Tüv und die entzogene Zulassung Die wichtigsten Fakten zur Auto-Prüfung

Nach der Aussetzung der Zulassung für Hauptuntersuchungen bei Autos gibt es viele offene Fragen. Dürfen die bekannten Stellen weiter prüfen? Und was passiert mit bereits erteilten Plaketten? Die wichtigsten Antworten.

Das kosten die gängigen TÜV-Mängel
Jedes vierte Auto fällt in Deutschland wegen erheblicher Mängel beim TÜV durch. „Je älter die Fahrzeuge, desto erheblicher die Mängel“, sagte Klaus Brüggemann, Präsidiumsmitglied beim Verband der Technischen Überwachungsvereine (Tüv). Meistens seien Beleuchtung, Fahrwerk und Abgasanlage betroffen. „Insgesamt ist der Zustand der Fahrzeuge zufriedenstellend. Ich glaube, dass wir in Europa eindeutig führend sind.“ Drei Viertel aller Autos kommen demnach mit keinen oder nur geringen Mängeln zur Hauptuntersuchung und erhalten die Plakette sofort. Bei erheblichen Mängeln muss der Wagen erst in die Werkstatt. Was das kosten kann, verraten die Bilder. Quelle: obs
TÜV-Hauptuntersuchung Quelle: TÜV
Platz 9: Endschalldämpfer Quelle: AP
Bremsenüberprüfung Quelle: TÜV
TÜV-Untersuchung Quelle: TÜV
TÜV-Überprüfung Quelle: TÜV
Untersuchung der Radaufhängung Quelle: dpa/dpaweb
Frontscheibe Quelle: Fotolia
TÜV-Prüfhalle Quelle: TÜV
TÜV-Plakette Quelle: TÜV
Abgasuntersuchung Quelle: dapd

Kurz vor dem neuen Jahr fragen sich Millionen von Autofahrern, wer künftig ihre Hauptuntersuchung macht. Weil sie technische Vorgaben nicht umgesetzt haben sollen, ist für Prüforganisationen die Zulassung ausgesetzt worden. Anfang des Jahres wollen Bund, Länder und Prüfdienste eine Lösung finden. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Worum geht es?

Damit Prüforganisationen wie die Tüv-Gesellschaften oder Dekra eine Kfz-Hauptuntersuchung machen können, brauchen sie eine Akkreditierung, also eine Zulassung. Diese erteilt die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Die Zulassung wurde nun ausgesetzt. Die Akkreditierung ist eine der Voraussetzungen, um von den zuständigen Landesbehörden als Prüforganisation anerkannt zu werden.

Die Mängelzwerge und Mängelriesen des TÜV-Reports
Gewinner bei den zwei- bis dreijährigen: Mercedes B-Klasse (Typ W246)Bei nur 2,8 Prozent der Mercedes B-Klasse stellten die Prüfer erhebliche Mängel fest. Einer von 35 Fahrern musste also nochmal zur Nachuntersuchung antanzen. Mercedes schneidet in der Gruppe der zwei- bis dreijährigen Gebrauchtwagen sehr gut ab: Sechs der zehn besten Wagen kommen von dem Autobauer aus Stuttgart. Der TÜV-Report betrachtet neun Millionen Hauptuntersuchungen bei den 233 beliebtesten Automodellen in Deutschland. Quelle: Daimler
Verlierer bei den zwei- bis dreijährigen: Chevrolet Spark14,6 Prozent des Modells flogen durch die erste Hauptuntersuchung. Obwohl der Kleinwagen billig zu haben ist, können ihn spätere Reparaturen teuer machen. Insgesamt fiel beim TÜV-Report jedes vierte bis fünfte Gefährt durch. Am häufigsten stellten die Prüfer Mängel an der Beleuchtung fest. „Die hohe Zahl an Beleuchtungsmängeln ist sehr erstaunlich, da sie einfach erkannt werden können“, kommentiert Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands der TÜV (VdTÜV). Quelle: Chevrolet
Gewinner bei den vier- bis fünfjährigen: Audi A1Der Kleine von Audi kommt bei den TÜV-Prüfungen ganz groß raus: Nur 5,7 Prozent aller Audi A1 verwehrte der TÜV die Prüfplakette. Danach folgen der BMW Z4 (6,0 Prozent) und der Audi Q5 (6,1). Quelle: Audi
Verlierer bei den vier- bis fünfjährigen: Dacia LoganBeim TÜV-Report hat der Mängelriese von Dacia eine Durchfallquote von 28,1 Prozent. In der Studie fielen vor allem preisgünstige Wagen durch. Das kann an der Qualität der Fahrzeuge liegen, die Wartung spielt aber auch eine Rolle. Wenig verwundernd: Je älter ein Fahrzeug, desto häufiger fällt es durch die TÜV-Prüfung. Bei den zwei- bis dreijährigen sind es im Schnitt nur 7,8 Prozent Durchfaller, bei den zehn- bis elfjährigen fast ein Drittel. Quelle: Dacia
Gewinner bei den sechs- bis siebenjährigen: Porsche 911 (Typ 997)Bei den sechs- bis siebenjährigen Autos liegt der Porsche 911 ganz vorne: Nur 8,9 Prozent fielen durch die Hauptuntersuchung. Besonders Toyota ist in den höheren Altersklassen oft auf den vorderen Plätzen. Beim TÜV-Report war der japanische Autobauer die erfolgreichste Marke. Bei den sieben- bis achtjährigen Wagen waren gleich fünf Toyotas unter den Top Ten. Quelle: Porsche
Verlierer bei den sechs bis siebenjährigen: Chevrolet MatizBei mehr als jedem dritten Chevrolet Matiz verweigerte der TÜV die Plakette. Die Prüfstelle rät zu regelmäßigen Inspektionen bei älteren Autos. „Der TÜV-Report zeigt, dass es gerade bei älteren Pkw ein erhebliches Gefahrenpotential durch sicherheitsrelevante Mängel gibt“, erklärt Klaus Brüggemann. Quelle: Chevrolet
Gewinner bei den acht- bis neunjährigen: Porsche 911 (Typ 997)Nicht nur bei den sechs- bis siebenjährigen Wagen ist der Porsche 911 spitze, sondern auch bei den acht- bis neunjährigen. Mit einer Durchfallquote von 11,7 Prozent liegt der Sportwagen vor dem Toyota Prius (13,1 Prozent) und Mazda MX-5 (15,1). Im Schnitt fällt bei den acht- bis neunjährigen jedes vierte Gefährt durch die TÜV-Hauptuntersuchung. Quelle: Porsche
Verlierer bei den acht- bis neunjährigen: Renault Kangoo (Typ K)Bei 35,1 Prozent der Kangoos verwehrten die Prüfer des TÜV die Plakette. Der TÜV prüft zunehmend ältere Autos: Das Durchschnittsalter eines Gebrauchtwagen liegt bei neun Jahren. Gleichzeitig sank die mittlere Laufleistung von 107.000 Kilometern in 2015 auf 102.000 Kilometer. Die Halter nutzen ihre Autos scheinbar längere Zeit und fahren dafür weniger. Quelle: Renault
Gewinner bei den zehn- bis elfjährigen: Porsche 911 (Typ 996)Bei diesem schnittigen Gefährt ist es kein Wunder, dass die Porschefahrer besonders auf ihren Wagen Acht geben: Nur 13,9 Prozent Durchfallquote, selbst im hohen Alter. Damit liegt der Sportwagen aus Zuffenhausen mit Abstand vor dem Toyota Corolla Verso (17,5 Prozent) und dem Toyota RAV4 (18,7). „Insgesamt hat sich die Qualität der Fahrzeuge in den letzten Jahren verbessert“, erläutert Klaus Brüggemann vom VdTÜV. Rost sei beispielsweise fast kein Problem mehr. Quelle: Porsche
Verlierer bei den zehn- bis elfjährigen: Fiat Stilo (Typ 192)44 Prozent aller Fiat Stilos machen bei der TÜV-Prüfung schlapp. Damit liegt der einstige Golf-Konkurrent aus Italien knapp vor der ersten Generation der Mercedes M-Klasse (43,7 Prozent), die in früheren Jahren bereits den unrühmlichen letzten Platz belegt hatte. Es folgt der Ford Galaxy mit einer Fehlerquote von 41,8 Prozent. Quelle: Fiat

Warum wurde die Zulassung ausgesetzt?

Die Prüfgesellschaften sollen eine technische Anforderung nicht erfüllt haben. Dabei geht es um eine genaue Dokumentation darüber, welche Messgeräte eingesetzt wurden. Konkret laut DAkkS: um die „messtechnische Rückführung“ von Prüfmitteln. Einzelheiten regelt die Vorschrift ISO 17020, deren Anwendung nach Angaben des Verkehrsministeriums international ab 2023 vorgesehen ist. Eine entsprechende EU-Norm wurde 2012 verabschiedet, es galt laut DAkkS eine Übergangfrist bis März 2015. Hintergrund ist laut Tüv-Verband, dass das deutsche Verfahren der Eichung von Messgeräten bei der Hauptuntersuchung nach EU-Bestimmungen durch andere Dokumentationspflichten ersetzt werden muss.

Was ist eine Hauptuntersuchung?

Alle Fahrzeuge mit einem amtlichen Kennzeichen in Deutschland müssen in regelmäßigen Zeitabständen überprüft werden, ob sie noch verkehrssicher sind und die Umweltstandards einhalten. Pkw müssen in der Regel alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Bei bestandener Prüfung erhalten die Autofahrer eine Plakette, die am hinteren Kennzeichen des Fahrzeugs befestigt wird. Laut Tüv-Report gibt es bei der Hauptuntersuchung bei fast zwei Drittel aller Pkw in Deutschland keine Beanstandungen. Jedes vierte bis fünfte Fahrzeug muss wegen erheblicher Mängel ein zweites Mal vorgeführt werden. Die Hauptuntersuchung - im Volksmund auch „Tüv“ genannt - wird von staatlich anerkannten Prüforganisationen wie zum Beispiel den Tüv-Gesellschaften, aber auch Dekra vorgenommen.

Was macht die Deutsche Akkreditierungsstelle?

Kurz gesagt: Sie prüft Prüfer. Die Akkreditierungsstelle vergibt Akkreditierungen, also Zulassungen, von Laboratorien, Inspektions- und Zertifizierungsstellen. Mit einer Akkreditierung bestätigt die DAkkS, dass diese Dienste ihre Aufgaben fachkundig und nach geltenden Anforderungen erfüllen. Die Akkreditierungsstelle untersteht der Aufsicht des Bundes.

Welchen Stellenwert haben die Hauptuntersuchungen für die Prüfdienste?

In Arbeit
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Immer noch einen großen. Der Fahrzeugmarkt in Deutschland allerdings gilt als gesättigt, es gibt kein großes Wachstum mehr - entsprechend ist es beim Fahrzeug-Prüfgeschäft. Deswegen haben die Prüforganisationen ihr Produktportfolio in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, ebenso wie das internationale Geschäft. So werden neben Fahrzeugen auch Industrieanlagen, Satelliten oder Medizin- und Umwelttechnik geprüft. Der Tüv Nord etwa macht im Industriegeschäft längst mehr Umsatz als im klassischen Geschäft mit Fahrzeug-Hauptuntersuchungen - ähnlich ist es beim Tüv Süd, auch bei Dekra wächst das Industriegeschäft stark. Insgesamt machen die Prüfgesellschaften Milliarden-Umsätze.

Was ist mit bereits erteilten Prüf-Plaketten?

Die erteilten Plaketten haben volle Gültigkeit, versicherte ein Sprecher des Tüv-Dachverbands.

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