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Ohne Treibstoff um die Welt? „Solar Impulse 2“ absolviert Jungfernflug

Sonnenkraft statt Kerosin? Jets mit Solarzellen und Elektromotoren? Noch erscheint das wie Science-Fiction. Doch Schweizer Flugpioniere machen Fortschritte. Bald soll ein Sonnenflieger die Erde umrunden.

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Das Solarflugzeug „Solar Impulse 2“ während des Jungfernfluges in Payerne: Es ist die erste Etappe auf dem Weg zur Weltumrundung. Quelle: AFP

Payerne Strahlende Gesichter, Umarmungen, Winken und immer wieder Glückwünsche. So sieht ein glückliches Team nach dem gelungenen Test einer Wundermaschine aus. 2 Stunden und 17 Minuten war die „Solar Impulse 2“ am Montag bei ihrem Jungfernflug in der Luft, ehe sie sanft auf dem Militärflugplatz Payerne im Westen der Schweiz landete. Ohne einen Tropfen Kerosin, angetrieben von vier 17,5-PS-Elektromotoren, deren Kraft von der Energie der Sonne kam.

Es war die erste Etappe auf dem Weg zu einem Ziel, das viele noch vor wenigen Jahren als Utopie abtaten: Die Umrundung der Erde in einem Sonnenenergie-Flugzeug. Im Frühjahr 2015 soll es soweit sein. Von einem sonnensicheren Flugplatz am Persischen Golf aus wollen die Schweizer Flugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg mit weiteren Piloten und einem Team von Technikern und Ingenieuren den ersten solargetrieben Flug um die Welt in Angriff nehmen. Mit dabei ist dann sicher auch Marcus Scherdel, der Pilot des Jungfernflugs.

In Richtung Osten soll „Solar Impulse 2“ parallel zum Äquator über Indien, China, den Pazifik, die USA und Nordafrika wieder zum Startort fliegen. Geübt wurde dafür auch 2013. Im ersten „Solar Impulse“-Flieger überquerten Piccard und Borschberg Nordamerika.

Das neue „Round-the-World Solar Airplane“ mit der Kennung HB-SIB und dem Kurznamen „Si2“ ist zwar leistungsfähiger als das erste. Aber mit der Maximalgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern in Höhen bis 8000 Fuß (rund 2400 Metern) kann auch diese Maschine große Strecken nicht allein „in einem Rutsch“ absolvieren.

Für die Erdumrundung des Einsitzers mit dem Gewicht eines Mittelklasseautos und einer Flügelspannweite, die mit 72 Metern größer als bei einem Jumbo Jet ist, sind 20 Flugtage vorgesehen. Verteilt werden sie auf mehrere Monate.


Energie reicht noch nicht für große Gewichte

Dabei ist weniger die Technik das Problem, als der Mensch, der sie bedienen soll. „Unser Flugzeug könnte einen Monat nonstop in der Luft sein“, hatte der 61-jährige Borschberg im April bei der Vorstellung von „Si2“ erklärt. „Doch wie lange kann ein Pilot durchhalten?“

Noch ist die Solar- und Elektromotortechnik längst nicht soweit, Geschwindigkeiten eines kerosingetrieben Düsenjets zu ermöglichen. Selbst mit den nun mehr als 17.200 Solarzellen auf den Tragflächen reicht die Sonnenenergie nicht für große Gewichte und damit entsprechend schwere und leistungsfähige Elektrotriebwerke aus.

So entschieden sich die Entwickler dafür, bei „Si2“ die Unterstützung für den Mann - und sicher auch bald die Frau - am Steuerknüppel zu verbessern: „Solar Impulse 2“ verfügt nicht nur über eine Toilette und einen Business-Class-Sitz zum Ausruhen, sondern auch über einen Autopiloten.

Insgesamt ist das Cockpit auf 3,8 Quadratmetern so eingerichtet, dass der Pilot es dort etwa eine Woche aushalten kann. Das könnte mehrmals nötig werden, etwa wenn „Si2“ die Ozeane überquert. Dabei ist die Kabine weder druckfest noch kann sie beheizt werden.

Trotz aller Widrigkeiten sind Piccard und sein engagiertes Team nun ihrem großen Traum ein Stück näher gekommen. Allerdings sind die Flugpioniere nicht nur Träumer, sondern auch Realisten: Sie seien nicht mit dem Ziel angetreten, normale Passagierflugzeuge durch Solarflieger zu ersetzen, sagte Piccard im vergangenen Juli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in New York.

Vorrangig gehe es noch darum, die Verwendung alternativer Energie zu fördern. „Wir wollen zeigen, dass selbst schon die heutige Technologie es der Menschheit erlaubt, viel weniger und vor allem sinnvoller Energie zu verbrauchen.“ Ein Flugzeug sei dafür „das beste Vehikel, weil es spektakulär und spannend ist“.

Dennoch kann sich Piccard natürlich eine Zukunft mit solargetriebenen Passagerflugzeugen ausmalen: Heute erlaube die „Si2“-Technologie zwar nur den einen Piloten im Cockpit. „Aber von den Wright-Brüdern bis zu 400, 500, 600 Menschen in einem Flugzeug dauerte es nicht einmal 100 Jahre.“

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