

Abermillionen von Notebooks, Tablet-Computer und Smartphones sind längst online. Doch das Internet wächst weiter: Auch Heizungen und Türschlösser, Backöfen und Wäschetrockner lassen sich heute anschließen, das Auto sowieso – Sensoren und Sender machen es möglich. So können Nutzer mit einer App den Tankstand abfragen oder auf dem Heimweg das Wohnzimmer anheizen, beim Joggen den Blutdruck messen und aus der zweiten Obergeschoss den Trockner im Keller starten. Geht es nach der Technologiebranche, wird in Zukunft alles smart.

Nun reden die Hersteller schon seit Jahren vom vernetzten Haus, am besten samt Kühlschrank mit Internetanschluss, der rechtzeitig Milch nachbestellt – und verschweigen lieber die Verkaufszahlen. Doch es spricht viel dafür, dass viele smarte Objekte in den nächsten Jahren tatsächlich die Welt erobern. Denn inzwischen steht alles für die Vernetzung bereit: Billige Sensoren und Sender, schnelle Internetverbindungen – und das Smartphone als Fernbedienung für die digitale Welt. Fortschritt ist auch bei den Standards zum Datenaustausch zu erwarten.

Sensoren sind die Sinnesorgane der smarten Produkte. Die Zahnbürste etwa misst die Putzbemühungen mit Bewegungs- und Lagesensoren. Doch die Fühler können längst mehr: Sie bestimmen den Ort, messen Töne, Licht und Temperatur, aber auch Herzschlag, Leitfähigkeit der Haut und Muskelaktivität. „Man kann Sensoren zu deutlich niedrigeren Preisen als früher einbauen“, sagt Shawn DuBravac, Chefökonom des US-Branchenverbandes CEA. Konnektivität werde dadurch zu einem Standard-Feature. Praktisch alles kann vernetzt werden.

Einen Blick in diese Zukunft offenbart die CES schon 2014: Da sind Fitness-Uhren zu sehen, die Puls und Blutdruck messen; T-Shirts, die den Schlaf des Babys überwachen; oder Wetterstationen mit Smartphone-App. In der Industrie helfen die Sensoren, Schäden zu verhindern: So gibt es Raffinerien, in denen Sensoren aufpassen, ob alle Leitungen dicht sind.

Google

Google hat angekündigt sein mobiles Betriebssystem mehreren Autoherstellern zur Verfügung zu stellen. In den neuen Modellen von Audi, General Motors, Honda und Hyundai wird damit künftig Android verbaut. Das System nutzen bereits 70 Prozent aller Smartphone-Besitzer und ist damit das beliebteste weltweit.

Foto: REUTERS

LG

Die Koreaner wollen in Las Vegas wieder mit etlichen Produkten auftrumpfen. Fest angekündigt ist bereits ein 105 Zoll großer Ultra-HD-Fernseher mit gebogenem Bildschirm. Außerdem hat der Hersteller auf der Messe etliche 4K-Monitore im Gepäck. Und das ist noch nicht alles.

Foto: LG

Als kleines Schmankerl für Fotofreunde zeigen die Koreaner außerdem einen neuen mobilen Foto-Drucker. Der Pocket Photo 2.0 bietet eine drahtlise Verbindung mit NFC (Near Field Communication). Somit können Nutzer Bilder vom Smartphone oder Tablet per Funk direkt an den Drucker senden. Das Gerät ist mit iOS und Android kompatibel.

Foto: LG

Samsung

Wie die Landeskonkurrenz LG hat auch der IT-Riese Samsung einen Ultra-HD-Fernseher mit gebogenem Display in Las Vegas dabei. Der Bildschirm des TV-Geräts beträgt 105 Zoll. Als unwahrscheinlich gilt, dass die Koreaner ein neues Smartphone vorstellen. Möglicherweise hat Samsung jedoch einen neuen Tablet-PC dabei. Nicht ausgeschlossen sind ein größeres Galaxy Note oder eine günstigere Variante des Galaxy Note 3.

Foto: AP

Acer

Auf Facebook hat der taiwanesische Laptop-Hersteller schon große Töne gespuckt. Auf der CES wolle das Unternehmen ein „must-have-device“ vorstellen – also ein Gerät, das man haben muss. In einem Werbevideo heißt es, das Gerät sei einen „Touch cooler“, was darauf hindeutet, dass es sich dabei um ein Tablet handeln könnte.

Foto: Screenshot

Archos

Auf den Trend zur Vernetzung im Haushalt setzt das Archos. Auf der CES wollen die Franzosen einen komplett neue Produktreihe vorstellen, die das vernetzte Leben einfacher machen soll. Geplant sind dafür unter anderem eine Smartwatch, ein Fitness-Tracker, Wetterstationen, Kameras für das Haus und ein Blutdruckmessgerät. Die Gadgets sollen sowohl mit iOS als auch mit Android kompatibel sein.

Foto: Screenshot

Asus

Ein wenig mysteriös wirken die nur wenige Sekunden kurzen CES-Trailer der taiwanesischen Konkurrenz Asus. Der erste Teaser könnte ein Dual-Boot-Tablet andeuten, also ein Gerät, das sowohl mit Android als auch mit Windows läuft. Der zweite Clip, in dem bunte Plastikhüllen wie ein Regenschauer vom Himmel fallen, deutet eventuell eine Smartphone-Produktreihe an. Doch noch bleibt das alles Spekulation. Am 6. Januar wird Asus im Caesars Palace eine Pressekonferenz abhalten und die neuen Produkte enthüllen.

Foto: Screenshot

Huawei

Die chinesischen Hersteller waren im vergangenen Jahr die große Überraschung auf der CES. Mit ihrem riesigen Smartphones (Phablets) überraschten sie die Konkurrenten. Was Huawei 2014 vorstellen könnte, ist bisher noch nicht klar. Einige Branchenkenner rechnen jedoch mit dem Ascend Mate 2.

Foto: REUTERS

Die Sensor-Revolution krempelt auch die Produktion um. Weil die Komponenten so billig sind, können auch Start-ups selbst Hardware entwickeln – angesichts der hohen Kosten war bislang war das den großen Konzernen vorbehalten. Mit ihren Ideen drücken die kleinen Hersteller in diesem Jahr der CES ihren Stempel auf.

All das würde jedoch nicht funktionieren ohne eine Fernbedienung: das Smartphone. „Das Smartphone ist der ausschlaggebende Treiber, um die Vernetzung zu ermöglichen“, sagt Christian Deilmann, Geschäftsführer des deutschen Start-ups Tado. Das Unternehmen macht es vor: Es stellt eine Heizungssteuerung her, die sich auf die Gewohnheiten der Nutzer einstellt, aber auch per App aus der Ferne bedienen lässt.

„Wenn ich nur über den PC die Heizung an- und ausschalten könnte, wäre das unpraktisch. Erst mit dem Handy wird das Konzept interessant“, sagt Deilmann. 

Auf der CES sind dutzende Beispiele zu besichtigen, wie das Smartphone zur Steuerungszentrale des digitalen Lebens wird: Da gibt es ein Türschloss, das sich per App öffnen lässt. Ein Ofenthermometer, das die Temperatur des Sonntagsbratens vermeldet. Autos, die Musik aus dem Speicher des Mobiltelefons abspielen. Und die Zahnputz-Statistik.

Doch all diese Lösungen haben einen Nachteil: Es gibt keinen gemeinsamen Standard, die Geräte beherrschen also nicht dieselbe Sprache. Das verhindert, dass man beispielsweise Licht und Heizung mit einem Klick ausschaltet, wenn man das Haus verlässt.

Doch auf der CES wird sich einiges tun: Samsung hat schon vor der Messe seine eigene Plattform „Samsung Smart Home“ angekündigt. Hausgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Klimaanlagen sollen über Smartphone, Tablet und Smartwatch gesteuert werden können.

Wer garantiert, dass die Nutzer nicht ausgespäht werden?

Die smarte Zahnbürste wirft allerdings auch Fragen auf, mit denen alle Vernetzungsverfechter konfrontiert sein werden. Zum Beispiel in Sachen Datenschutz: Wer garantiert, dass die Nutzer nicht ausspioniert werden? Dass Unternehmen Profile erstellen – und beispielsweise herausfinden, wann man aufsteht (vorausgesetzt, man putzt morgens die Zähne)?

Oder dass die Daten, die zumeist auf Firmenservern im Internet gespeichert sind, an die Krankenversicherung verkauft werden? Bei den meisten Technik-Visionären in Las Vegas wird das indes kein Thema sein.

Die Hersteller können einen höheren Preis verlangen, wenn ihre Geräte „smart“ sind. Das gilt für das Backofen-Thermometer, das die Temperatur des Schweinebratens funkt, genauso wie für das Auto, in dessen Cockpit man auf die Google-Suche zugreifen kann.

Doch vieles, was dieser Tage in Las Vegas zu sehen ist, wird bald wieder vom Markt verschwinden. „Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch kommerziell erfolgreich“, sagte Technologie-Experte DuBravac. Neue Technologien seien teuer und unausgereift, der Durchbruch erfolge daher oft Jahre später.

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