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Alternativen zur Ölheizung Womit in anderen Ländern geheizt wird

Die Ölheizung in Deutschland steht vor dem Aus. Ein Blick über die Grenze zeigt, wie andere Länder ihr Heizproblem lösen – und was Deutschland davon lernen kann.

In Deutschlands Privathaushalten entstehen nach jüngsten Berechnungen 17 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids, das hierzulande in die Umwelt entlassen wird. Die Heizung in privaten Haushalten ist dabei für rund ein Drittel dieses Anteils verantwortlich. Dabei wäre der CO2-Ausstoß von Heizungsanlagen deutlich niedriger, wenn statt Öl, Gas oder Kohle andere Energieträger für die Wärmeerzeugung genutzt würden. Unser Vergleich zeigt: Das Potenzial zur CO2-Einsparung ist nicht nur in Deutschland enorm. Einige Länder könnten hier weit mehr erreichen, andere sind schon bedeutend weiter. Ein Blick in die Heizgewohnheiten unserer europäischen Nachbarn und der großen Volkswirtschaften. Quelle: imago images
EUEiner Analyse der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge entfallen 64,1 Prozent des Energieverbrauchs in den privaten Haushalten der 28 EU-Länder auf die Raumheizung, weitere 14,8 Prozent auf die Warmwasser-Erzeugung. Somit verwenden EU-Haushalte fast vier Fünftel ihres Gesamtenergiebedarfs für die Wärmeerzeugung. Für die Vermeidung klimaschädlicher Abgase hat die Energiepolitik hier also einen großen Hebel.
DeutschlandIn Deutschland wird in den Häusern und Wohnungen weit überwiegend mit Gas geheizt. Fast die Hälfte des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser entfällt auf den fossilen Brennstoff. Nach Eurostat-Daten von 2017 wird der Heizenergiebedarf zu 46,2 Prozent mit Gas gedeckt. 25,9 Prozent der Heizenergie stammen noch aus der Verbrennung von Öl. Fernwärme steuert 10,9 Prozent bei, 13,9 Prozent kommen aus erneuerbaren Energieträgern und der Müllverbrennung. Der Anteil von Strom und Festbrennstoffen wie Kohle fürs Heizen liegt jeweils unter zwei Prozent. Quelle: imago images
Großbritannien, Slowakei, ItalienAbgesehen von den Niederlanden ist in der EU der Gasanteil beim Heizen vor allem in Großbritannien (74,5 Prozent), Slowakei (64,5 Prozent) und Italien (59,8 Prozent) hoch. Die Slowakei ist auch in der Abwärmenutzung relativ stark (26 Prozent), in Italien ergänzen die erneuerbaren Energieträger inklusive Müllverbrennung (29 Prozent) die Gasheizung. Quelle: imago images
NiederlandeBesonders spannend ist die Entwicklung in den Niederlanden. Dort erzeugt Gas 86,7 Prozent der benötigten Heizenergie im Wohnbereich. Bei der Warmwassererzeugung liegt der Anteil noch etwas höher. 95 Prozent der holländischen Haushalte sind an das Gasnetz angeschlossen. Aber schon seit Sommer 2018 ist in den Niederlanden der Einbau einer Gasheizung in Neubauten verboten. Wärmepumpen, Abwärme – etwa von Industrieanlagen über das Fernwärmenetz – sowie Geothermie sollen als Alternative dienen, die Wärmepumpen sollen möglichst mit Solarstrom vom Hausdach betrieben werden. Erneuerbare Energien steuerten 2017 erst 7,5 Prozent zur Heizenergie bei. Proteste nach einem Erdbeben im Raum Groningen hatten die Energiewende beschleunigt. Das Beben der Stärke 3,4 wurde auf die intensive Gasförderung in der Region zurückgeführt. (Im Bild Proteste gegen die Gasförderung 2018.) Quelle: imago images
PolenDas andere Extrem ist in Polen zu beobachten. Bei unserem östlichen Nachbarn spielt die Kohleheizung nach wie vor die zentrale Rolle. 44,6 Prozent der benötigten Heizenergie kommt aus Kohle und anderen Festbrennstoffen. Der übrige Wärmebedarf wird von Abwärme, Gas und erneuerbaren Energieträgern sowie der Müllverbrennung beigesteuert. Im Winter kämpfen viele polnische Städte mit Smog und Feinstaub. Quelle: imago images
Portugal, Kroatien und SlowenienIn elf der 28 EU-Staaten heizen die Bürger ihre Wohnungen überwiegend mit erneuerbaren Energien. Den höchsten Anteil im EU-Vergleich erreicht Portugal mit 73,3 Prozent, gefolgt von Kroatien (64,5 Prozent) und Slowenien (59,1 Prozent). Allen drei Ländern gelingt dies vor allem durch Nutzung von Wasserkraft aus Stauseen und Talsperren, der restliche Heizenergiebedarf wird mit Strom (Portugal: 18 Prozent), Gas (Kroatien: 21 Prozent) oder Öl (Slowenien: 15 Prozent) gedeckt. Die Länder setzen aber auch zunehmend auf Windenergie und Solarkraft. Quelle: imago images
Malta, Griechenland und IrlandIn drei Mitgliedsstaaten der EU wird noch überwiegend mit Öl geheizt. Ölheizungen erzeugen vor allem in Malta (54,2 Prozent), Griechenland (47,9 Prozent) und Irland (48,0 Prozent) den größten Teil der Wärme für Wohnräume. Heizöl bietet sich offenbar an, wenn man auf einer Insel wohnt. Quelle: imago images
NorwegenNorwegens Wohlstand basiert zwar zum größten Teil auf seinen Erdölvorkommen und der Erdgasförderung, doch hat das die Regierung nicht abgehalten, ab 2020 das Beheizen von Gebäuden mit Öl zu verbieten. Tatsächlich sollte das machbar sein, denn Norwegen nutzt weder Öl noch Gas zur Energieerzeugung, sondern produziert seinen Energiebedarf nahezu vollständig mithilfe von Wasserkraft. Daher werden die Wohngebäude auch zu 96,2 Prozent direkt mit Strom geheizt, den Rest steuert Abwärme bei. Die Kehrseite: In kaum einem Land ist der Stromverbrauch pro Kopf höher und weil er auch noch besonders günstig ist, fehlen Anreize zum Stromsparen. Quelle: imago images
Schweden und FinnlandAuf Abwärme von Industrieanlagen und deren Verteilung über ein Fernwärme-Netz setzen in der EU vor allem die Skandinavier. In Schweden kommt die Hälfte der Heizenergie aus Abwärme, die Stromheizung steuert zudem 29,2 Prozent und erneuerbare Energien knapp 20 Prozent zur wohnlichen Wärme bei. Bis 2020 will Schweden beim Heizen ganz ohne fossile Brennstoffe auskommen. Auch Nachbar Finnland ist auf einem guten Weg: 34,5 Prozent des finnischen Heizbedarfs wird durch Abwärme gedeckt, 31,2 Prozent kommen aus erneuerbaren Energieträgern und Müllverbrennung, Stromheizungen stehen für 26,2 Prozent der Heizungswärme. Quelle: imago images
DänemarkDänemark dient vielen als Vorbild in Sachen Klimapolitik. Schon seit der ersten Ölkrise Anfang der 70er Jahre fand dort ein Umdenken statt. Fossile Brennstoffe wurden höher besteuert und so ein Anreiz für das Energiesparen gesetzt. Nach den Daten von Eurostat kann sich das Ergebnis sehen lassen: 40,7 Prozent der benötigten Heizenergie stammt aus erneuerbaren Energieträgern und der Müllverbrennung, andere Abwärme-Systeme steuern 37,5 Prozent bei, nur 15 Prozent der Heizenergie kommt aus der Befeuerung mit Gas. Die Energieträger Öl, Kohle oder Strom spielen beim Heizen fast keine Rolle mehr. Das funktioniert allerdings nur, weil praktisch jede geschlossene Ortschaft an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Ziel der Dänen ist es, bis 2035 100 Prozent ihrer Fernwärme aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. (Im Bild die neue Müllverbrennungsanlage Amager Bakke in Kopenhagen. Das schräge Dach dient als Skipiste.) Quelle: imago images
USAIn den größten Industrieländern schlummert auch das größte Potenzial für klimafreundlicheres Heizen. So wird in den USA rund die Hälfte aller Heizungen mit Gas betrieben, gemessen am Energiebedarf für das Heizen liegt der Gasanteil bei etwa 70 Prozent. Der Rest wird durch Öl und Strom gedeckt. Hinzu kommt, dass viele Gasheizungen veraltet sind und direkt die Luft statt Wasser für den Heizkreislauf erwärmen. Vor allem in den warmen und ölreichen Südstaaten dominiert hingegen die Stromheizung. Quelle: imago images
JapanIn Japan wird fast ausschließlich mit Gas geheizt. 98,5 Prozent der Heizenergie wird mit Gas produziert, der winzige Rest wird mit Ölheizungen gedeckt. Allerdings wird in Japan nur auf der Insel Hokkaido regelmäßig geheizt, da das Klima dort kühler ist. Ansonsten sind die Gebäude eher auf hohe Temperaturen ausgelegt, Öfen kommen nur selten zum Einsatz. Quelle: imago images
ChinaChina steht ebenfalls vor großen Herausforderungen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stammt die Heizenergie zu 87,5 Prozent aus der Kohleverbrennung, und auch der Rest kommt aus Gas und Öl. Noch dazu sind die Kohlekraftwerke, die per Fernwärme Chinas Wohnungen beheizen, zu einem großen Teil völlig veraltet. (Im Bild Kohlehändler in Peking.) Immerhin versucht das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land gegenzusteuern: In Peking ist für Neubauten die Brennwerttechnik mit Rückgewinnung der Abwärme vorgeschrieben. Quelle: imago images
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