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Roboterpille statt Spritze Wie ein Start-up die Medizin verändern will

Müssen Spritzen bald seltener eingesetzt werden? Ein Start-up arbeitet daran. Quelle: dpa

Das Silicon-Valley-Start-up Rani Therapeutics arbeitet an einer Pille, die das Spritzen von Medikamenten ersetzt. Der Transportmechanismus ist nun erstmals beim Menschen getestet worden.

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Kann man Medikamente, die gespritzt werden müssen, als Tablette verabreichen, ohne ihre Wirksamkeit zu beeinträchtigen? Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, dies für Biopharmazeutika - das sind mit gentechnischen Methoden hergestellte Arzneien - zu verwirklichen. Dazu zählen beispielsweise Hormone wie Insulin.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten wie etwa Aspirin können diese nicht so einfach geschluckt werden. Insulin würde beim Verdauen zerstört, bevor es den Blutzuckerspiegel senken kann. Deshalb muss es via Injektion direkt in den Körper befördert werden, was für die Betroffenen schmerzhaft und lästig ist. Noch.

Das Silicon Valley Start-up Rani Therapeutics verpackt empfindliche Medikamente in eine schluckbare Kapsel, die nicht nur den Säuren und Enzymen im Darmtrakt standhält, sondern auch gezielt aktiviert wird. 142 Millionen Dollar hat es dafür eingesammelt. Das Wagniskapital stammt unter anderem von Google und den Pharmakonzernen Novartis und Astra Zeneca.

Rani Therapeutics „Roboterpille“, ist mit einer speziellen Schutzschicht überzogen. Nach deren Auflösen im Verdauungstrakt wird über eine chemische Reaktion ein kleiner Ballon aufgeblasen, dessen Druck eine aus Zuckerkristallen bestehende Mikronadel mit dem Mittel in die Darmwand pikst. Weil diese keine Schmerzrezeptoren hat, spürt der Patient dies nicht. Die Kapsel wird dann ganz normal nach ein paar Tagen ausgeschieden. So die Idee.

Gründer Mir Imran meint, dem „heiligen Gral“ der schluckbaren Biopharmazeutika erheblich näher gekommen zu sein – zumindest den Mechanismus und die Verträglichkeit der Kapsel betreffend.

Was bislang nur in Tierversuchen getestet wurde, ist nun in einer ersten Studie mit Patienten bestätigt worden. Die 20 Probanden schluckten die Roboterpille, die sich wie geplant im Darm aktivierte. Das planmäßige Auflösen der Transportkapsel gelang sowohl bei Personen mit leerem als auch vollem Magen. Die Überreste wurden ohne Probleme ausgeschieden. Nahrungsaufnahme, so Imran, störe den Prozess nicht. Vor allem fühlten die Probanden die Kapsel überhaupt nicht. „Menschen konnten wir im Gegensatz zu Tieren danach befragen, ob sie etwas im Magen gespürt haben“, so der Erfinder.

In der nächsten Studie, die für dieses Jahr geplant ist, soll nun die Freigabe der Arznei über die Nadel getestet werden. Danach, so Imran, werde es noch ein paar Jahre dauern, bis die Methode von den Aufsichtsbehörden freigegeben wird. Die Genehmigung muss für jeden Wirkstoff separat eingeholt werden.

Allerdings wird die Kapsel die Spritze nicht vollständig ersetzen, weil sie keine großen Mengen von Medikamenten aufnehmen kann. Sie ist für chronische Kranke gedacht, die regelmäßig eine kleinere Menge von Wirkstoffen aufnehmen müssen. Für Diabetiker des Typ 1, die also kein Insulin produzieren können, ist sie nicht geeignet.

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