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30 bis 2030 | Brigitte KnopfKlimapolitik auch für die, die sich keine Wärmepumpe leisten können

Heizen und Autofahren wird durch den CO2-Preis künftig teurer. Brigitte Knopf vom Thinktank Zukunft Klimasozial erklärt, wie die Politik mit diesem sozialen Sprengstoff umgehen sollte.Henrike Adamsen 09.12.2024 - 07:16 Uhr

Brigitte Knopf

Foto: imago images

Wenn plötzlich die angenehm kühle Wohnung im Hochsommer, die niedrige Heizkostenrechnung oder die neue Haltestelle vor der Haustür in den Vordergrund rücken, der Klimaschutz also zur Nebensache wird, dann hat Brigitte Knopf ihr Ziel erreicht. 

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich die promovierte Physikerin mit den Auswirkungen des Klimawandels. Sie hat sich aus den Naturwissenschaften verabschiedet, um einen Thinktank zu gründen: „Wir haben schon längst verstanden, wie der Klimawandel funktioniert.“ Jetzt gehe es darum, Lösungen zu finden. 

Ihr Institut für Klimasozialpolitik gibt es seit Dezember 2023, inhaltliche Leitplanken haben Knopf und ihre Mitautoren im Sommer eingeschlagen, mit einem 11-Thesen-Papier zur Klimasozialpolitik. „Unsere Konzepte tragen wir nun in die Politik, machen Angebote zum Dialog“, erklärt die Klimawissenschaftlerin. „An den Reaktionen merken wir, unsere Antworten sind gefragt.“ Auch Politikerinnen und Politiker würden um Lösungen ringen.

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„Es sind die reicheren Haushalte, die viele CO2-Emissionen verursachen, während ärmere Haushalte stärker unter den Klimafolgen leiden“, erklärt Knopf. Beispielsweise hätten Menschen, die in schlecht gedämmten Plattenbauten wohnen, weniger Möglichkeiten, sich vor Hitze schützen.

Um dem entgegenzuwirken schlägt Knopf einige bekannte Maßnahmen vor: den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Fernwärmenetze und ein Klimageld als Kompensation für hohe CO2-Preise. Die Klimawissenschaftlerin betont aber auch, die Politik müsse sozial gestaffelte Förderprogramme einführen.

Denn das ist der wichtigste Kritikpunkt von Knopf: Die bisherigen Förderprogramme würden sich an Haushalte mit hohen Einkommen und Vermögen richten, wie der Umweltbonus zur Förderung der Elektromobilität. Das gelte es aufzubrechen: „Sonst verlieren wird die Akzeptanz für den Klimaschutz.“ Ein positives Beispiel sei die Heizungsförderung. Dort gäbe es mittlerweile einen separaten Bonus für Haushalte mit einem Einkommen von bis zu 40.000 Euro. 

Und wer soll das bezahlen, in Zeiten knapper Haushaltskassen? „Klar ist jedenfalls, dass eine Finanzierung allein aus den Einnahmen durch den CO2-Preis nicht ausreichen werden“, meint Knopf. Denkbar seien eine Reform der Schuldenbremse oder eine Vermögensabgabe. Aber sie betont: „Es steht völlig außer Frage, dieser riesige Investitionsberg muss jetzt angegangen werden.“

Große Hoffnungen, dass der Klimaschutz im Bundestagswahlkampf eine größere Rolle einnehmen wird, macht sich Knopf nicht. „Keine Partei ist so richtig willens, das Klima-Thema nach vorne zu stellen.“ Der Gegenwind aus der Bevölkerung, die nachlassende Begeisterung, die Fridays for Future noch 2019 befeuerte, gehe natürlich nicht an der Politik vorbei. „Deswegen sollten wir das mit einer Chancenerzählung verbinden: Was bietet gut gemachter Klimaschutz für Vorteile?“

Das ist auch eine Lehre aus den Klimadiskussionen, die oft nach hinten los gegangen sind. „Wir haben vielleicht zu viel auf dem individuellen Level moralisiert“, räumt Knopf ein. Beim Fliegen, beim Fleisch, bei der Größe des Autos wurde zu viel in Gut und Böse eingeteilt. Auch beim Heizungsgesetz habe man die soziale Abfederung zunächst nicht bedacht.

Wenn es nach Brigitte Knopf geht, soll sich das nun ändern. 2030 sei für sie zwar Lichtjahre entfernt, aber die Wegmarke stehe: Bis dahin hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, die Emissionen um 65 Prozent zu senken.

Erstmals kürt die WirtschaftsWoche 30 Köpfe aus Deutschland, die unser Land bis Ende dieses Jahrzehnts prägen, verändern und nach vorn bringen werden. Denn es gibt viele Menschen und Projekte, die Mut machen. Eine Übersicht aller Preisträger finden Sie hier

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