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Wirtschaft von oben #263 – Smart City in GriechenlandAus einer Geisterstadt wird Europas größte Smart City

In einem heruntergekommenen Athener Vorort baut ein Projektentwickler eine gigantische Smart City. Dafür weichen: ein ehemaliger Flughafen und viele Stadien von den Olympischen Spielen 2004, wie neueste Satellitenbilder zeigen. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.Jannik Deters 25.05.2024 - 14:07 Uhr

Ellinikon, aktuell eine riesige Baustelle, liegt rund zehn Kilometer südlich von Athen.

Foto: LiveEO/Google Earth

Es soll das Ende von Ellinikon als Geisterstadt sein. Fast 20 Jahre, nachdem der letzte Sportler das Olympiagelände von 2004 verließ, und mehr als 20 Jahre, nachdem das letzte Flugzeug hier landete, ist in dem Athener Vorort nichts mehr, wie es in der Zwischenzeit war. Die Brache und Ödnis ist einem städtebaulichen Aufbruch gewichen, der einzigartig ist. In Ellinikon entsteht Europas größte Smart City.

Siedlungen, Luxusapartments, ein Park größer als der Londoner Hyde Park, der erste Wolkenkratzer Griechenlands, Malls und Sportanlagen sollen allesamt intelligent vernetzt sein. Kein Weg im Alltag, so der Plan, dauert länger als 15 Minuten, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem nachhaltigen Verkehrsmittel. Der Beton der ehemaligen Landebahn wird recycelt und für neue Straßen genutzt. Kaum ein Flecken Erde, der gerade nicht umgegraben wird, wie exklusive Satellitenbilder von LiveEO zeigen.

Das Signal, das der griechische Projektentwickler Lamda Development und auch die griechische Regierung aussenden wollen: Griechenland lässt die Schuldenkrise der 2010er-Jahre hinter sich und gewinnt wieder Investoren. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwärmt, Ellinikon symbolisiere „das neue Griechenland, wie wir uns es vorstellen“.

Der 2001 stillgelegte Flughafen und die verlassenen Olympiastätten waren zum Symbol des politischen Stillstands und wirtschaftlichen Niedergangs geworden. Das Areal verkam über die Jahre, lag brach. Auf den Satellitenbildern ist etwa zu beobachten, wie sich der Kunstrasen des Hockeystadions im Norden löste und dunkle Flecken hinterließ.

In der Schuldenkrise der 2010er-Jahre gehörte die Privatisierung des Geländes zu den Auflagen, die Griechenland im Gegenzug für Hilfskredite umsetzen musste. 2014 unterzeichnete Lamda den Vertrag für das Ellinikon-Großprojekt. Doch 2018 war von den vielen Plänen für eine Wiederaufwertung noch nichts zu sehen.

Bilder: LiveEO/Google Earth

2019 verkündete Mitsotakis, frisch gewählt, baldige große Durchbrüche. Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis Bewegung auf die Baustellen kam.

Heute wird der alte Flughafen Ellinikon kräftig umgegraben. Die Landebahnen sind auf dem aktuellsten Satellitenbild kaum noch zu erkennen. Bald legen die Arbeiter hier eine neue grüne Oase an auf zwei Quadratkilometern. Noch aber gleicht das Gelände einer Wüste aus Schutt und Sand. Von den Bäumen und Grünflächen, die in den Präsentationen des Projektentwicklers aus dem Boden sprießen, ist noch nichts zu sehen.


Gedacht ist der Park, fast direkt an der Küste, als grünes Herz der neuen Stadt. 45 Kilometer Rad- und Wanderwege sollen eines Tages hindurchführen, mit intelligenten Energiesystemen und nachhaltigen Bewässerungskonzepten.

So soll Ellinikon, betrachtet von Westen aus, in ein paar Jahren aussehen. Bild: Lamda Development/The Ellinikon Foto: WirtschaftsWoche

Ellinikon soll einen Netto-Null-Kohlenstoff-Fußabdruck haben und eine gelungene Anpassung an den Klimawandel zeigen. Dazu gehört die Zertifizierung aller Gebäude nach den LEED-Kriterien für nachhaltiges Bauen.

Das gilt auch für den Riviera Tower direkt am Strand. Der erste Wolkenkratzer des Landes – ein Beispiel für klimagerechte Architektur. Das Gebäude hat das höchste LEED-Zertifikat bekommen. Der Energieverbrauch soll um 35 Prozent unter dem konventioneller Wohntürme liegen. Auf den Terrassen der Wohnungen aufgefangenes Regenwasser dient der Bewässerung der begrünten Fassade.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/Pleiades

Damit der Turm so nah am Wasser auch fest steht, mussten die Arbeiter im vergangenen Jahr zunächst Hunderte Stahlbetonpfeiler mehr als 50 Meter tief in die Erde rammen. Inzwischen sind auf dem aktuellsten Satellitenfoto die ersten Etagen sichtbar. Der Riviera Tower soll gut 200 Meter hoch werden. 170 Wohnungen verteilen sich bis 2026 auf 50 Stockwerke.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/Pleiades

Ein paar Autominuten auf der Hauptstraße, die in einen Tunnel verlegt werden soll, gen Norden haben sich die Projektentwickler auch etwas für das besonders zahlungskräftige Publikum ausgedacht. Dort entstehen Villen und Luxusapartments, für die in den vergangenen zwölf Monaten Bäume, Häuser und Sportplätze verschwanden. Die ersten Grundstücke und Wege entlang der geplanten Luxusanwesen sind deutlich erkennbar.

Zehn Jahre nach Vertragsunterzeichnung nimmt das rund acht Milliarden Euro teure Projekt also Fahrt auf. Die Planer betonen den digitalen, nachhaltigen Charakter, smart eben. Sie setzen auf Fahrrad-, E-Bike- und E-Scooter-Sharing. Roboter liefern Pizza, damit die Menschen weniger Auto fahren. Eine Abfallanlage behandelt wiederverwendbare Materialien, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

Und lohnen soll sich das Projekt natürlich auch finanziell. Ellinikon soll jährlich rund eine Million Touristen anziehen und 1,5 Prozent zum griechischen Bruttoinlandsprodukt beisteuern. Großer Baustein dafür: ein Casinoresort. Von den Umsätzen des Glücksspielkomplexes im Süden des Geländes könnten pro Jahr etwa 200 Millionen Euro als Steuern, Konzessionsgebühren und Sozialversicherungsabgaben in die griechische Staatskasse fließen.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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