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Lügner stumpfen ab Warum Lügen mit der Zeit immer leichter wird

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - offenbar zu Recht. Eine Studie zeigt, dass Lügen im Gehirn zu einer Art Abstumpfungseffekt führen: Bringt uns Unehrlichkeit einen Vorteil, flunkern wir immer leichter weiter.

Was Gesten über Sie verraten
Ein Mann verschränkt die Hände hinter dem Kopf Quelle: Fotolia.com
Vermutlich Angela Merkel mit verschränkten Händen Quelle: dpa
Eine Frau mit verschränkten Armen Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an den Hals Quelle: Fotolia.com
Eine Hand berührt den Ärmel am Anzug der anderen Hand Quelle: Fotolia.com
Eine Frau zeigt mit "zur Pistole" geformten Fingern auf den Betrachter Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an die Nase Quelle: Fotolia.com

"Ich weiß auch nicht, warum das Auto da einen Kratzer hat..."
"Das Essen schmeckt toll, Schatz."
"Wie schön, Sie hier zu treffen!"

Jeder Mensch lügt. Sei es, um andere nicht zu verletzten, im Unklaren zu lassen oder um sich Vorteile zu verschaffen: Laut dem Regensburger Psychologen Helmut Lukesch lügen Menschen im Schnitt ein- bis zweimal am Tag. Dabei fühlen sich die meisten Menschen unwohl, weil sie Lügen als moralisch verwerflich empfinden.

Doch es zeigt sich immer wieder ein Phänomen: Ob Finanzbetrug, Fälschung von wissenschaftlichen Studien oder Plagiate - wenn Betrüger auffliegen, berichten sie häufig, wie kleine Flunkereien mit der Zeit kaskadenartig zu immer größeren Lügengebäuden anwuchsen. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass die Reaktion auf einen Gefühle-hervorrufenden Stimulus, etwa Bilder von Katastrophen, nachlässt, je häufiger man ihm ausgesetzt ist - man stumpft ab.

Könnte dieser Mechanismus auch für Schummeleien gelten? Eine neue Studie, die am Montag im Magazin "Nature Neuroscience" veröffentlicht wurde, geht dem biologischen Mechanismus hinter den Lügenspiralen auf den Grund.

Diese körperlichen Signale deuten auf eine Lüge hin

Hirnscans während des Lügens

Forscher um Neil Garrett vom University College London konnten darin zeigen, dass sich das Gehirn an Unehrlichkeiten anpasst, die dem Lügenden einen Vorteil verschaffen. Mithilfe von Hirnscans untersuchten sie in einem Experiment 80 Probanden. Das Ziel: zu sehen, ob im Hirn nachvollziehbar ist, dass die Hemmschwelle durch wiederholtes Lügen nachlässt. In dem Versuch wurden die Probanden zu Zweierteams zusammengestellt und sollten die Menge von Münzen in einem Glas möglichst genau schätzen, während ihre Hirnaktivität mithilfe eines Magnetresonanztomografen überwacht wurde.

Mit diesen Fragen bringen Sie Lügen ans Licht

Fünf verschiedene Versuchsaufbauten wurden angesetzt: In einem profitierten beide davon, wenn die Schätzung gut war. In einem zweiten Versuchsaufbau bekam der Teilnehmer eine Belohnung und schadete seinem Partner, wenn er eine zu hohe Schätzung der Münzmenge angab. In den weiteren schadete entweder der erste Teilnehmer sich selbst, und der Partner erhielt einen Vorteil; der Partner erhielt einen Vorteil, ohne dass der erste Teilnehmer sich selbst schadete; der erste Teilnehmer erhielt einen Vorteil, ohne dem anderen zu schaden. Die Probanden gingen dabei immer davon aus, dass ihr jeweiliger Partner nichts von den Anreizen, die Unwahrheit zu sagen, weiß.

Dabei beobachteten die Forscher einen speziellen Teil des Gehirns, die sogenannte Amygdala (Mandelkern), die eine besondere Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt. Die wichtige Rolle dieser Hirnregion bei der Gefühlsverarbeitung wurde zuvor bereits in vielen Menschen- und Tierstudien nachgewiesen. Im Experiment zeigte sich: Die Amygdala wurde immer dann besonders aktiv, wenn die Versuchspersonen zu ihrem eigenen Vorteil logen. Diese Reaktion war am Anfang des Experiments besonders deutlich - ließ dann aber immer stärker nach.

Die Lügen eskalieren

Die Forscher interpretieren ihre Beobachtung so: Anfangs schummelten die Probanden nur wenig: Sie setzten ihre Schätzwerte nur leicht höher an, um einen Vorteil zu erlangen. Mit der Zeit nahm die Unehrlichkeit zu: Die Testpersonen gaben immer ungehemmter falsche Werte an, wenn sie dadurch einen Vorteil hatten. Gleichzeitig war auf den Hirnscans zu sehen, dass die Reaktion der Amygdala auf die Lügen sich immer weiter abschwächte.

Diese Antworten weisen auf eine Lüge hin

Laut den Wissenschaftlern sprechen die Erkenntnisse dafür, dass das exzessive Wiederholen von Lügen unser Gefühlszentrum regelrecht abstumpfen lässt. Die Hemmschwelle, die wir empfinden, wenn wir zum eigenen Vorteil lügen, wird abgebaut. "Die Eskalation der Lügen nimmt zu, je weiter die Aktivität in Emotions-assoziierten Regionen den Gehirns, vor allem der Amygdala, nachlässt", heißt es in der Studie. Anfänglich unscheinbare Abweichungen könnten so eskalieren und zu immer schwereren Lügen führen.

Der Effekt zeigte sich aber nur, wenn die Probanden einen Vorteil von ihrer Unehrlichkeit hatten. Waren die Probanden zum Vorteil des Versuchspartners unehrlich, hatten selbst aber keine Vorzüge dadurch, eskalierten die Lügen auch nicht.

Die Forscher empfehlen, die Erkenntnisse auch in anderen Bereichen zu überprüfen: "Das gleiche Prinzip könnte auch bei gewalttätigem oder riskantem Verhalten zur Eskalation führen, wenn wiederholt Entscheidungen anstehen".

Das sind die Lieblingslügen Ihrer Kollegen
Menschen definieren sich über ihren Job - so lautet jedenfalls die Erkenntnis verschiedener Forscher. Sie verbringen jeden Tag mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz als mit ihrem Partner, den Kindern oder ihren Hobbies und über nichts sprechen Menschen so viel wie über ihren Job. Selbst Menschen, die aus finanziellen Gründen guten Gewissens zuhause bleiben könnten, gehen irgendeiner Beschäftigung nach, damit sie sich nicht langweilen. Wenn Ihnen also ein Kollege sagt, dass er auch gut ohne Arbeit kann, dann lügt er. Quelle: Fotolia
Über Geld spricht man nicht. Das erzeugt sonst wahlweise Mitleid oder Neid. Deshalb sollten Sie auch keinem Kollegen glauben, der behauptet, dass er auch nicht mehr verdient, als Sie. Quelle: Fotolia
Genauso wenig Glauben schenken sollten Sie den Beteuerungen Ihrer Kollegen, wenn sie behaupten, dass sie überhaupt keinen Wert auf eine Beförderung legen. Damit will man Sie höchstens in Sicherheit wiegen und sich heimlich die neue Stelle unter den Nagel reißen. Oder haben Sie schon mal einen Sportler sagen hören, dass er keine Lust hat, einen Wettkampf zu gewinnen? Quelle: Fotolia
Einen Fehler zu machen, ist unangenehm. Ihn dann auch noch zugeben zu müssen, noch viel unangenehmer. Deshalb schieben viele den schwarzen Peter anderen zu. Wenn Ihr Kollege also sagt, dass er damit nichts zu tun hat, haken Sie besser nochmal nach. Quelle: Fotolia
Ähnlich vorsichtig sollten Sie sein, wenn einer der Kollegen verspricht, einen Fehler auf seine Kappe zu nehmen. Quelle: Fotolia
Wenn der Kollege in der Kaffeeküche tobt und schwört, dem Chef jetzt aber mal kräftig den Marsch zu blasen - rechnen Sie nicht damit. Quelle: Fotolia
Und auch hinter dem aufmunternden " Das schaffst du schon", was Ihnen die Kollegin hinterherruft, bevor Sie zum Jahresgespräch müssen, könnte sich ein "das wird nie was" verbergen. Quelle: Fotolia
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