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Autotest Iveco Campagnola: Arbeitstier für Offroad-Fans

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Iveco beschwört italienische Geländewagen-Legende

Iveco Campagnola Quelle: Foto: Wilfried Eckl-Dorna

Der Campagnola, das betonen die Iveco-Leute immer wieder, ist die Wiederbelebung einer Legende. Laut Iveco war Ur-Campagnola, der von 1951 bis 1987 von Fiat gebaut wurde, ein Symbol für den italienischen Wiederaufbau. Mit dem Campagnola fuhren italienische Abenteurer quer durch Afrika, er wurde vom italienischen Militär eingesetzt und hielt als Chassis für geländegängige Löschfahrzeuge her. Seinen wohl werbeträchtigsten Einsatz hatte der Campanola aber in Rom: Als speziell umgebautes „Pappamobil“, mit dem Päpste winkend durch Menschenmengen fuhren.

Für den Transport durch die Massen ist die Neuauflage des Campagnola allerdings nicht gedacht – sondern für die harten Hunde unter den Offroad-Fans. Damit das alle aus Deutschland eingeflogenen Journalisten verstehen, hat sich Ivecos Event-Agentur ordentlich ins Zeug gelegt: Notizblöcke, Presseunterlagen bis hin zur CD trugen das Campagnola-Schriftzug mit einem stilisierten Berg im Hintergrund. Die Pressekonferenz fand im Alpin-Trainingscenter des italienischen Militärs statt. Dutzende Iveco-Mitarbeiter trugen eigens angefertigte Campagnola-Kleidung: Sandfarbene Stoffhosen unten, olivgrüne Windjacken oben. Selbst vor den Hotelzimmern machte das Abenteurer-Feeling nicht halt. Auf den Betten der Hotelzimmer warteten Militärrucksäcke samt Presseunterlagen.

Arbeitstier für schwieriges Terrain

Abseits aller Marketing-Gimmicks stand eine ausführliche Probefahrt auf dem Programm. Rund um das Montblanc-Massiv konnte der Campagnola seine Stärken ausspielen. Matschige Wege rund um die Schipisten von Courmayeur meisterte der Campagnola mit Leichtigkeit. Das beachtliche Drehmoment 400 Nm wirkt bei Steilstücken Wunder: Auch mit Drehzahlen knapp oberhalb des Standgases klettert der Campagnola 60 Grad-Steigungen problemlos hoch. Selbst für ungeübte Geländefahrer ist der Wagen trotz gelegentlich ruckeliger Schaltung leicht zu beherrschen.

Vor Berghütten und Gipfeln macht der Campagnola eine gute Figur – auf der Straße allerdings weniger. Zwar schafft der Offroader bis zu 165 km/h Spitzengeschwindigkeit, doch die Plattenfedern geben jede kleine Straßenunebenheit unmittelbar an den Fahrer weiter.

Wiederauferstehung ohne Öffentlichkeit

Der Campagnola, so merkt Iveco-Sprecher Kuchlmayr an, ist eben „kein Auto, mit dem man die Münchner Leopoldstraße auf und ab fährt.“ Damit dürfte er auch angesichts der angepeilten Absatzzahlen recht haben. Zunächst will Iveco in Deutschland 200-300 Stück absetzen, als Zielgruppe haben sie Baufirmen und Forstbesitzer im Visier. Die breite Masse wird das Auto kaum zu sehen bekommen, denn vorerst wird der Campagnola nur über die Iveco-Lizenzhändler vertrieben. Dass der Geländewagen auch einmal in Fiat-Autohäusern stehen wird, konnten die Iveco-Leute nicht zusichern.

Die Wiederauferstehung des italienischen Geländewagen wird also großteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. So richtig passt der Campagnola auch nicht zum Anspruch Fiats, die strengen CO2-Vorgaben der EU für Fahrzeugbauer bereits jetzt zu erfüllen. Denn der Campanola bläst 294 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft, weitab vom EU-Richtwert von 130 Gramm CO2.

Zudem krankt die Wiederauferstehungslegende an einem wesentlichen Punkt. Der Campagnola wird von der Iveco-Tochter Santana in Andalusien produziert. Die wiederum erwarb sich ihr Geländewagen-Know-How als langjähriger Lizenzfertiger für Land Rover. Iveco versichert zwar, dass drei Viertel der Bauteile getauscht oder weiterentwickelt wurden. Einzig der Leiterrahmen, die Karosserie und das Kunststoffdach stammen noch vom Offroad-Briten.

Doch ein Auto, das in Spanien gebaut wird und auf einem englischen Allradler basiert, als Wiederauferstehung einer italienischen Geländewagen-Legende zu verkaufen - das dürfte selbst der Fiat-Marketingabteilung schwerfallen.

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