Wirtschaft von oben #273 – Italien: Die Bucht, in der die Luxusyachten der Superreichen entstehen
Auf kaum drei Kilometern befinden sich an einer einzigen Straße einige der wichtigsten Luxuswerften der Welt.
Foto: LiveEO/Google EarthBei Touristen bekannt ist die Region um die italienische Hafenstadt La Spezia vor allem für den Küstenstreifen Cinque Terre. Steil fällt die Landschaft hier ins azurblaue Meer ab, Vogelnestern gleich scheinen sich die kleinen Orte an die Felswände zu klammern. Ein beeindruckender Anblick ist das – den man am besten vom Deck einer Yacht genießen kann.
Und so schaukeln hier im Sommer mitunter Dutzende der großen Boote im Wasser, wenn die Superreichen der Welt Urlaub und Schaulaufen im Mittelmeer verbinden. Nicht wenige von ihnen dürften die Region La Spezia dabei auch von der Landseite kennen: Nirgendwo sonst auf der Welt werden so viele große Yachten gebaut wie hier, am „Golfo dei Poeti“, der seinen Namen von den urlaubenden Schriftstellern hat, die schon im 19. Jahrhundert gerne nach La Spezia kamen.
Heute ist die Bucht, die quasi auf der Rückseite des Naturparks Cinque Terre liegt, ein Zentrum der italienischen Schifffahrtsindustrie. Auf kaum drei Kilometern befinden sich an der Ostseite der Bucht einige der wichtigsten Luxuswerften der Welt.
Insgesamt werden 47,6 Prozent aller weltweit verkauften Luxusyachten mit einer Länge von mehr als 24 Metern in Italien hergestellt. Italienische Werften erwirtschafteten 2023 einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro. Davon werden knapp fünf Milliarden Euro im Export erlöst.
Die dortige Branche wiederum verteilt sich auf bloß zwei Standorte: auf die bei Pisa in der Toskana gelegenen Küstenorte Livorno und Viareggio – sowie auf La Spezia.
Bilder: LiveEO/Google Earth
Und das Geschäft boomt, wie ein Blick auf die Docks der Werft von Sanlorenzo zeigt. Viel mehr Yachten als noch 2006 säumen das Gelände, das am Schriftzug auf dem Dach des Gebäudes gut zu erkennen ist. Südlich davon beginnt die Riva-Werft, die deutlich erweitert wurde.
Weltweit größtes Einzelunternehmen der Branche ist die Familienfirma Azimut Benetti mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.
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Ebenfalls im weltweiten Spitzenfeld liegen drei börsennotierte italienische Unternehmen: die Ferretti Group mit Marken wie Riva, Pershing oder Itama (1,1 Milliarden Euro Umsatz), die Sanlorenzo-Gruppe (900 Millionen Euro) sowie die Italian Sea Group mit den Marken Perini, Tecnomar und Picchiotti (360 Millionen Euro).
Bilder: LiveEO/Google Earth
Dessen Werft in La Spezia ist gut ausgelastet, wie die Bilder aus der Luft zeigen. Während dort auf den Bildern von 2009 kein einziges Boot auf den Hafenflächen zu sehen ist, warten 2024 insgesamt 14 Yachten auf ihre Auslieferung oder sind kurz vor der Fertigstellung.
Um der sichtbar gewachsenen Nachfrage Herr zu werden, hat der Konzern in den vergangenen Jahren die Hafenfläche im Nordwesten der Anlage erweitert, ein kleines Pier musste dafür weichen. Auch die Trockendocks haben sichtbar eine Erneuerung erfahren und wurden erweitert.
Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/Airbus/Pleiades
Baglietto ist Italiens viertgrößte Werft – und für seine besonders exquisit ausgestatteten Boote bekannt. Nach einer Krise 2008 übernahm Beniamino Gavio die Werft, Patron des gleichnamigen Familienkonglomerats. Seitdem wurde viel in die Werft in La Spezia investiert, wie auch aus der Luft gut zu erkennen ist. Schritt für Schritt hat sich das Werftgelände von Baglietto seit 2012 stark verändert. Ein kleines Hafenbecken wurde zugeschüttet, neue, größere Trockendocks wurden errichtet. Die Piere sind inzwischen deutlich verlängert.
An einem aber hat sich aber nichts geändert: Um seine hohen Qualitätsstandards halten zu können, liefert die Werft nur sechs Superyachten pro Jahr aus.
Mitarbeit: Jannik Deters
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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 1. August 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.