Connected Car Wie Autobauer gegen Hacker kämpfen

Das automatisierte und vernetzte Auto ist die Zukunft. Doch mit Kameras, Sensoren und permanentem Informationsaustausch erhält auch eine neue Gefahr Einzug, warnt selbst das FBI. Denn absolute Sicherheit gegen Hacker und Ausfälle gibt es nicht.

Sichere und vernetzte Automobilität. Quelle: Getty Images, Montage

Die Klimaanlage schaltet wie von Geisterhand in den Tiefkühl-Modus, die Scheibenwischer in Dauerbetrieb. Ohne, dass der Fahrer den Zündschlüssel berührt hätte, erstirbt Sekunden später plötzlich der Motor des Jeep Cherokee.

Dieses Szenario erschufen im Sommer vergangenen Jahres zwei IT-Experten aus Kalifornien. Sie demonstrierten, wie einfach es ist, per Smartphone und Laptop selbst aus großer Entfernung die Kontrolle über ein fremdes Auto zu übernehmen. Die IT-Experten Charlie Miller und Chris Valasek verschafften sich Zugang zum Infotainment-System und drangen bis in die Steuerung der Motorelektronik vor.

Es war nur ein Test, der Fahrer des Autos in das Experiment eingeweiht. Doch seither ist klar: Je mehr das Auto zu einem „Mobile Device auf Rädern“ wird, desto mehr Angriffsfläche bietet es für Hacker. Sogar das FBI warnt vor den Gefahren von Hackerangriffen auf Fahrzeuge. Kunden und Hersteller müssten sich der Risiken durch die wachsende Konnektivität bewusst sein, erklärte die US-Behörde am Donnerstag öffentlich.

Schon in fünf Jahren werden in Schönwetterregionen wie Kalifornien Autos autonom fahren können, prognostizierte Johann Jungwirth, der neue Chief Digital Officer von Volkswagen, jüngst auf dem Genfer Autosalon. Die Fahrzeuge werden sich mit Hilfe von hochpräzisem Kartenmaterial und einer intensiven Kommunikation mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur selbständig ihren Weg suchen. Muss einem da angst und bange werden?

Autobauer mussten Cybersicherheit erlernen

Nein, ist Phil Eyler, Leiter der Connected Car Division bei Harman International, überzeugt. Harman war Lieferant des Infotainment-Systems an Bord eben jenes gehackten Jeep Cherokee. Das System sei zum Zeitpunkt des Hacks schon fast sieben Jahre alt gewesen. „Damals“, so Eyler, „waren die Autohersteller und auch wir für das Thema Cybersecurity noch nicht so sensibel.“ Heute, behauptet der ehemalige Siemens-Ingenieur, würde das Hacken nicht mehr so leicht gelingen.

Das glaubt auch Dirk Hoheisel, als Geschäftsführer von Bosch für den Geschäftsbereich Mobility Solutions verantwortlich. „Noch vor einigen Jahren haben wir das Thema bei unseren Kunden angesprochen und sind zum Teil auf Unverständnis gestoßen“, sagt Hoheisel. „Heute ist allen Seiten klar, dass IT-Sicherheit und Datenschutz beim Entwurf neuer Systeme elementar sind.“

Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

Dabei nur eine einzige Hürde gegen Hacker hochzuziehen, wäre zu wenig. Hoheisel vergleicht die Cybersicherheit mit dem Verteidigungssystem einer mittelalterlichen Burg. Verschiedene Hindernisse wie Wall, Graben und Mauer schützen das Innenleben. „Man kann theoretisch durch alle Hürden kommen, muss aber mit steigender Zahl der Hürden einen enormen Aufwand betreiben.“

Wie eine effektive Hacker-Abwehr funktionieren kann, zeigt etwa Daimler: Vor der Premiere der S-Klasse 2013 ließ der Autobauer das Fahrzeug drei Monate lang von Hackern angreifen. Sie blieben erfolglos. Was nicht heißt, dass jede einzelnde S-Klasse über alle Zweifel erhaben ist: Denn moderne Autos haben je nach Ausstattung unterschiedliche IT-Systeme an Bord, die immer perfekt zusammenspielen müssen. Eine unknackbare Standard-S-Klasse gibt es daher nicht.

Manchmal ergeben sich potenzielle Schwachstellen auch erst, wenn das Auto in die Jahre kommt: Erhält etwa ein Steuergerät ein Update, besteht die Möglichkeit, dass die neue Software nicht mit der alten eines anderen Steuergeräts harmoniert – eine Sicherheitslücke tut sich auf. Mit der Komplexität steigt die Zahl der potenziellen Fehlerquellen.

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