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Neuer VW-AufsichtsratschefWer ist Hans Dieter Pötsch?

Die schillernden Ex-VW-Größen Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch sind auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch wer ist der neue Chefkontrolleur, der die Abgas-Affäre aufklären soll? Ein Annäherungsversuch.Sebastian Schaal 09.10.2015 - 06:00 Uhr

Hans Dieter Pötsch: VW-Chefkontrolleur mit bewegter Vergangenheit.

Foto: dpa

Wenn andere Vorstandsmitglieder bei Messen oder Pressekonferenzen ins Rampenlicht traten, hielt sich Hans Dieter Pötsch meist lieber im Hintergrund. Als „Herr der Zahlen“ agierte Volkswagens erfahrener Finanzchef bisher eher hinter den Kulissen. Sein Einfluss im und sein Überblick über den riesigen Weltkonzern waren dabei aber stets beträchtlich.

Doch mit dem Wirken im Hintergrund dürfte es spätestens jetzt vorbei sein. Als neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns muss der 64-jährige Österreicher den Abgas-Skandal aufklären und das Unternehmen zusammen mit dem neuen Vorstandschef Matthias Müller aus der Krise führen. Während sich in vielen deutschen Aktiengesellschaften der Aufsichtsrat im Hintergrund arbeiten und kontrollieren kann, wird sich Pötsch bei VW kaum der Öffentlichkeit entziehen können.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick
Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.
VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.
Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.
Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.
Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.
Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.
Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.
Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.
Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.
Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.
Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Wie schwer das wird, lässt sich auch aus den Worten von Wolfgang Porsche nur erahnen. „Wir danken Herrn Pötsch, dass er sich in schwierigen Zeiten bereiterklärt, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen“, sagt Porsche laut einer VW-Mitteilung. Pötsch selbst dankte schlicht für das Vertrauen. „Ich werde alles tun, damit die Vorgänge restlos aufgeklärt werden“, wird der neue Chefkontrolleur zitiert. „Ich will und ich werde meinen Beitrag leisten, damit das Vertrauen von Kunden, Öffentlichkeit, Anlegern und Geschäftspartnern in Volkswagen wieder wachsen kann.“

„Der Wechsel ist kritisch zu sehen“

Doch die Kritik an der Wahl Pötschs ist groß – von Branchenexperten, aber auch Vermögensverwaltern. „Kein einziges VW-Aufsichtsratsmitglied ist unabhängig – irgendwann kann so etwas zurückschlagen. Der Wechsel von Hans Dieter Pötsch in der Aufsichtsrat passt ebenso nicht in eine gute Corporate-Governance-Landschaft“, sagte Henning Gebhart, Aktienchef der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltung, dem „Handelsblatt“. „Selbst wenn er sich in den letzten zwölf Jahren als Finanzvorstand große Verdienste erworben hat, ist ein Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat kritisch zu sehen.“

Vorstand Technische Entwicklung der Audi AG: Stefan Knirsch

Keine neun Monate im Amt - und schon wieder weg. Knirsch legt seine Funktion als Entwicklungsvorstand mit sofortiger Wirkung nieder, teilte Audi am 26. September mit. Knirsch hatte den Posten am 1. Januar 2016 von Ulrich Hackenberg übernommen. Damit ereilt Knirsch dasselbe Schicksal wie seinen Vorgänger. Auch Hackenberg musste als Konsequenz der Ermittlungen rund um die Diesel-Affäre gehen. Knirsch kam 1990 als Entwickler zur Motorenkonstruktion von Audi. 1996 wechselte er als Projektleiter der Motorenentwicklung zur Porsche AG, wo er ab 2001 als Leiter der Grundmotorenentwicklung arbeitete. Nach seiner Promotion im Jahr 2006 am Institut für Werkstofftechnik der Universität Magdeburg übernahm er 2007 die Leitung der After-Sales-Funktion im Vertrieb der Porsche AG. 2010 wechselte er dort in die Leitung des Bereichs Unternehmensqualität. Anschließend ging Knirsch als Vorsitzender der Geschäftsführung von Pierburg in den Rheinmetall-Konzern. Im Mai 2013 kehrte er zu Audi zurück und übernahm die Leitung der Aggregate-Entwicklung.

Foto: Audi

Der neue Leiter Region Nord-Amerika: Hinrich Woebcken

Der 55-jährige gleichzeitig Verwaltungsratschef von Volkswagens US-Geschäft und damit de facto der Vorgesetzte von VW-US-Chef Michael Horn. Hinrich war zuvor bei BMW unter anderem für den Einkauf zuständig und ein Manager der zweiten Reihe. Sein ehemaliger Vorstand Herbert Diess, nun VW-Marken-Chef, dürfte bei dem Wechsel seine Finger im Spiel gehabt haben.

Foto: dpa

Neuer Generalbevollmächtigter für die Aggregate-Entwicklung: Ulrich Eichhorn

Volkswagen hat einen neuen Koordinator für die Aggregate-Entwicklung auf Konzernebene. Der WirtschaftsWoche bestätigte Ulrich Eichhorn, dass er im Frühjahr zu VW zurückkehrt. Der 54-Jährige kommt vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), wo er die Verantwortung für die Bereiche Technik und Umwelt inne hatte. Zuvor war Eichhorn neun Jahre lang Entwicklungsvorstand bei der VW-Tochter Bentley. Eichhorn wird nicht Mitglied des Vorstands, sondern berichtet als Generalbevollmächtigter direkt an VW-Chef Matthias Müller – ähnlich wie der neue Chef-Stratege Thomas Sedran.

Foto: Presse

Der neue Generalbevollmächtigte für Außen- und Regierungsbeziehungen: Thomas Steg

Es ist kein Wechsel der Funktion, sondern der Zuordnung: Thomas Steg ist seit 2012 Generalbevollmächtigter des Volkswagen-Konzerns für Außen- und Regierungsbeziehungen. Bislang war dieser Bereich Bestandteil der Konzernkommunikation. Jetzt ist das Team um Steg als eigenständiger Bereich in das Ressort von VW-Chef Matthias Müller zugeordnet, an den Steg persönlich berichtet. Der diplomierte Sozialwissenschaftler wird zusätzlich das Thema Nachhaltigkeit verantworten. „Mit der Bündelung der Konzernzuständigkeiten und der neuen Zuordnung des Themas Nachhaltigkeit trägt Volkswagen dessen wachsendem Gewicht Rechnung“, teilte der Konzern mit. Steg begann seine berufliche Laufbahn 1986 als Redakteur der Braunschweiger Zeitung. Danach war er Pressesprecher zunächst des DGB Niedersachsen/Bremen, ab 1991 des Niedersächsischen Sozialministeriums und ab 1995 der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen. 1998 übernahm er im Bundeskanzleramt die stellvertretende Leitung des Büros von Bundeskanzler Gerhard Schröder, ab 2002 war er stellvertretender Regierungssprecher, ab 2009 selbstständiger Kommunikationsberater.

Foto: Presse

Der neue VW-Entwicklungsvorstand: Frank Welsch

Kurz nach dem Bekanntwerden von Dieselgate wurde der Entwicklungsvorstand der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, beurlaubt. Bei der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember ernannte das Kontrollgremium Frank Welsch zu seinem Nachfolger. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur ist seit 1994 im Konzern. Über verschiedene Stationen in der Karosserie-Entwicklung, als Entwicklungsleiter in Shanghai und Leiter der Entwicklung Karosserie, Ausstattung und Sicherheit der Marke Volkswagen arbeitete er sich zum Entwicklungsvorstand von Skoda hoch. Diesen Posten hatte Welsch seit 2012 inne.

Sein Vorgänger Neußer verlässt den Konzern allerdings nicht, sondern steht laut VW-Mitteilung "dem Unternehmen für eine andere Aufgabe zur Verfügung".

Foto: Volkswagen

Der neue VW-Beschaffungsvorstand: Ralf Brandstätter

Ralf Brandstätter wird Vorstand für Beschaffung der Marke Volkswagen. Der 47-Jährige folgt in seiner neuen Funktion auf Francisco Javier Garcia Sanz, der die Aufgabe als Markenvorstand in Personalunion zusätzlich zu seiner Funktion als Konzernvorstand für den Geschäftsbereich Beschaffung wahrgenommen hatte. In Zukunft wird Garcia Sanz zusätzlich zu seinen Aufgaben als Konzernvorstand Beschaffung die Aufarbeitung der Diesel-Thematik betreuen. Brandstätter kam 1993 in den Konzern. Seit dem ist der Wirtschaftsingenieur in verschiedensten Posten für die Beschaffung verantwortlich gewesen, zuletzt als Leiter Beschaffung neue Produktanläufe. Zwischenzeitlich war er auch Mitglied des Seat-Vorstands. Seit Oktober 2015 ist Brandstätter auch Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. Brandstätter berichtet wie der ebenfalls neu berufene Entwicklungschef Frank Welsch direkt an VW-Markenvorstand Herbert Diess.

Foto: Volkswagen

Neuer VW-Personalvorstand: Karlheinz Blessing

Mitten in der größten Krise der Konzerngeschichte bekommt Volkswagen mit dem Stahlmanager Karlheinz Blessing einen neuen Personalvorstand. Der Aufsichtsrat stimmte am 9. Dezember bei seiner Sitzung dem Vorschlag der Arbeitnehmerseite für den vakanten Spitzenposten bei Europas größtem Autobauer zu. Blessing folgt damit auf den bisherigen Personalvorstand Horst Neumann, dieser war Ende November in den Ruhestand gegangen. Der Ernennung war eine lange Suche nach einem geeigneten Kandidaten vorausgegangen.

Blessing (58) ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender der Stahlherstellers Dillinger Hütte. Zuvor war er Büroleiter des damaligen IG Metall-Vorsitzenden Franz Steinkühler und Anfang der 1990er Jahre Bundesgeschäftsführer der SPD. 1993 ersetzte er als Arbeitsdirektor bei der Dillinger Hütte Peter Hartz, der damals zu VW nach Wolfsburg ging. Blessing sei gut in der IG Metall vernetzt, habe aber auch unternehmerische Erfahrung, hieß es in den Konzernkreisen.

Foto: dpa

Der neue Audi-Aufsichtsratschef: Matthias Müller

VW-Chef Matthias Müller steht seit Anfang Dezember auch an der Spitze des Audi-Kontrollgremiums. Damit folgt er auf Martin Winterkorn, der den Posten – mit einigen Wochen Abstand zu einem Rücktritt von der VW-Spitze – frei gemacht hatte. Müllers Stellvertreter bleibt der ehemalige IG-Metall-Chef und von Mai bis Oktober kommissarischer VW-Aufsichtsratsboss Berthold Huber. Nach dem Rückzug von Ferdinand Piëch und seiner Frau Ursula ziehen dafür andere Mitglieder der Eigentümerfamilie in den Audi-Aufsichtsrat ein: Piëchs Nichte Julia Kuhn-Piëch, bereits Kontrolleurin bei der Konzerntochter MAN, sowie sein Neffe Josef Ahorner, der lange Jahre im Gesellschafterausschuss der Salzburger Porsche Holding saß.

Foto: dpa

Leiter Digitalisierungsstrategie: Johann Jungwirth

Johann Jungwirth ist mit Wirkung zum 1. November 2015 zum Leiter des neugeschaffenen Fachbereichs Digitalisierungsstrategie von Volkswagen berufen worden, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Der 42-Jährige kommt vom amerikanischen IT-Unternehmen Apple und berichtet direkt an den Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Matthias Müller. Mit dem neuen Ressort und der Berufung Jungwirths verstärkt sich Volkswagen nachhaltig auf dem für die Automobilindustrie wichtigen Zukunftsfeld Digitalisierung. Zuvor war Jungwirth bei Apple in der Entwicklung der Mac-Computer tätig. In der Autobranche ist er aber auch nicht unerfahren: 2009 wurde er zum Leiter des Mercedes-Benz Research & Development North America ernannt.

Foto: Volkswagen

Der ehemalige Designchef: Walter de Silva

Volkswagen verliert mitten in der Krise seinen langjährigen Chefdesigner. Walter Maria de Silva (64) geht Ende November in den Ruhestand, wie der VW-Konzern am Freitag mitteilte. De Silva bleibt dem Konzern aber in beratender Funktion verbunden. Zuvor hatte das Fachmagazin "Auto Motor und Sport" berichtet, der 64-Jährige habe dies intern mitgeteilt. Gründe für den Rückzug wurden nicht genannt. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass de Silva in den Dieselskandal verwickelt ist, der Volkswagen in die tiefste Krise in seiner Geschichte gestürzt hat. In Branchenkreisen hieß es, de Silva trage den von VW-Chef Matthias Müller verordneten Sparkurs nicht mit. Das "Handelsblatt" berichtete, der Rotstift solle auch im Designbereich angesetzt werden. Volkswagen äußerte sich nicht. Der gebürtige Italiener de Silva ist seit 2007 Design-Chef des Wolfsburger Konzerns und hat die Modellentwicklung maßgeblich beeinflusst.

Foto: dpa

Der neue Chef-Stratege: Thomas Sedran

Thomas Sedran hat zum 1. November 2015 den Posten als Leiter der Konzernstrategie von Volkswagen übernommen. Er berichtet direkt an VW-Chef Matthias Müller. Der 51-Jährige machte zunächst als Unternehmensberater Karriere und leitete unter anderem die Automobil-Sparte von Roland Berger und AlixPartners. Bundesweite Bekanntheit erzielte Sedran in seiner Zeit als Interimschef bei Opel: 2012 übernahm er wenige Monate nach dem Posten als Strategievorstand übergangsweise auch den Vorstandsvorsitz übernahm. Ab Juli 2013 trug er als President und Managing Director die Verantwortung für die Marken Chevrolet und Cadillac in Europa, im Sommer 2015 war er zur Strategieberatung Accenture gewechselt.

Foto: dpa

Neuer VW-Vorstand für Integrität und Recht: Christine Hohmann-Dennhardt

Die ehemalige Bundesverfassungsrichterin ist seit Februar 2011 im Vorstand des Daimler-Konzerns für die Themen Integrität und Recht zuständig. Sie wechselt nun zum 1. Januar 2016 in den Volkswagen-Konzern und übernimmt dort die identische Position. Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, hat um den Wechsel möglich zu machen seinen Kollegen Manfred Bischoff, Aufsichtsratschef der Daimler AG, gebeten, Hohmann-Dennhardt vorzeitig aus ihrem Vertrag zu entlassen. Der hätte eigentlich noch bis Ende Februar 2017 gegolten.

Foto: dpa

Der neue VW-Chef: Matthias Müller

Der Porsche-Chef trat am 25.9.2015 die Nachfolge von Martin Winterkorn an der Spitze des Volkswagen-Konzerns an. Müller, 62, lenkte seit 2010 als Chef der Sportwagenschmiede die Geschicke in Zuffenhausen, 2015 wurde er in den Vorstand der Volkswagen AG berufen. Müller startete seine Karriere nach dem Studium bei Audi in Ingolstadt, war unter anderem Leiter des Projektmanagements für den Audi A3, sowie Leiter des Produktmanagements im Volkswagen Konzern und der Marke Volkswagen.

Foto: dpa

Der neue VW-Markenvorstand: Jürgen Stackmann

Klinglers Funktion als Markenvorstand übernimmt  Jürgen Stackmann. Der 54-Jährige war bisher Chef der spanischen Tochter SEAT.  Stackmann begann seine Laufbahn 1989 bei Ford, wechselte 2010 schließlich zu Volkswagen, zunächst als Vorstand für Verkauf, Marketing und Service bei Skoda. 2012 wurde er Marketing-Chef bei Volkswagen. Im Mai 2013 wechselte er auf den Chefposten bei SEAT und reduzierte die Verluste der Marke spürbar.

Foto: dpa

Der neue Seat-Chef: Luca de Meo

Der gebürtige Italiener wird Chef der spanischen Tochter und folgt damit auf Jürgen Stackmann. De Meo, 48, war unter anderem bei Renault und Toyota tätig, bevor er 2002 zu Fiat wechselte. Den italienischen Autobauer verließ er 2009 und stieg bei Volkswagen als Marketing-Vorstand für Volkswagen ein. 2012 übernahm er der Premiummarke Audi die Position des Vorstands für Vertrieb und Marketing.

Foto: dpa

Der neue Audi-Marketing-Vorstand: Dietmar Voggenreiter

Der 46-Jährige Audi-China-Chef beerbt  ab 1. November Luca de Meo auf dem Posten des Vorstands für Vertrieb und Marketing in der Audi-Zentrale in Ingolstadt. Voggenreiter leitete seit 2007 das China-Geschäft der VW-Tochter, seit sechs Jahren als Geschäftsführer von Audi China. Voggenreiters Nachfolger in China  ist Joachim Wedler, bisher der Leiter Modellreihen.

Foto: CLARK/obs

Der neue Porsche Chef: Oliver Blume

Der 47-Jährige Porsche-Produktionsvorstand rückt nun auf den Chefsessel und beerbt damit Matthias Müller als Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. Blume kam 1994 zu Audi. Zwei Jahre später war er Planer für Karosseriebau und Lackiererei. 2001 wurde er Vorstandsassistent für Produktion. Fünf Jahre lang arbeitete Blume in den Produktionsplanung von SEAT und bei der Marke Volkswagen. 2013 wurde er in den Vorstand der Porsche AG berufen und übernahm dort das Ressort Produktion und Logistik.

Foto: REUTERS

Der neue VW-Finanzvorstand: Frank Witter

Witter, 56,  ersetzt Hans Dieter Pötsch. Der 64-Jährige wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats der Volkswagen AG. Bisher war Witter Vorstandsvorsitzender der Leasing- und Banktochter Volkswagen Financial Services AG. Witter ist Wirtschaftswissenschaftler und gehört dem Volkswagen Konzern seit 1992 an. Witter war vor allem in den USA und Kanada mit unterschiedlichen hochrangingen Managerposten betraut, unter anderem verantwortete Witter als Generalbevollmächtigter in der Konzernleitung die Region Nordamerika. 2008 wechselte er an die Spitze der Financial Services in Braunschweig.

Foto: dpa

Ex-Skoda-Chef: Winfried Vahland

Vahland, 58, bisher Chef der Marke Skoda, sollte ursprünglich zum 1. November die neu geschaffene Position des Leiters der Region Nordamerika übernehmen. Doch den neuen Posten hat Vahland nicht mehr angetreten und stattdessen den Konzern verlassen.

Foto: CLARK/obs

Der neue Skoda-Chef: Bernhard Maier

Maier, 55, rückt auf den Chefsessel der tschechischen Tochter Skoda. Bisher verantwortete er das Ressort Vertrieb und Marketing im Vorstand der Porsche AG in Zuffenhausen.  Maier war von 1988 bis 2001 bei BMW tätig, bevor er 2001 zu Porsche wechselte. 2010 wurde er dort zum Vorstand ernannt.

Foto: dpa

Der neue Marketing-Vorstand bei Porsche: Detlev von Platen

Die Lücke, die Maier hinterlässt, füllt ab 1. November Detlev von Platen. Der 51-jährige Manager wechselt aus den USA nach Zuffenhausen, wo er gut sieben Jahre lang die Geschicke von Porsche Cars North America lenkte. Von Platen arbeitet seit 1996 für Porsche, zuvor war der studierte Volks- und Betriebswirt bei BMW.

Foto: dpa

Noch deutlicher wurde Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer im „Deutschlandfunk“. „Den Finanzchef, der zwölf Jahre lang alle Entscheidungen mitgetragen hat, jetzt zum Oberaufseher zu machen über Gerichtsurteile, die Aktionäre links liegen zu lassen, keine Hauptversammlung zu machen, ist nach meiner Einschätzung ein Zeichen dafür, dass man es mit der Aufklärung wirklich nicht so ernst nimmt, wie man immer behauptet“, so der Leiter des CAR-Instituts. „Es gibt viele Fragen hinter Pötsch, auf der einen Seite durch seine Vergangenheit und auf der anderen Seite dadurch, dass er nach meiner Einschätzung es versäumt hat, seine Aktionäre auf diese großen Risiken hinzuweisen. Das heißt, auch hier stehen Aktionärsklagen ins Haus.“

Doch wer ist Hans Dieter Pötsch – der Mann, der jahrelang im Schatten von Martin Winterkorn die Finanzgeschäfte leitete und jetzt den Abgas-Skandal aufklären soll?

Seit 2003 ist der stets korrekt gekleidete Wirtschaftsingenieur Vorstandsmitglied in Wolfsburg, zunächst ohne festes Ressort. Doch bereits wenige Monate nach seinem Antritt fiel sein Talent für Zahlen auf und er übernahm die Finanzsparte – keine schlechte Entscheidung, wie sich später zeigen sollte.

Investoren und Analysten schätzen seine konservative und solide Liquiditätssteuerung. Trotz teuren Übernahmen, etwa von Porsche und MAN, konnte Pötsch Barreserven in Höhe von mehreren Milliarden Euro anhäufen. Zudem kann sich Volkswagen bei den Banken zu extrem guten Konditionen refinanzieren.

Dabei ist Pötsch kein Freund des Risikos. Das äußerste Wagnis, das der bisherige Finanzchef einzugehen bereit ist, „liegt bei null“, sagte er einmal. Offene Rechnungen oder gar Unsicherheiten schätzt er wie Bauchweh. Die Ungewissheiten, die bei der Aufklärung der Abgas-Affäre auf den Konzern zukommen, dürften Pötsch bereits heute Magenkrämpfe bereiten.

2006 musste Pötsch beinahe gehen

Als sein Meisterstück gilt zweifelsohne die Abwicklung der Übernahme von Porsche durch den Wolfsburger Konzern. Zur Erinnerung: Über komplizierte Aktiengeschäfte und Optionen hatte der viel kleinere Sportwagenbauer aus Stuttgart zunächst versucht, seinerseits Volkswagen zu übernehmen. Das kühne Vorhaben des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking und seines Finanzjongleurs Holger Härter scheitere – und VW griff selbst zu.

Die komplexen Transaktionen zu entwirren und die Übernahme diskret im Hintergrund abzuwickeln brachte Pötsch großes Vertrauen bei den Mehrheitseigentümern der Familien Porsche und Piëch ein. Dass er den Kauf so geschickt abwickelte, dass trotz der Milliardenströme kaum Steuern anfielen, hat den Familienoberhäuptern in Stuttgart und Salzburg auch gefallen.

Das Vertrauen in den zurückhaltenden Finanzexperten war sogar so groß, dass er bei dem angeblichen Rückzug des Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch im Jahr 2013, der dann keiner war, schnell als Kandidat für den Vorstandsvorsitz oder gar die direkte Nachfolge Piëchs im Aufsichtsrat gehandelt wurde.

Doch nicht immer lief es für Pötsch in Wolfsburg so positiv. Bereits 2006 stand er kurz vor der Abberufung aus dem VW-Vorstand: Pötsch wurde von dem damaligen VW-Boss Bernd Pischetsrieder nach Wolfsburg geholt. Die beiden Manager kannten sich aus BMW-Zeiten in den 1980er Jahren, wo Pötsch zwischenzeitlich das Konzerncontrolling leitete. Als Pischetsrieder bei Piëch in Ungnade fiel, wurde er vom Hof gejagt – und seine Vertrauten beinahe mit ihm. Am Ende durfte Pötsch auf Bewährung bleiben – und wurde schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Führungsmannschaft, zu Martin Winterkorns rechter Hand.

Der Job als Mann im Hintergrund scheint Pötsch zu liegen, denn seine Erfolge in Wolfsburg sind unbestreitbar – im Gegensatz zu seinem Wirken in Baden-Württemberg, wo er zuvor mit durchwachsenem Erfolg mehrere Unternehmen geleitet hatte. Er sei ein idealer zweiter Mann, aber eben kein Unternehmenschef, berichteten frühere Weggefährten aus der Zeit in Baden-Württemberg.

Von 1991 bis 1995 leitete der Österreicher die Geschäfte des Industriemaschinenherstellers Traub AG aus Reichenbach an der Fils. Ein Jahr nach Pötschs Abgang musste das Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Aktionäre warfen dem Management wiederholt vor, Bilanzen geschönt zu haben – auch als Pötsch noch die Verantwortung hatte. „Trotz intensiver Bilanzkosmetik sieht Traub seit langem alt aus“, hieß es etwa bei einer Hauptversammlung. Von Pötschs Management angestoßene Übernahmen des Werkzeugmaschinenbauers Heckert Chemnitzer und der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hatten Traub in eine finanzielle Schieflage gebracht, Bankschulden von über 260 Millionen Mark lasteten auf dem Unternehmen.

Die Traub-Insolvenz beobachtete Pötsch aus dem rund 50 Kilometer entfernten Bietigheim-Bissingen, wo er inzwischen Vorstandsvorsitzender des Anlagenbauers und Autozulieferers Dürr war. Auch hier kaufte er kräftig zu – etwa Alstom Automation, den Darmstädter Messtechnik-Konzern Carl Schenck oder Premier Manufacturing aus den USA. Letztgenanntes Unternehmen hat Dürr 2005 wieder verkauft.

Premier und Schenck waren für sich genommen jeweils größer als Dürr. Mit den Übernahmen – die Begleiter aus dieser Zeit „zum Teil nicht zukunftsfähig“ nennen – wuchs die Dürr-Gruppe von rund 3.000 auf über 12.000 Mitarbeiter. Doch an anderer Stelle blieb das Wachstum aus: Der Aktienkurs der Dürr AG sank unter der Führung von Pötsch von umgerechnet rund 17 Euro auf unter 9 Euro – erst mit einem radikalen Kurswechsel nach dem Weggang Pötschs und auch seines Nachfolgers Stephan Rojahn konnte Dürr wieder zulegen.

Die geschäftlichen Entwicklungen von Traub und Dürr sind natürlich nicht alleine Pötsch anzulasten. Dennoch lief, wenn er eine tragende Rolle innehatte, nicht alles rund. Bleibt für die 600.000 VW-Angestellten und unzähligen Kleinaktionäre zu hoffen, dass es dieses Mal mit Hans Dieter Pötsch an der Spitze besser läuft.

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