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Grüne Pioniere Rebellin vom Lech

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Jedem eine Chance geben

Stoffbahnen der Farbe Himbeerfrisch

Mehr noch als dies trieb sie eine andere Erfahrung: Bei Kunden bekam sie immer wieder mit, dass sie Mitarbeiter kündigten, die eben noch hoch geschätzt waren, nur weil das Unternehmen seine Bilanz aufpolieren wollte. Da packte sie das Gefühl, dass etwas aus dem Lot geraten ist.

Jedem eine Chance geben zu wollen ist seither ihr Motto. Und dafür hat sie bewusst eine Branche gewählt, die in der Vergangenheit an ihrem Heimatort Näherinnen gleich zu Tausenden auf die Straße setzte. Angeblich, weil sie zu teuer sind, um mit Billig-Textilarbeiterinnen in Indien und Bangladesh konkurrieren zu können.

Trinkwalder hält das für vorgeschoben. „Wir können Hemden und Hosen auch hier wirtschaftlich fertigen“, sagt sie. „Mit Produktion in Asien sind die Gewinne natürlich höher, das ist der einzige Grund für die Verlagerung der Arbeitsplätze.“ Sie kommt mit Margen von drei bis vier Prozent hin. Traditionelle Bekleidungsfirmen, sagt sie, erwarteten mindestens 20 Prozent.

Nachhaltiger Internet-Vertrieb

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Standort erkennen

    Deshalb Menschen auf die Straße zu setzen hält sie für ungehörig. Diese Einstellung hat ihr weit über die Grenzen der lokalen Wirtschaft Anerkennung und vor allem eine wachsende Schar Stammkunden gebracht. Rund 4000 sind es bundesweit, die über Manomamas Internet-Seite Babyjäckchen, Blusen und Jacken bestellen.

    Der Internet-Vertrieb ist nachhaltiger als der Ladenverkauf. Das ist Trinkwalder wichtig. Sie produziert und transportiert nur Ware, die tatsächlich abgenommen wird, während die unverkäufliche Kleidung in Textilgeschäften im Müll landet. Wegen all dieser Dinge hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung, das wichtigste Beratungsgremium der Bundesregierung in ökosozialen Fragen, Trinkwalder zum „Social Entrepreneur 2011“ gekürt.

    Dabei ging es ihr nicht um Preise, als sie im April 2010 in einem umgebauten Pferdestall begann, ihre Vorstellung von einer gerechteren Welt umzusetzen, ohne die geringste Ahnung von textiler Produktion zu haben. Sie besorgte sich Schnittbücher, suchte nach Bezugsquellen für Ökostoffe, entwarf erste T-Shirts und verkaufte sie über das Internet.

    So war Sina schon als kleines Mädchen: Hatte sie sich etwas in den Kopf gesetzt, ließ sie nicht locker, bis es geschafft war. Mit zehn Jahren etwa brachte sie sich selbst das Comiczeichnen bei und beförderte sich mit 13 zur Chefin der Schülerzeitung.

    Zwei Drittel der Belegschaft sind über 50

    Sie ist ein Mensch, der Ideen umsetzen will, statt bloß mitzuschwimmen. Kai Nebel hat sie so kennengelernt. Sie habe das Talent, „Neues rasch zu kapieren“, sagt der Leiter des Bereichs Textile Verfahrenstechnik und Produktentwicklung an der Hochschule Reutlingen. Nebel war einer der Ersten, den Trinkwalder mit ihren Ideen zur Ökomode bestürmte. Ihr Enthusiasmus fasziniert ihn, ebenso ihr unternehmerisches Anliegen. Dieses Kapital, Menschen für sich einnehmen zu können, hilft ihr häufig.

    Ihren Anspruch, bevorzugt sozial Ausgesteuerte einzustellen, hat sie eingelöst. Zwei Drittel der inzwischen mehr als 70 Näherinnen sind älter als 50 Jahre. Die meisten waren längere Zeit arbeitslos.

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