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Schlafstörungen E-Book-Reader beeinflussen die innere Uhr

Das Licht eines E-Book-Readers oder Tablet-PCs hat oft einen höheren Blau-Anteil als das einer Nachttischlampe. Mögliche Folge bei stundenlangem Lesen: Im Körper wird später und weniger Schlaf-Hormon freigesetzt.

E-Book-Reader im Vergleich
Der OffeneTolino VisionVertrieb: Buchhandel Preis: 129 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 210 ppi Gewicht: 178 g Größe: 16,3 cm x 11,4 cm x 0,81 cm Speicher: 2 GB Info: Erweiterbar über Micro-SD-Karte Tolino Vision Quelle: Presse
Der GünstigeKindleVertrieb: Amazon Preis: 59 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 167 ppi Gewicht: 191 g Größe: 16,9 cm x 11,9 cm x 10,2 cm Speicher: 4 GB Info: Keine Beleuchtung, keine epub-Bücher, Werbeeinblendung im Ruhemodus Kindle Quelle: Presse
Der EleganteKindle VoyageVertrieb: Amazon Preis: 249 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 300 ppi Gewicht: 188 g Größe: 16,2 cm x 11,5 cm x 0,76 cm Speicher: 4 GB Info: Zusätzlich Mobilfunk, keine Bücher im offenen epub-Format Kindle Voyage Quelle: Presse
Der RobusteAura H2OVertrieb: Kobo Preis: 179 Euro Displaygröße: 17 cm Auflösung: 265 ppi Gewicht: 233 g Größe: 17,9 cm x 12,9 cm x 0,97 cm Speicher: 4 GB Info: Wasserdicht, erweiterbar über Micro-SD-Karte Aura H2O Quelle: Presse
Der BunteColor LuxVertrieb: Pocketbook Preis: 249 Euro Displaygröße: 20 cm Auflösung: 125 ppi Gewicht: 300 g Größe: 17,0 cm x 20,2 cm x 0,9 cm Speicher: 4 GB Info: E-Ink-Display mit 2048 Farben Color Lux Quelle: Presse

Das Lesen auf hell leuchtenden E-Book-Geräten vorm Schlafengehen kann den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Bei vier Stunden Lesezeit schalte die innere Uhr um durchschnittlich 1,5 Stunden verzögert in den Ruhemodus, berichten Wissenschaftler im Fachjournal „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Als Maß galt der Spiegel des Hormons Melatonin, das den Schlaf reguliert. Zu vermuten sei, dass ein hoher Anteil blauen Lichts der Bildschirme die Veränderung auslöst.

So schlafen Sie besser ein - und durch
Auf Matratzen und Kissen achtenWie man sich bettet, so liegt man: Passen Matratze und Kissen nicht, wird es auch nichts mit dem erholsamen Schlaf. Deshalb sollten Sie beim Kauf auch einmal Probe liegen und Ihre Matratze alle fünf bis zehn Jahre gegen eine neue tauschen. Kissen sollten alle zwölf bis 18 Monate ausgewechselt werden. Experten raten Paaren außerdem dazu, auch im gemeinsamen Bett getrennte Matratzen zu haben, da die Ansprüche an die Matratze verschieden sind. Bei einer durchgehenden Matratze besteht die Gefahr, dass einer zu weich und der andere zu hart liegt. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Ein Paar schaut im Bett Fernsehen Quelle: Fotolia
Ernährung beachtenAlkohol kann helfen, schneller einzuschlafen. Dafür wird die Nacht unruhiger. Faustregel: maximal ein Glas Bier oder Wein. Besser ist ein Glas warme Milch, denn sie enthält die Aminosäure Tryptophan – und die fördert den Aufbau des Schlafhormons Serotonin. Zu viel Eiweiß und Proteine sind schwer verdaulich. Und das Nikotin der Gute-Nacht-Zigarette stimuliert das Gehirn. Quelle: dpa
Bahnhofsuhr Quelle: dpa
Sport machenWer tagsüber Sport macht, schläft abends leichter ein. Dafür muss es kein dreistündiges Krafttraining sein, ein Spaziergang bewirkt auch schon einiges. Wichtig ist allerdings, sich nicht kurz nach Trainingsende ins Bett zu legen. Kurz nach dem Sport ist der Kreislauf noch sehr aktiv. Quelle: dpa
Eine Frau macht eine Yoga-Übung Quelle: obs
Auf die Temperatur achtenIst es im Schlafzimmer zu heiß oder zu kalt, ist das ebenfalls nicht gut für den Schlaf. Deshalb darauf achten, dass es in dem Raum, in dem man schläft, zwischen 15 und 19 Grad hat. Wenn der Partner mit im Bett schläft, empfiehlt es sich außerdem, zwei Decken zu benutzen. Dann erspart man sich das Aufwachen mitten in der Nacht, weil der Mitschläfer die Bettdecke geklaut hat. Quelle: dpa

„Die Verwendung elektronischer Geräte zum Lesen, zur Kommunikation und zur Unterhaltung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, schreiben die Forscher um Anne-Marie Chang von der Harvard Medical School in Boston (US-Staat Massachusetts). Sie wollten die Auswirkungen dessen auf den Schlaf untersuchen. Dazu ließen sie zwölf gesunde junge Frauen und Männer vor der Schlafenszeit unter kontrollierten Bedingungen E-Books und Bücher lesen.

Alle Teilnehmer lasen an fünf Abenden hintereinander E-Books sowie, ebenfalls fünf Abende lang, gedruckte Bücher. Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt begann die eine Hälfte mit den E-Books, die andere mit den herkömmlichen Büchern. Zwischen beiden Durchgängen gab es jeweils einen Tag Erholungspause. Die Probanden lasen jeweils vier Stunden lang, bevor um 22 Uhr das Licht gelöscht wurde. Um sechs Uhr morgens wurden sie wieder geweckt.

Falsche Volksweisheiten rund um den Schlaf

Die Messungen medizinischer Werte zeigten, dass die Probanden nach dem E-Book-Lesen etwa zehn Minuten später einschliefen als nach dem Lesen des gedruckten Exemplars. Die Traumphasen (REM-Schlaf) waren nach dem E-Book-Lesen um fast zwölf Minuten verkürzt und die Probanden fühlten sich morgens deutlich matter und weniger erholt als diejenigen, die herkömmliche Bücher gelesen hatten.

Die größte Auswirkung hatte das Lesen auf elektronischen Geräten auf das Schlafhormon Melatonin: Dessen Ausschüttung wurde um 55 Prozent vermindert. Am 5. Abend des E-Book-Lesens war die Melatoninkurve, die den Schlaf-Wach-Rhythmus anzeigt, um 1,5 Stunden gegenüber den Abenden mit gedruckter Lektüre nach hinten verschoben. Zur festgelegten Schlafenszeit um 22 Uhr waren die E-Book-Leser deshalb viel wacher.

Chang und Kollegen verweisen auf andere Studien, die gezeigt hätten, dass kurzwelliges - also blaues - Licht auf Menschen wie ein Alarmsignal wirke. Der Körper unterdrücke dann die Müdigkeit durch die verringerte Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Bei vielen elektronischen Geräten wie Fernsehern, Computern und E-Book-Readern sei der Anteil des blauen Lichts besonders hoch.

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Bedenklich sei die Reaktion des Körpers vor allem deshalb, weil eine verringerte Melatoninproduktion unter anderem das Risiko für Krebserkrankungen des Darms, der Brust und der Prostata erhöhen könne, heißt es weiter. Dies hätten Untersuchungen ergeben, die inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt seien.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass das elektrische Licht, dem wir zwischen Sonnenuntergang und der Schlafenszeit ausgesetzt sind, tiefgreifende biologische Wirkungen hat“, schreiben die Forscher. Zu ihrer Analyse merken sie dabei aber an, dass sich die Bedingungen der beiden Lesearten im Experiment stark unterschieden: Während der E-Book-Reader auf maximale Helligkeit gestellt gewesen sei, habe das Buchlesen bei stark gedämpftem Licht stattgefunden.

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