30 bis 2030 | Katharina Poehlmann: Sie transformiert Maersk zum Alleskönner
Katharina Poehlmann
Foto: Camilla SchiolerReibungslosigkeit. Das ist es, was die Welt von einem Logistiker erwartet. Die Realität sieht anders aus: ein Zertifikat hier, Zollpapiere dort, und ganz viele Stempel von Behörden. Allein die Bürokratie kann 20 Prozent der Transportkosten ausmachen. Dazu kommen neue Handelsbarrieren, Kriege und Konflikte. „Die Volatilität der Lieferketten ist größer denn je“, sagt Katharina Poehlmann.
Die Deutsche transformiert als Strategiechefin die dänische Reederei Maersk zu einem Alles-aus-einer-Hand-Transporteur. Das Ziel: Güter von großen wie kleinen Unternehmen künftig so einfach verschicken wie ein DHL-Päckchen.
Poehlmann ist Betriebswirtin, hatte als McKinsey-Beraterin und Logistikspezialistin immer wieder in Kopenhagen zu tun – und ist seit fast acht Jahren bei Maersk. Ein Gewerkschafter, der sie in Verhandlungen erlebt hat, beschreibt sie als „smart und durchsetzungsstark“.
Es war der damalige Vorstandschef Søren Skou, der Poehlmann überzeugte, die Gestaltung seiner Reformagenda zu übernehmen: Die Dänen verkauften ihr Ölgeschäft, veräußerten Anteile an Banken und Immobilien, konzentrierten sich auf die Logistik. Ein radikaler Schnitt, der Poehlmann entgegenkam. Die 42-Jährige ist kein Typ für inkrementelle Verbesserungen, sondern jemand für „richtige Sprünge“, sagt sie über sich. „Der Umbau eines Unternehmens, ja, einer ganzen Industrie, hat mich von Anfang an gereizt.“
Stück für Stück arbeitet Poehlmann daran, das Seefrachtgeschäft auszubauen, um auch abseits der Meere unterwegs zu sein – ganz so, wie Schenker oder Kühne+Nagel es sind. Der einzige Unterschied: Diese verfügen kaum über Frachter und Lieferwagen, kaufen daher Kapazitäten bei Spediteuren und Reedern wie Hapag-Lloyd ein. Maersk hingegen strebt nach vollständiger Kontrolle: Das Unternehmen will „von der Fabrik bis zum Sofa“ liefern, so hat sich der Europa-Chef Aymeric Chandavoine einmal ausgedrückt. Fast zehn Milliarden Euro haben die Dänen in den vergangenen Jahren in Logistik abseits des Seehandels investiert.
Was hinter dem Konzept des integrierten Logistikers steckt, buchstabiert Poehlmann seit ihren ersten Maersk-Tagen aus, zunächst als Leiterin des CEO-Büros, seit zwei Jahren als Chefin der Strategieabteilung unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Vincent Clerc. Für Poehlmann geht es dabei um die Suche nach Restlücken in der Maersk-Kette: Welche Dienstleistungen können wir noch nicht anbieten? In welchen Regionen sind noch Lager nötig, um den Versand abzusichern?
Dann geht es darum, die Assets miteinander zu verbinden, um die Lieferkette transparent darzustellen. Das geht vor allem digital. 5500 Computerspezialisten arbeiten mittlerweile für das Unternehmen. Mit Wetterdaten und Liegezeiten am Hafen können Kunden schon heute die Ankunftszeit ihrer Waren prognostizieren und bei Bedarf bei einem anderen Händler ordern.
Flexibilität und Zuverlässigkeit beim Transport hätten direkte Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle, findet Poehlmann. Für Firmen wie Puma übernimmt Maersk inzwischen die komplette Lieferkette. „Konsumgüterunternehmen sind keine Logistiker. Sie verbringen dennoch viel Zeit damit, Waren zu verschicken“, sagt sie und will das ändern. „Das gibt mir Energie.“
Erstmals kürt die WirtschaftsWoche 30 Köpfe aus Deutschland, die unser Land bis Ende dieses Jahrzehnts prägen, verändern und nach vorn bringen werden. Denn es gibt viele Menschen und Projekte, die Mut machen. Eine Übersicht aller Preisträger finden Sie hier