Volkswagen-Kurzarbeit Zulieferer äußert sich erstmals im Streit mit VW

Tausende Mitarbeiter von VW sollen in Kurzarbeit – Grund ist ein Streit mit Zulieferern. Prevent, die Mutter der Zulieferer, spricht jetzt erstmals über die Gründe für den Lieferstopp – und wirft VW vor, seine Macht auszunutzen.

Golf-VII-Produktion in Wolfsburg: Ab Samstag ruhen die Bänder. Quelle: dpa

Bei dem Autobauer ruhen die Fließbänder teilweise, weil zwei wichtige Zulieferer ihre Lieferungen gestoppt haben – für 7500 Mitarbeiter steht Kurzarbeit an, mehr als 20.000 könnten es noch werden. Bislang war weitgehend unklar, worüber Volkswagen mit zwei wichtigen Zulieferern streitet – jetzt hat sich die Mutter der ansonsten eigenständigen Unternehmen zu Wort gemeldet: Die jetzige Situation sei „das Resultat einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen, die sich nach Darstellung von VW auf die Serienbelieferung beziehen“, teilte die Mutter der Zulieferer, die Prevent DEV GmbH mit.

Die aus der Kündigung entstandenen Ansprüche auf Seiten der beiden Zulieferbetriebe beliefen sich auf „einen mittleren zweistelligen Euro-Millionenbetrag“. Da Volkswagen eine Kompensation abgelehnt habe, sahen sich die betroffenen sächsischen Zulieferer CarTrim und ES Automobilguss „zum Lieferstopp gezwungen“.

Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsleitung der ES Automobilguss, ließ sich in einer Mitteilung mit den Worten zitieren, dass VW sein Unternehmen zu dem Lieferstopp zwinge, „um unsere eigenen Mitarbeiter in Niedersachsen und Sachsen zu schützen und letztlich den Fortbestand des Unternehmens zu sichern“. Volkswagen nutze in diesem Konflikt seine dominierende Marktstellung gegenüber der Zulieferindustrie klar aus.

Prevent macht Europas größtem Autobauer Volkswagen schwere Vorwürfe. Volkswagen, heißt es in der Mitteilung, dürfe seine eigene Krise „nicht auf dem Rücken der Zulieferer austragen“. CarTrim und ES Automobilguss seien nicht verantwortlich für die VW-Krise.

„Sind an keiner weiteren Eskalation interessiert“

In dem Konflikt weisen die Zulieferer nun jegliche Vorwürfe zurück. „Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich. Das ist hausgemacht und VW verlagert die eigenen Probleme auf die Zulieferindustrie“, sagte Gerstung. Er zeigte sich jedoch auch versöhnlich: „Wir sind keinesfalls an einer weiteren Eskalation des Konflikts interessiert. Aber die Art und Weise, wie VW mit Zulieferern umgeht, ist in keiner Weise akzeptabel und kann jeden kleineren Betrieb in den Ruin treiben“, so Gerstung. Er strebe „nach wie vor eine einvernehmliche Lösung mit VW an“ und sei offen für entsprechende Vorschläge.

Zudem entspreche die Darstellung in den Medien, wonach das Landgericht Braunschweig dem VW-Konzern grünes Licht gegeben habe, dringend benötigte Teile für Golf und Passat von den Zulieferern CarTrim und ES Automobilguss notfalls zu beschlagnahmen, nicht den Tatsachen. In der Interpretation der beiden Zulieferer ordnet die einstweilige Verfügung „die Belieferung in noch zu bestimmendem Umfang an". Die zwangsweise Durchsetzung erforderte einen weiteren Beschluss, für den aber noch nicht alle Bedingungen erfüllt seien.

Die weltweit größten Autozulieferer

CarTrim liefert an die VW-Tochter Sitech. Diese ist eine 100-prozentige Tochter und liefert Sitze – CarTrim einige der Teile dazu. ES Automobilguss liefert Getriebeteile. Der Lieferstopp hat dazu geführt, dass die Produktion einzelner Modelle sich bei VW verzögert hat, tausende Mitarbeiter sollen in Kurzarbeit. Volkswagen war kurzfristig nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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