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Unterschätztes Risiko Die Therapie-Fallen beim Tinnitus

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Die Lösung heißt: Ablenkung

Selbsthilfe bei Ohrenpfeifen, Schwindelgefühl und Hörsturz: Mit der Klang-Therapie wurde eine Lösung gefunden, um Tinnitus zu behandeln. Quelle: obs

"Es geht darum die Gedanken vom Schmerz, beziehungsweise Tinnitus abzulenken", sagt er. Das funktioniere bei jedem anders. Seiner Meinung nach ist die Musiktherapie ein Schlüssel zum Erfolg. Damit habe der Patient dann allerdings nur das prominente Geräusch im Kopf weggefiltert. "Das ist ein guter Weg, um mit dem Tinnitus im Alltag umzugehen", sagt Kusatz. "Das Kernproblem hat man damit allerdings noch nicht im Griff."

Der Psychotherapeut ist fest davon überzeugt, dass in den meisten Fällen die Ursachen für einen Tinnitus in der Art der Lebensführung begründet sind. Seine zuverlässigen, hart arbeitenden Patienten, die Überstunden und Mehrarbeit nicht scheuen und sich vor allem durch viel Ehrgeiz auszeichnen, bestätigen ihn in seiner Vermutung. "Der Tinnitus ist ein Warnsignal, das ernstgenommen werden muss", sagt Kusatz und vergleicht ihn mit einem Rauchmelder, der Alarm schlägt bevor das Feuer ausgebrochen ist. "Der Tinnitus ist auch eine Chance, dass die Zukunft besser als die Vergangenheit gewesen ist", ist sich Martin Kusatz sicher. Schließlich gehe es darum dem Patienten einen Alltag aufzuzeigen, der sich ohne krank zu werden bewältigen lässt. Entsprechend bietet er in seinem Zentrum auch ein psychologisches Immunisierungszentrum an.

Forschung



Das gesamte Paket nennt der Therapeut "Krefelder Modell". Wissenschaftlich begleitet wird es vom Institut für Integrative Medizin der Universität Witten/Herdecke. Der Statistiker Thomas Ostermann hat 4800 Patientenakten des Tinnitus Zentrums ausgewertet und festgestellt, dass sich die Lebensqualität in allen für die Patienten wichtige Bereiche deutlich verbessert hat. Vor allem Konzentrations- und Schlafstörungen konnten erfolgreich behandelt werden. Interessant dabei: Wie schwerwiegend der Tinnitus des Patienten war, hatte keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Auch Patienten, die seit Jahren unter dem Symptom leiden, konnte geholfen werden.

Die Kosten für die Therapie in Krefeld und Düsseldorf wird zu 100 Prozent von der Krankenkasse erstattet. Kassenpatienten erhalten eine achttägige Gruppentherapie (vier Stunden am Tag), Privatpatienten eine Einzeltherapie. Einrichtungen wie das Tinnitus Zentrum in Düsseldorf und Krefeld gibt es inzwischen in allen Bundesländern. Patienten sollten sich jedoch genau informieren, ob die Kasse die Kosten für die Therapie auch wirklich übernimmt. In der Regel tut sie dies nur, wenn die Arbeit der Therapeuten wissenschaftlich überprüfbar ist. Ansonsten fallen sie unter die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die kostenpflichtig gebucht werden können.

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