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Debatte um Klimaschutz Scheuer fordert Massenproduktion von E-Fuels

Bislang werden E-Fuels nur in kleinem Maßstab produziert. Quelle: Audi

Können synthetische Kraftstoffe den Verbrennungsmotor vor der Verdrängung durch E-Autos retten? Verbrenner-Fans setzen ihre Hoffnungen auf die E-Fuels – und Verkehrsminister Scheuer nun auch.

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Der fossile Verbrennungsmotor soll 2035 vom Neuwagenmarkt verschwinden, forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) jüngst im Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Unser Ziel muss das Auslaufen des fossilen Verbrenners bis 2035 sein“, sagte er. Bislang nannte die Bundesregierung in der Regel das Jahr 2050 als Ausstiegsdatum aus dem Verbrennungsmotor.

Scheuer setzt aber nicht nur auf Elektroautos, sondern sieht auch eine Zukunft für CO2-neutrale Benziner und Diesel, die mit sogenannten E-Fuels betrieben werden. Die mit Hilfe von Ökostrom produzierten synthetischen Kraftstoffe müssten „raus aus dem Reagenzglas und rein in die Massenproduktion“, sagte der Minister der Zeitung.

Bislang werden die sogenannten E-Fuels lediglich in kleinen Testanlagen produziert. Prinzipielles Problem ist aber weniger die geringe Herstellungskapazität als vielmehr der schlechte Gesamtwirkungsgrad der Technik. So ist die Produktion sehr energieaufwendig, die Nutzung im Verbrennungsmotor stark verlustbehaftet.

Hohe Gesamteffizienz bei E-Autos

Deutlich effizienter ist es, Ökostrom direkt für den Betrieb im E-Auto zu nutzen – zumindest, wenn er ein knappes Gut ist. Nach Ansicht vieler Experten dürften E-Fuels daher künftig vor allem in Transportmitteln wichtig werden, für die Batterie-E-Mobilität aufgrund ihrer begrenzten Reichweite keine Option ist, etwa bei Schiffen und Flugzeugen.

Politiker wie CSU-Chef Markus Söder und Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatten sich bereits im vergangenen Jahr für ein Auslaufen mit fossilen Brennstoffen betriebener Autos bis 2035 ausgesprochen. Auch zahlreiche andere Länder wie Japan, Großbritannien, Frankreich oder Spanien haben bereits Enddaten für Benziner und Diesel festgelegt, die zwischen 2030 und 2040 liegen.

Um die Frage, ob synthetische Kraftstoffe ein teurer Irrweg oder ein nötiger Beitrag zum Klimaschutz sind, ist ein heftiger Streit entbrannt. Hier nimmt unser Redakteur Stefan Hajek die Argumente genau unter die Lupe.

Der Verkehrsbereich bleibt eine der größten Baustellen in der deutschen Klimaschutzpolitik – und ist seit Jahren schwer umkämpft. So will die SPD etwa ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, Scheuer hingegen nicht. Dass der CSU-Politiker mehr auf alternative Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien setzen will, hängt auch damit zusammen, dass am Verbrennungsmotor vor allem bei Zulieferern noch viele Jobs hängen. Auch die Präsidentin des Branchenverbands VDA, Hildegard Müller, sagte am Dienstag am Rande der Debatte um Deutschlands Klimaschutzziele, E-Fuels seien ein wichtiger Beitrag zur Klimaschutzstrategie, es brauche hier aber mehr politische Entschlossenheit und Unterstützung.

Deutschland hat seine Klimaziele für 2020 doch noch geschafft, vor allem infolge der Coronapandemie. Im vergangenen Jahr wurden 70 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase freigesetzt als 2019, wie aus am Dienstag veröffentlichten Daten des Umweltbundesamtes hervorgeht. Das bedeutet ein Minus von 8,7 Prozent. Im Vergleich zu 1990 sanken die Emissionen in Deutschland um 40,8 Prozent. Damit wurde das Ziel von 40 Prozent leicht übertroffen.

Mit Material von dpa

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