DAK-Studie Fettleibigkeit macht krank und einsam

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist fettleibig. Die Betroffenen kämpfen nicht nur gegen Pfunde, sondern auch gegen Vorurteile. Eine weit verbreitete Meinung: Fettleibige seien selbst schuld.

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland zwischen 18 und 79 Jahren ist fettleibig. Quelle: dpa

Fettleibigkeit kann krank und einsam machen – die Betroffenen werden häufig stigmatisiert, verspottet oder ausgegrenzt. Das geht aus einer Forsa-Untersuchung im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die in Berlin vorgestellt wurde.

71 Prozent finden danach stark Übergewichtige unästhetisch, 15 Prozent meiden den Kontakt mit ihnen. Die Mehrheit der Befragten glaubt demnach auch, dass Fettleibige nur zu faul zum Abnehmen seien – darunter auch Ärzte.

Adipositas (Fettleibigkeit) sei jedoch eine Volkskrankheit, die durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden könne. Studien belegten außerdem, dass Fettleibigkeit Auslöser für mehr als 60 Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Depressionen sein könne. Ausgrenzung im Alltag und im Job forciere die Krankheit zusätzlich. Sie führe in der Regel zu noch mehr Stress und damit zu einem erneut veränderten Essverhalten sowie zu weiterer Gewichtszunahme.

Die größten Kalorienbomben
ColaDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Folgen übermäßigen Zuckerkonsums und empfiehlt etwa für einen gesunden Erwachsenen, die tägliche Zufuhr auf rund 25 Gramm zu beschränken. In einer 330 Milliliter Flasche Cola stecken immerhin neun Teelöffel Zucker, was in etwa 36 Gramm entspricht - das Limit wäre mit einer kleinen Flasche Coca-Cola also schon gesprengt. Ein Blick auf weitere Kalorienbomben: Quelle: REUTERS
Ketchupflaschen Quelle: dpa
Wurst Quelle: dpa
Gummibärchen Quelle: dpa/dpaweb
Gläser mit Saft Quelle: obs
Milch in einem Glas Quelle: dpa
Ein gefangener Fisch Quelle: dapd
Pflanzencreme mit Butteraroma Quelle: dpa/dpaweb
Marzipanschweinchen Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Parmesan Quelle: dpa
Studentenfutter Quelle: Fotolia
Sonnenblumenkerne Quelle: Fotolia
Markenbutter Quelle: dpa/dpaweb
Nuss-Nougat-Creme Quelle: Fotolia
Krümelmonster Quelle: dpa
Chips Quelle: Fotolia
Schokolade Quelle: dapd

Übergewicht und Adipositas sind laut Robert-Koch-Institut ein erheblicher Kostenfaktor im Gesundheits- und Sozialsystem. In Deutschland ist dem „XXL-Report“ der DAK zufolge jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 fettleibig. Der Anteil der Patienten mit extremer Adipositas (Body-Mass-Index über 40) habe sich zwischen 1999 und 2013 mehr als verdoppelt.

Und die Autoren der Untersuchungen warnen: Adipositas wird durch den Jo-Jo-Effekt mit jeder Diät eher schlimmer. Manchen helfe schließlich nur noch eine Magen-Verkleinerung, sagte DAK-Vorstand Thomas Bodmer.

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa
Gemäßigter Alkoholgenuss ist gut Quelle: dpa/dpaweb
Kochen zerstört Nährstoffe Quelle: dpa
Margarine ist besser als Butter Quelle: dpa/dpaweb
Frisches Gemüse ist besser als Tiefgekühltes Quelle: AP
Der Mensch braucht kein Fleisch Quelle: dpa
Spinat und Pilze darf man nicht aufwärmen Quelle: Fotolia
Fett ist ungesund Fett ist nicht gleich Fett. Deshalb ist diese Verallgemeinerung falsch. Olivenöl beispielsweise kann bei regelmäßigem Genuss die Konzentration an LDL-Cholesterin im Blut senken. Außerdem liefert lebensnotwendige Fettsäuren und sorgt dafür, dass bestimmte fettlösliche Vitamine aus der Nahrung überhaupt erst aufgenommen werden können. Sämtliche Langzeitstudien zeigen zudem, dass Menschen, die viel Milch und Milchprodukte konsumieren, überwiegend eine niedrige Herz-Kreislaufsterblichkeit aufweisen – niedriger als diejenigen, die weniger davon essen. Quelle: dpa

Mit einer Foto-Ausstellung und einer vom Gesundheitsministerium unterstützten Kampagne „schwere(s)los“ wollen DAK sowie das Medizinunternehmen Johnson&Johnson dazu beitragen, dass Adipositas-Patienten in Deutschland besseren Zugang zu Therapien bekommen. Bei der Weltgesundheitsorganisation gelte Adipositas mittlerweile als chronische Stoffwechselerkrankung. Sie stufe Erwachsene mit einem BMI über 25 als übergewichtig ein, mit einem Wert über 30 als stark übergewichtig.

Übergewicht wird nach dem so genannten Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Dieser Index wird errechnet, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern teilt. So gilt ein 1,80 Meter großer Erwachsener ab 81 Kilogramm als übergewichtig und ab 97 Kilogramm als stark übergewichtig.

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