VW-Abgas-Skandal Keine Antworten auf der Porsche-Hauptversammlung

Die Porsche SE ist der größte Einzelaktionär von Volkswagen – und leidet wie VW unter dem Abgasskandal. Antworten brachte aber auch die Hauptversammlung der Stuttgarter nicht – beide Unternehmen sind zu eng verflochten.

Hauptversammlung der Porsche SE Quelle: dpa

"Herr Döss, wir sind hier im Schwabenland gewohnt, dass man Tacheles redet", erklärte ein Aktionär dem neuen Vorstand der Porsche SE. "Wir reißen ihnen auch nicht den Kopf ab."

Doch es half nicht. Die Porsche-Aktionäre stellten auf der Hauptversammlung am Mittwoch stundenlang Fragen, erhielten allerdings - wenn überhaupt - nur nach mehrmaligen Nachfragen brauchbare Antworten.

Die Aktionäre haben bei der Gesellschaft ohnehin nichts zu melden. Die Porsche Automobil Holding SE ist eine Beteiligungsgesellschaft, die etwas mehr als 52 Prozent der Stammaktien von VW besitzt. Die Stammaktien der Porsche SE wiederum gehören den Familien Porsche und Piëch. Andere Aktionäre können sich nur über Vorzugsaktien an Porsche beteiligen, mit denen kein Stimmrecht verbunden ist. Dementsprechend können sie zwar viele Fragen stellen, aber kaum etwas ausrichten. 

Wie VW im ersten Quartal abgeschnitten hat

Dennoch waren 4000 Aktionäre für die Hauptversammlung nach Stuttgart gereist. Rund 30 Teilnehmer stellten Fragen, die meisten drehten sich um die Dieselaffäre bei Volkswagen. So wollte ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wissen, warum Porsche nicht auf Schadenersatz gegen Volkswagen klagt, wo doch der Vorstand des Wolfsburger Autobauers die Öffentlichkeit möglicherweise zu spät über den Dieselskandal informiert hat. Porsche-Vorstand Hans Dieter Pötsch – zugleich auch VW-Aufsichtsratschef - sagte hierzu nur, dass Schadenersatzansprüche nicht ersichtlich seien. Dabei hatte deswegen sogar die Finanzaufsicht Bafin Strafanzeige gegen den VW-Vorstand bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erstattet.

VW kontrolliert die Porsche SE

Die Porsche SE leidet erheblich unter der Dieselaffäre. Machte die Beteiligungsgesellschaft 2014 noch drei Milliarden Euro Gewinn nach Steuern, fiel im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Verlust von 273 Millionen Euro an. Dementsprechend halbierte Porsche auch die Dividende für seine Stamm- und Vorzugsaktionäre – immerhin noch auf einen Euro statt der elf Cent bei Volkswagen.

Franz Wagner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte für Porsche eine neue Struktur. Porsche ist größter Aktionär bei Volkswagen, der Porsche-Vorstand setzt sich fast ausschließlich aus VW-Führungskräften zusammen. So gehört etwa auch der VW-Vorstandschef Matthias Müller dem Gremium an – oder der neu in den PSE-Vorstand gewählte Manfred Döss, der auch VW-Chefjurist ist. "Normal ist es so, dass eine Beteiligungsgesellschaft die Gesellschaft an der sie beteiligt ist, kontrolliert. Bei uns ist es so, dass die Beteiligung die Porsche SE kontrolliert", sagte der SdK-Vertreter.

Eine effektive Kontrolle der VW-Vorstände sei so nicht möglich. Die Porsche SE könne bei VW nie dazwischen hauen, denn die Verantwortlichen bei denen man das tun müsste, säßen ja zugleich im Porsche-Vorstand.

Aktionärsverteilung der Volkswagen AG

Er fürchtet, dass hierdurch noch Probleme auf Porsche zukommen könnten. Schließlich habe die Bafin gegen den VW-Vorstand Anzeige wegen möglicher Marktmanipulation erstattet. Der betroffene frühere VW-Chef Martin Winterkorn saß auch bei Porsche im Vorstand. "Wenn er die VW-Aktionäre hinters Licht geführt habe, dann könnte er auch die Aktionäre der Porsche SE hinters Licht geführt haben." Er forderte deshalb auch, einen Beschluss über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu vertagen. Doch auch dieser Vorschlag verhallte.

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