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Greenpeace-Studie Tausende Tote durch deutsche Kohlekraftwerke

Nicht nur für den Klimawandel, auch für starke gesundheitliche Schäden soll der Kohleabbau verantwortlich sein. Das hat eine Greenpeace-Studie ergeben, die sich die deutschen Kraftwerke genauer angeschaut hat.

Anlagen des Kraftwerks Jänschwalde des Energie-Konzerns Vattenfall Europe spiegeln sich bei der südbrandenburgischen Stadt Peitz im Wasser eines Sees. Quelle: dpa

Energiewende hin oder her, noch boomen auch in Deutschland die Kohlekraftwerke. Braun- und auch Steinkohle ist in den vergangen drei Jahren wieder wichtiger geworden. Derzeit sind hierzulande etwa 140 Kraftwerke in Betrieb. Sie erzeugen 45 Prozent des gesamten Strombedarfs der Bundesrepublik. Neben den bekannten negativen Auswirkungen auf das Weltklima durch die CO2-Emissionen leidet auch die Gesundheit unter den Kraftwerken. Eine aktuelle Greenpeace-Studie will herausgefunden haben, dass mikroskopisch kleine Feinstaubpartikel, die kontinuierlich aus den Schornsteinen der großen Kraftwerke gepustet werden, europaweit für etwa 3100 vorzeitige Todesfälle gesorgt haben.

Giftige Emissionen aus Kohleschloten wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Ruß und Staubemissionen bilden in der Luft Feinstaub. Die kleinsten Teilchen dringen beim Einatmen tief in die Lunge und Blutgefäße ein und können den Organismus schädigen.

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

Greenpeace ließ eine entsprechende Erhebung an der Universität Stuttgart durchführen. Das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Uni untersuchte erstmals die atmosphärische Ausbreitung der Schadstoffemissionen und zeigte auf, welche Gesundheitsschäden die 67 leistungsstärksten deutschen Kohlekraftwerke verursachen.

Grundlage für die Berechnungen lieferten Emissionsdaten aus dem Europäischen Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister für das Jahr 2010 und bekannte epidemiologische Studien zu den Gesundheitsfolgen von Feinstaub. Die 67 Kohlekraftwerke führten danach zum Verlust von insgesamt 33.000 Lebensjahren. Dies entspricht einer statistischen Zahl von 3100 Todesfällen. Hinzu kommt der Ausfall von etwa 700.000 Arbeitstagen durch Atemwegserkrankungen, Herzinfarkte, Lungenkrebs oder Asthmaanfälle.

Die dreckigsten Kraftwerke seien die Braunkohleanlagen Jänschwalde in Brandenburg und Niederaußem in Nordrhein-Westfalen, deren Schadstoffe sich über tausende Kilometer weit ausbreiten. Allein die beiden größten Braunkohlekraftwerke waren der Greenpeace-Studie zufolge im Jahr 2010 für 373 und 269 Todesfälle verantwortlich.

Die gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands

Die scheinbar genauen Zahlen überraschen, spielen doch gerade bei so umfassenden Erhebungen immer statistische Ungenauigkeiten mit hinein, die in der Erhebung nicht angegeben wurden. Dennoch scheint die Studie in die richtige Kerbe zu schlagen. Erst vor wenigen Wochen hat ein europäischer Verbund von Umwelt- und Gesundheitsorganisationen namens „Heal“ (Health and Environment Alliance) vorgerechnet, dass durch die durch den Kohleabbau entstehenden Partikel in der Luft, die Gesundheitskassen in Europa mit jährlich 43 Milliarden Euro belasten würde. In dieser Erhebung liegt Deutschland immerhin auf dem zweiten Platz hinter Polen. Angeblich würde sich der Kohleabbau mit sechs Milliarden Euro im deutschen Gesundheitssystem niederschlagen.

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Greenpeace fordert nun einen vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2040. Die besonders schädliche Braunkohle müsse bis spätestens 2030 auslaufen. "Um Todes- und Krankheitsfälle zu vermeiden, muss die Politik endlich den Ausstieg aus der Kohle beschließen", sagt Gerald Neubauer, Energie-Experte von Greenpeace. Für die Übergangszeit müssten alle Kohlekraftwerke mit der besten verfügbaren Filtertechnik ausgerüstet werden, um Schadstoffemissionen zu verringern. 

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