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Verbrenner-AusÜber E-Fuels lacht die Autoindustrie

Verbrenner-Aus? Von wegen! Benziner und Dieselfahrzeuge können noch bis mindestens 2050 fahren. Und die von der Politik angepriesenen E-Fuels sind unbrauchbar. Sie benötigen so viel Energie, dass ein E-Auto besser wäre. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Martin Seiwert 29.06.2022 - 15:17 Uhr

Doch kein Aus für den Verbrenner?

Foto: imago images

Das Verbrenner-Aus ist da. Also: Verbrenner aus? Schön wär’s. Was die EU-Umweltminister beschlossen haben, ist das Gegenteil: ein ewiges Leben für den Verbrenner. Bis 2035 können noch Benziner und Diesel verkauft werden, als gäbe es kein Morgen. Diese Verbrenner können auch nach 2035 wie gewohnt an der Tankstelle ihr fossiles CO2 bekommen. Verbrenner aus? Ja, wenn mal einer kaputtgeht. Auch nach 2035 kann das Verbrenner-Geschäft fröhlich weiterbrummen, nur dann eben mit der Auflage, dass die Kolben mit E-Fuels genährt werden.

Konkret darf man sich das dann so vorstellen: Etwa ein Drittel der deutschen Autos wird 2035 elektrisch sein. Alle anderen, also rund 35 Millionen Pkw und ein paar Millionen leichte Nutzfahrzeuge, werden wie gewohnt zur Tankstelle fahren. Dort gibt es Benzin und Diesel sowie, für die neusten Autos, künstliches Benzin namens E-Fuel. Die Verbrenner-Fans können sich seit der EU-Entscheidung also erleichtert zurücklehnen. Sie haben lebenslänglich bekommen. Es wird sich nichts ändern in ihrem automobilen Dasein, wenn sie es nicht wollen.

Das vermeintliche Verbrenner-Aus ist in Wahrheit bloß ein Benzin- und Diesel-Aus – und das nicht vor 2050. Denn erst dann sind die alten Verbrenner kaputt – und die neueren müssen E-Fuels tanken. Nach 2050. In 30 Jahren. Ist diese Politik noch Klimaschutz oder schon Körperverletzung kommender Generationen?

Schneller schlau: Was Sie über E-Fuels wissen müssen
Mit E-Fuels sind in der Regel verschiedene kohlenstoffhaltige Kraftstoffe gemeint, die mit Hilfe von grünem Strom aus den Rohstoffen Wasser und CO2 hergestellt werden. Sie ähneln chemisch sehr stark konventionellem Diesel beziehungsweise Benzin, lassen sich daher ohne großen Änderungsaufwand über bestehende Tankstellen vertreiben und in konventionellen Motoren verbrennen. Letzteres erfolgt in der Theorie dann klimaneutral, wenn nur so viel CO2 frei wird, wie zuvor hineingesteckt wurde.
So gut das in den Ohren vieler Autofahrer klingen mag, gibt es doch ein Problem: der hohe Energieaufwand in der Herstellung. Er macht die E-Fuels teuer und mindert den Wirkungsgrad im Vergleich mit der Nutzung der gleichen Energie im E-Auto deutlich.Solange grüner Strom nicht im Überfluss zur Verfügung steht, dürften es die synthetischen Kraftstoffe im Pkw-Bereich also schwer haben. Auch, weil der Privatwagen bei der Verfügbarkeit von E-Fuels in Konkurrenz zu Schiffen, Zügen und Flugzeugen steht.
Besonders günstig wird das Tanken des Designer-Sprits unter momentanen Bedingungen nicht – die Literkosten würden wohl deutlich über den heutigen von Diesel und Benzin liegen.Denkbar ist aber nicht nur der Verkauf von E-Fuel in Reinform, sondern auch eine Beimischung zu Mineralölkraftstoff, um dessen Klimabilanz zu verbessern. Konkrete Planungen dazu gibt es aber bisher noch nicht.(Stand: 26. Juli 2023)
Bislang sind E-Fuels noch an keiner Tankstelle zu bekommen. Die Produktion des klimaneutralen Sprits steckt noch in der Pilotphase. Bis nennenswerte Mengen zur Verfügung stehen, wird es noch dauern.(Stand: 26. Juli 2023)

Wie gut, dass die Autohersteller viel weiter sind als die Politik. Über E-Fuels lachen sie nur bei den meisten Autobauern.

Denn anders als Politiker kennen Ingenieure die Naturgesetze. E-Fuels sind grüner Strom, den man in Wasserstoff umwandelt, den man in Methanol umwandelt, den man in synthetisches Benzin umwandelt. Bei der ganzen Umwandelei geht so viel Energie verloren, dass der Batterieauto-Fahrer mit der gleichen Menge Grün-Strom sechsmal so weit kommt wie der E-Fuels-Fahrer. Für 60 Euro 100 Kilometer. Oder eben 600 Kilometer. 99 Prozent der Deutschen müssen da wahrscheinlich nicht lange nachdenken.

Anders als Politiker wissen die Autohersteller inzwischen auch, wie gut E-Autos sein können. Es gibt einen hohen deutschen Automanager – ein wirklich leidenschaftlicher Autofahrer – der seit Kurzem wieder mal einen Verbrenner als Dienstwagen hat. Er sollte eigentlich ein E-Auto bekommen, aber die Lieferzeit war zu lang. Also bestellte er sich einen hochmotorisierten Verbrenner. Doch nach Jahren im E-Auto ist er jetzt vor allem genervt – lahm, vorgestrig, laut erscheint ihm der Benziner.

Ganz so wie die politischen Fürsprecher dieser einst guten Technik. Sie haben eine Schlacht gewonnen mit ihrem Verbrenner-Aus, das keines ist. Der Krieg aber ist längst verloren.


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