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Genetik Wohlbefinden ist vererbbar

Wissenschaftler haben auf der menschlichen DNA Gene entdeckt, die für das psychische Wohlbefinden verantwortlich sind. Gleichzeitig spielt die Selbsteinschätzung eine wichtige Rolle für das Glücksempfinden.

Wohlbefinden ist vererbbar. Quelle: dpa

Mama und Papa sind mit Schuld, wenn sich das Kind gut oder schlecht fühlt. Forscher wollen nämlich nun herausgefunden haben: Eltern können ihren Kindern Wohlbefinden vererben. Drei genetische Varianten auf der menschlichen DNA sind demnach mitverantwortlich dafür, dass sich ein Mensch in seiner Haut wohlfühlt.

Das ist das Ergebnis einer Studie von 200 internationalen Wissenschaftlern, die genetische Daten von 300.000 Menschen untersucht hatten. "Menschen, die sich als besonders zufrieden einschätzten, besaßen signifikant oft die gleichen DNA-Varianten", sagt Lars Bertram von der Uni Lübeck und Co-Studienleiter der Berliner Altersstudie II, deren genetische Daten zur Lebenszufriedenheit in die Analysen eingingen. Welche genetischen Faktoren beim Wohlbefinden eine Rolle spielen, war bislang unklar gewesen.

Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein Kind, das eine sehr glückliche Mutter und einen unzufriedenen Vater hat, ein mittelmäßig glückliches Kind wird. "Maximal 20 Prozent des subjektiven Wohlbefindens kann durch die Genetik erklärt werden", sagt Bertram. Nach aktuellem Wissensstand beeinflussen nicht-genetische Faktoren –zum Beispiel soziale Interaktionen – das psychische Wohlbefinden dennoch maßgeblicher.

Neben den Gen-Varianten für Zufriedenheit fanden die Wissenschaftler im menschlichen Erbgut auch genetische Risikofaktoren für Depressionen und emotionale Labilität. Zu ähnlichen Ergebnissen waren schon andere Forscher gekommen. "Die Studie hat gezeigt, dass die verschiedenen Gen-Varianten in einem Zusammenhang stehen", sagt Bertram.

Soll heißen: Jemand, der sich als besonders glücklich einschätzt, neigt dazu, weniger depressive Symptome zu entwickeln. Diese Selbsteinschätzung der Studienteilnehmer war für die Wissenschaftler auch auf der genetischen Ebene ersichtlich.

Das Interessante: Die identifizierten genetischen Varianten scheinen laut Wissenschaftlern vor allem Einfluss auf die Genregulation im Gehirn zu haben. "Das passt gut zu den untersuchten Eigenschaften wie Wohlbefinden und Depression, die ebenfalls im Gehirn entstehen", sagt Bertram.

Auf diesen Ergebnissen sollen nun weitere Untersuchungen aufbauen. "Das Team hat zwar die genetischen Varianten ausfindig gemacht. Nun gilt es herauszufinden, in welchen Genen sie genau zu verorten sind und wie sie die Genfunktion beeinflussen", sagt Bertram. Dadurch könnten die Wissenschaftler aufklären, wie die Symptome zustande kommen – und wie sich beispielsweise Depressionen noch besser therapeutisch behandeln ließen.

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