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Flugzeugbau Russische Flugzeughersteller wollen aufholen

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Tabelle: Superjet und seine Konkurrenz

Doch so weit werde es der Kreml nicht kommen lassen, sagt Gusarew: „Die Regierung wird den Superjet 100 auf den Markt drücken, ganz gleich wie viele Milliarden für das Projekt noch verbrannt werden.“ Geld spielt keine Rolle, wenn Russlands Image auf dem Spiel steht. Rund 3,5 Milliarden Dollar haben Regierung und Staatsbanken bis zum Frühjahr vorigen Jahres in den Flieger gesteckt. Wie viele Millionen seither zusätzlich geflossen sind und wie teuer die Entwicklung den Staat insgesamt kommt, wissen selbst bestens informierte Branchenexperten nicht.

Wegen der verspäteten Auslieferung, der technischen Probleme und erwartbarer Regressforderungen von Kunden dürften die Kosten derart aus dem Ruder gelaufen sein, dass Suchoi die Gewinnschwelle womöglich nie erreicht – nicht einmal, wenn Projektchef Michail Pogosyan sein ehrgeiziges Absatzziel schafft: Mehr als 1000 Superjets will Suchoi in den nächsten 20 Jahren ausliefern. Das wäre ein Weltmarktanteil von 15 Prozent.

Bisher aber liegen gerade mal 170 Bestellungen vor, darunter nur 120 Festverträge. Und selbst die wackeln: Zu den größten Kunden mit 30 Bestellungen zählt die indonesische Kartika Airlines, ein Billigflieger, der aktuell lediglich fünf alte Mittelstreckenjets besitzt. Überdies hat Suchoi Ausschreibungen im Wert von einer Milliarde Dollar verloren, darunter eine Alitalia-Bestellung über 30 Maschinen. Offiziell begründeten die Italiener dies mit den Verzögerungen bei der Auslieferung. Doch dass der SSJ 100 bis heute nicht für den EU-Luftraum zertifiziert ist, dürfte nicht minder irritierend gewesen sein.

Da half es auch nichts, dass die Politik nach Kräften nachhalf: Präsident Dmitri Medwedew und Premierminister Wladimir Putin führten dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Dezember ihr Prestigeflugzeug vor. Berlusconi, der sich mit schwarzer Bomberjacke ins Cockpit setzte, versprach dem Modell eine goldene Zukunft – und schoss mit dieser Aussage weit über das Ziel hinaus.

Selbst im GUS-Raum läuft nicht alles rund

Selbst im GUS-Raum, wo die Russen ein Heimspiel erwartet hatten, läuft es nicht rund: Embraer will der Fluglinie Air Astana noch diesen Monat die ersten Flugzeuge vom Modell E-190 nach Kasachstan liefern. Die Brasilianer haben Suchoi mit großzügigen Rabatten den Auftrag abgeluchst. Auch die Ukraine beliefert Embraer, im benachbarten Weißrussland hat Kanadas Bombardier Verträge laufen.

Denn die Modelle von Embraer und Bombadier sind zwar teurer als der russische Superjet, sie sind aber in der Praxis erprobt, die Hersteller genießen das Vertrauen der Kunden. Suchois potenzielle Neukunden schauen daher vor allem auf Aeroflot: Die größte russische Fluggesellschaft will mehrere Exemplare des Modells ab Mitte Mai im Linienverkehr einsetzen – und Airline-Chef Vitali Sawelew hat bereits Schadensersatzforderungen angedroht, sollten die Flieger zu viel Sprit fressen oder technischen Ärger machen.

Das sind keine günstigen Vorzeichen. Denn wie die Suchoi-Ingenieure beispielsweise das aktuelle Übergewicht von drei Tonnen rasch reduzieren wollen, ist noch nicht geklärt. „Ich habe große Bedenken, dass die Werke dieses Jahr wie angekündigt 18 Maschinen bauen können“, zweifelt Luftfahrtexperte Gusarew. Die Produktion sei derzeit noch alles andere als eingespielt.

Solange aber die Kinderkrankheiten des SSJ100 nicht behoben sind, werden westliche Airlines wohl weiterhin einen Bogen um den Flieger machen. Dabei hat der Superjet nur dann eine Chance auf den Durchbruch, wenn auch große internationale Airlines zu den Kunden zählen.

Schließlich soll der Superjet 100 doch der Auftakt eines weit umfassenderen Großangriffs auf die Platzhirschen der Branche werden: Denn die Suchoi-Muttergesellschaft OAK, der SSJ-100-Projektchef Pogosyan seit wenigen Wochen auch als Generaldirektor vorsteht, arbeitet bereits am Projekt MS-21. Der Mittelstreckenjet soll der A-320-Familie von Airbus und Boeings 737-Reihe Konkurrenz machen. Auch er soll – bei ähnlichen Leistungswerten – weit günstiger auf den Markt kommen.

Da wird der Regionalflieger schnell zum Lakmus-Test für die Zukunftsfähigkeit der russischen Flugzeugkonstrukteure: Scheiterte der SSJ 100 – trotz aller Mühen –, würde das ambitionierte MS-21-Projekt wohl erst recht eingestampft.

Insofern steht Luftfahrtmanager Pogosyan gehörig unter Druck. Er muss seinen Superjet schleunigst an den Kunden bringen, zur Not mit kräftigen Rabatten. Es geht längst nicht mehr um kommerzielle Erfolge, sondern um Russlands Prestige als Flugzeugbaunation. Pogosyan kann die Ehre Russlands retten – oder die gesamte Branche zum Absturz bringen.

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