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Kleiner Insektenfresser Dieser Vierbeiner ist der Urvater der Säugetiere

Fledermäuse, Wale oder Affen - sie allen zählen zu den Höheren Säugetieren. Bislang jedoch kamen Fossilien-Forscher und Genetiker zu unterschiedlichen Stammbäumen dieser Tiere. Nun hat ein Team die Daten zusammengeführt und den mutmaßlichen Vorfahr unserer Säugetiere konstruiert.

Insektenfresser säugetier Quelle: dpa

Die Höheren Säugetiere tauchten erst nach dem Verschwinden der Dinosaurier auf der Erde auf. Ihr gemeinsamer Vorfahr sei vermutlich ein kleiner Vierbeiner gewesen, der Insekten fraß, berichtet ein Forscherteam im US-Fachblatt „Science“. Er habe sich einige hunderttausend Jahre nach dem großen Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren entwickelt, bei dem rund 70 Prozent aller damals lebenden Arten von der Erde verschwanden, darunter auch die Dinosaurier. In den darauffolgenden Jahrmillionen entstanden dann rasch die vielen Ordnungen und Arten der Höheren Säugetiere, zu denen von den Nagetieren über die Wale bis hin zum Menschen ein Großteil aller heutigen Säugetiere gehören.

Die Frage nach dem Ursprung der Höheren Säugetiere - auch Plazentatiere genannt - beschäftigt Forscher seit langem. Molekulargenetischen Untersuchungen zufolge lebten die ältesten Vertreter der Klasse schon vor 100 Millionen Jahren, also vor dem großen Massensterben. Fossilienfunde stützen diese Theorie aber nicht. Die meisten Funde mit einer großen Vielfalt an Arten stammen erst aus einer Zeit vor etwa 55 Millionen Jahren. „Im Bereich der Säugetierforschung gab es eine große Kluft zwischen den Leuten, die mit DNA arbeiteten und denen, die sich mit der Morphologie beschäftigten. Sie haben bisher einfach nie zusammengearbeitet“, erläutert John Wible vom Carnegie Museum of National History. Er ist einer der Forscher, der im Team um Maureen O' Leary von der Stony Brook University (Stony Brook/US-Staat New York) nun versuchte, beide Ansätze miteinander zu versöhnen.

Spannende Entdeckungen
Higgs-Boson entdecktAuch wenn Physiker den Begriff "Gottesteilchen" nicht gerne hören, das Elementarteilchen Higgs-Boson ist von derart fundamentaler Bedeutung für die Physik, dass sich der Spitzname letztlich durchgesetzt hat. Der Nachweis dieses lange vorhergesagten Grundbausteins im Standardmodell der Teilchenphysik gelang Wissenschaftlern des europäischen Kernforschungszentrums CERN. Die Redaktion von "Science" sieht in dieser Entdeckung den wichtigsten Forschungsdurchbruch des Jahres 2012 - auch wenn die beteiligten Forscher noch nicht hundertprozentig sicher sind, dass ihr Fund tatsächlich das lang gesuchte Gottesteilchen ist. Mehr zur Entdeckung des Higgs-Bosons finden Sie hier. Quelle: dpa
Genom des Denisova-Menschen entschlüsseltViel ist es nicht, was Wissenschaftler bislang vom Denisova-Menschen gefunden haben, der nach dieser Höhle in Sibirien benannt wurde: Ein Stück Finger, ein Stück Zeh, ein Backenzahn - mehr ist von dieser vor 40.000 Jahren lebenden Urmenschen-Spezies bislang nicht entdeckt worden. Immerhin genug Material, um Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine umfassende Erbgutanalyse zu ermöglichen. Sie belegt, dass sich die Entwicklungslinien von Denisova- und modernem Menschen vor spätestens 780.000 Jahren getrennt haben müssen - viel früher als etwa beim Neandertaler, dessen Entwicklungslinie sich spätestens vor 320.000 Jahren von der unseren abspaltete. Mehr zum Denisova-Menschen finden Sie hier. Quelle: Presse
Fruchtbare Eizellen aus Stammzellen gewonnenDieser Schnappschuss einer Maus mit Nachwuchs markiert ein weiteres Forschungs-Highlight 2012. Japanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, bestimmte Gene in Mäuse-Stammzellen so zu aktivieren, dass sie sich zu Vorstufen von Eizellen verwandelten. Mäuse, denen diese künstlichen Geschlechtszellen eingepflanzt wurden, brachten gesunden Nachwuchs zur Welt. Mehr zu dieser Entdeckung finden Sie hier. Quelle: dpa
Der "Himmelskran" des Marsrovers CuriosityDank der gut geölten PR-Maschine der US-Weltraumbehörde Nasa ist die Mission des Marsrovers Curiosity weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt geworden. Auch den "Science"-Redakteuren war die erfolgreiche Landung auf dem Roten Planeten eine Auszeichnung wert: Sie kürten Curiositys Landeshilfe, den "SkyCrane" zu einem Forschungs-Highlight 2012. An den Seilen dieses Himmelskrans wurde Curiosity in der letzten Phase der Landung langsam auf den Marsboden niedergelassen. Die aufwendige Technik war nötig, weil der Rover zu schwer gewesen wäre, um einen Aufprall mit dem sonst üblichen Schutz durch Airbags heil zu überstehen. Mehr über die Mission Curiosity finden Sie hier. Quelle: dpa
Röntgenlaser liefert Waffe gegen die Schlafkrankheit60 Millionen Menschen sind - vor allem im südlichen Afrika - von der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht. Ein Protein des Erregers Trypanosoma brucei könnte als Waffe zu einer erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit dienen. Doch dazu musste zunächst die molekulare Struktur des Proteins mit hoher Genauigkeit entschlüsselt werden. Mit dem stärksten Röntgenlaser der Welt am US-Forschungszentrum SLAC in Kalifornien ist deutschen Forschern dies gelungen. Quelle: Presse
Gene leichter abschaltenUm zu untersuchen, wie unser Erbgut funktioniert, nutzen Wissenschaftler Techniken, mit denen sich einzelne Gene gezielt abschalten lassen. Ein neues und deutlich einfacheres Verfahren für diesen "Gen-Knockout" haben Bonner Forscher entwickelt. TALENS (Transcription activator-like effector nucleases) heißt die Technik, die von der Science-Redaktion als ein Forschungs-Highlight 2012 gewürdigt wurde. Quelle: Presse
Majorana-Fermion nachgewiesenNein, mit der bekannten Gewürzpflanze hat das Majorana-Fermion nichts zu tun. Seinen Namen verdankt dieses Elementarteilchen dem italienischen Physiker Ettore Majorana (1906-1938), der seine Existenz schon 1937 voraussagte. Doch erst 2012 veröffentlichten niederländische Wissenschaftler eine Untersuchung, welche die Existenz des Majorana-Fermions - dem eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Quantencomputern zukommen könnte - definitiv bestätigte. Quelle: Presse

Die Wissenschaftler beschrieben dazu zum einen ganz detailliert das Aussehen und den Körperbau von 86 Arten höherer Säugetiere, und zwar sowohl von lebenden wie von ausgestorbenen. Insgesamt listeten sie 4500 Merkmale auf, wie etwa die Art der Zähne, das Vorhandensein bestimmter Knochen, die Musterung des Fells oder die Struktur des Gehirns. Dieser Datensatz - den Forschern zufolge ist er etwa zehnmal größer als alle anderen zuvor für solche Fragestellungen ausgewerteten Datensätze - kombinierten sie dann mit vorhandenen genetischen Daten.

Die Analyse des resultierenden Stammbaums ergab einen Ursprung der Höheren Säugetiere etwa 200.000 bis 400.000 Jahre nach dem großen Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren. Etwa zwei bis drei Millionen Jahre danach tauchten dann die ersten Vertreter der modernen Plazentatiere auf. „Säugetier-Ordnungen wie Nagetiere und Primaten haben die Erde nicht mit den Nicht-Vogel-Dinosauriern geteilt, sondern entwickelten sich kurz nach dem Untergang dieser Dinosaurier aus einem gemeinsamen Vorfahren - einem kleinen, insektenfressendem, herumhuschenden Tier“, sagte O' Leary.

Ihre Studie bestätige damit das sogenannte Explosiv-Modell. Dies besagt, dass die Höheren Säugetiere in dem radikal veränderten ökologischen Umfeld nach dem großen Massensterben - das durch den Einschlag eines riesigen Asteroiden ausgelöst wurde - die ökologischen Nischen besetzten, die mit dem Verschwinden der Dinosaurier und anderer Tiere freigeworden waren.

Aus ihrer Datenanalyse leiteten die Forscher dann noch eine Reihe von Merkmalen ab, anhand derer sie das vermutliche Aussehen des gemeinsamen Vorfahrens rekonstruierten. Er wog demnach zwischen 6 und 245 Gramm, fraß Insekten und gebar einzelne Junge, die nackt und mit geschlossenen Augen zur Welt kamen.

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