BMW und Mercedes Die neuen Hoffnungsmodelle im Check

Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online

In dieser Woche haben die Premiumautobauer BMW und Mercedes jeweils ein neues Modell vorgestellt. Doch es waren nicht irgendwelche Autos: Für den jeweiligen Konzern sind der neue 7er und das Mercedes EQS SUV wichtige Autos. Wer hat die Weltpremiere besser inszeniert? Eine Analyse.

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Als Mercedes-Chef Ola Källenius von dem neuen EQS SUV als „winddichte Skulptur“ spricht, da bewegt er seine Hände fast wie ein Dirigent. Seine Ingenieure hätten den Luftwiderstand durch Details wie Aero-Verkleidung, Spoiler, optimierte Reifenprofile oder ein winddichtes Speichendesign reduziert. Im Ergebnis leite das Auto die Luft so sanft wie möglich um sich herum. Aha.

Auch BMW-Chef Oliver Zipse spart nicht mit Eigenlob. Der neue 7er sei ein „Meisterwerk“ mit innovativer Technologie, revolutionärem Design und hochautomatisierten Fahrfunktionen auf der Stufe Level 3. Der 7er ist das Spitzenmodell von BMW und steht in Konkurrenz zur Mercedes-S-Klasse und zum Audi A8. Der EQS ist quasi die neue, vollelektrische S-Klasse von Mercedes und deren SUV das nächste Auto aus der vollelektrischen Baureihe EQ. 

Doch welcher der beiden Konzernchefs hat nun mit seinem neuen Auto die Nase vorn? Die WirtschaftsWoche hat Punkte in fünf Kategorien vergeben.

Mercedes EQS SUV – Luxus auf höherer Ebene
Nach EQS und EQE – beides Limousinen – stellt Mercedes nun das erste SUV auf seiner neu entwickelten Elektro-Plattform vor, das EQS SUV Quelle: Mercedes-Benz
EQS SUV: Der Luxusliner soll in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen Quelle: Mercedes-Benz
 Die Designer haben sich Mühe gegeben, die Karosserie des EQS SUV nicht so aufrecht und wuchtig zu gestalten wie beim Mercedes GLS Quelle: Mercedes-Benz
Das EQS SUV wirkt gefällig in den Proportionen und ist zehn Zentimeter niedriger als sein Gegenstück aus der Verbrennerwelt, der Mercedes GLS. Quelle: Mercedes-Benz
Im Interieur des EQS SUV zeigt sich ein gewohntes Bild. Das Cockpit wurde 1:1 von der Limousine übernommen Quelle: Mercedes-Benz

Die Inszenierung: Beide Autobauer stellen ihr neues Modell in einer rund zehnminütigen, digitalen Weltpremiere vor, beide in englischer Sprache. Beide Autobauer setzen dabei unter anderem auf Filmsequenzen und Vorstandspräsentation. Bei beiden unterlegt dramatische wie sanfte Musik die Darstellung. Während BMW am Ende des Videos vor allem auf die Influencerin Jenna Ezarik setzt, konzentriert sich Mercedes eher auf den Wechsel zwischen Källenius, Vertriebsvorständin Britta Seeger und dem sogenannten „Creator“. Der erzählt abgefahrene Stories von digitaler Kunst. Im Studio habe man Datenbilder und -skulpturen geschaffen, die futuristische Perspektiven aufzeigten. Inspiriert vom EQS SUV habe man Daten aus der Entwicklungsphase des Autos genommen und digitale Bilder mithilfe von künstlicher Intelligenz in Datenkunst verwandelt. Was das mit dem Auto zu tun hat, bleibt das Geheimnis von Mercedes. Ganz so abgefahren inszeniert BMW das Auto nicht. Ezarik interviewt vielmehr den Projektleiter für das Fondentertainment und entlockt ihm immerhin ein paar nützliche Details über den neuen BMW Theatre Screen, mit dem Passagiere auf den hinteren Sitzbänken zum Beispiel Videos streamen können. 1:0 für BMW.

Unterhaltung: Beide Autos enthalten sehr viel Technik und digitale Features. Mercedes punktet mit dem MBUX Hyperscreen (Sonderausstattung). Dieser sei das „Highlight im Interieur“, so Mercedes. Die große, gewölbte Bildschirmeinheit zieht sich nahezu über die gesamte Breite des Cockpits. „Drei Bildschirme sitzen unter einem gemeinsamen Deckglas und verschmelzen optisch. Mit dem 12,3 Zoll großen OLED-Display für den Beifahrer hat dieser seinen eigenen Anzeige- und Bedienbereich“, schreibt Mercedes. Auch BMW lässt sich kommunikativ nicht lumpen: „Für ein einzigartiges Entertainment-Angebot im Fond sorgt der aus dem Dachhimmel herausfahrende BMW Theatre Screen, ein 31,3 Zoll großes Panoramadisplay im 32:9-Format mit 8K-Auflösung, der die zweite Sitzreihe in ein exklusives Privatkino auf Rädern verwandelt“, schreibt der Münchner Autobauer. In diesem Fall bekommen beide Autobauer einen Punkt: 2:1 für BMW.

BMWs Flaggschiff ist schwer gewachsen
Das BMW-Flaggschiff 7er wird seit den Neunzigerjahren turnusgemäß alle sieben Jahre neu aufgelegt. Quelle: BMW
Riesig ist auch der Kühlergrill des neue 7er, der von schlitzartigen Leuchteinheiten flankiert wird Quelle: BMW
Ebenfalls deutlich größer geworden sind die Bildschirme im Cockpit des neuen 7er Quelle: BMW
Der neue BMW 7er 2022 bietet ein Entertainment-System mit einem aus dem Dachhimmel ausfahrenden „Theatre Screen" Quelle: BMW
Die Türgriffe sind beim neuen 7er bündig mit der Blechhaut Quelle: BMW

Leistung (Reichweite): Hier vergleichen wir nur die vollelektrischen Varianten. Mercedes gibt die Reichweite im besten Fall mit bis zu 660 Kilometern nach WLTP-Modus an (abhängig von Fahrzeugausstattung, -konfiguration und Fahrweise). Der BMW i7 xDrive60 hat eine Reichweite von bis zu 625 Kilometern nach WLTP. Der Punkt geht klar an Mercedes. 2:2.

Technik: Die Ankündigung von BMW bezüglich Level 3 (Sonderausstattung) ist noch ziemlich verfrüht: Denn anders als Mercedes-Benz hat BMW noch für kein Auto eine Zulassung für hochautomatisierte Fahrfunktionen höchster Stufe. Bis zur Markteinführung im 7er dürfte es auch noch ein bis anderthalb Jahre dauern, sagte ein BMW-Sprecher. Mercedes hatte im Dezember bezüglich der S-Klasse die Genehmigung für Funktionen erhalten, die es dem Fahrer erlauben, auf Autobahnen bis zu einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern die Hände vom Steuer zu nehmen. Eine Verkaufsfreigabe erwartet Mercedes für den deutschen Markt in den nächsten Wochen. Zum Marktstart des 7er Ende November wird Level 3 bei BMW hingegen noch nicht verfügbar sein. Doch da Mercedes die Level-3-Funktionen nur für die S-Klasse und den EQS, nicht aber für das EQS SUV plant, bleibt es beim Einstand. 2:2.

Die Strategie und deren Zukunftsfähigkeit: Der EQS SUV ist das erste, vollelektrische große Luxus-SUV von Mercedes und bietet Platz für bis zu sieben Personen. Während es den Mercedes nur als reinen Stromer zu kaufen geben wird, setzt BMW weiter auf technologieoffene Technik. Will heißen: Den 7er gibt es als Verbrenner, Plug-in-Hybrid und vollelektrische Variante. Nicht BMW will über die Zukunft der Antriebsarten entscheiden – sondern der Kunde soll es tun. Dieser Punkt geht ganz klar an Mercedes. Denn BMW zeigt mit seiner Strategie keine Entscheidungsstärke. So kostet es die Münchner mehr Geld als andere, weiter in alle Technologien zu investieren. Klarer Punkt für Mercedes: 2:3 für die Stuttgarter.

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Fazit: Was die Technik und das Design der Autos angeht, ist vieles Geschmackssache. Wer als Autokonzern jedoch seine Zukunft verspielt, weil er Angst vor einer klaren Entscheidung hat, ist weniger zukunftsfähig. BMW verliert im Rennen mit Mercedes hier also nur wegen seiner zu zögerlichen Strategie.

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