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Abschied bei Berenberg Fondsmanager Henning Gebhardt will mehr

Berenberg Quelle: ddp images

Der einstige DWS-Starmanager verlässt die Privatbank Berenberg. Er hat der Vermögensverwaltung des Hauses ein Gesicht gegeben und das Image aufpoliert. Aber die erwarteten Milliardenzuflüsse blieben aus und internes Machtgerangel dürfte den Hoffnungsträger wieder vertrieben haben.

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Wirklich überraschend kommt der Abschied von Henning Gebhardt, der beim Bankhaus Berenberg Leiter der Vermögensverwaltung war, für Beobachter nicht. Er wurde Ende Juni nicht in die Geschäftsführung der Bank berufen. Aber für Gebhardt war der Platz in der zweiten Reihe nicht erstrebenswert. So war es auch bei der DWS, dort wurde Stefan Kreuzkamp Ende 2015 globaler Investmentchef des Hauses, Chef der DWS wurde der Franzose Nicolas Moreau. Gebhardt wechselte im September 2016 zu Berenberg. Jetzt zogen bei Berenberg Christian Kühn und David Mortlock als bisherige Mitglieder der erweiterten Geschäftsführung an Gebhardt vorbei und könnten künftig den Rang persönlich haftender Gesellschafter bei der Hamburger Privatbank einnehmen.

Der Ausflug in die Privatbank-Welt schadete Gebhardt nicht. Er verlässt Beerenberg mit einer soliden Performance seiner Fonds und hat für die Bank ein gutes Aktien- und Multi-Asset-Team zusammengestellt. Aber hohe Mittelzuflüsse, auf die die Bank nach drei Jahren seines Wirkens wohl gehofft hatte, gab es nicht. Das stark auf deutsche Aktien konzentrierte Angebot kommt derzeit nicht gut an bei globalen Investoren. Die exportlastige deutsche Wirtschaft ist kein Verkaufsschlager, in Dax und MDax stecken zu viele Unternehmen aus Branchen, die nicht zu den Trendsettern zählen.

In anderen Bereichen gab es bei Berenberg zahlreiche personelle Wechsel, die Bank hat offenbar auch gegenüber ihren Leuten nicht signalisieren können, dass sie die Geduld hat, eine Vermögensverwaltung über Jahre aufzubauen. „Die Bank war auf dem Weg in die richtige Richtung“, sagt ein Branchenkenner, aber sie habe zu wenig Speck angesetzt, um der Vermögensverwaltung wirklich über ein paar Jahre freie Bahn zu lassen.

Unter dem Dach einer Bank sei Asset-Management immer schwieriger durchzuführen, als wenn es von einem reinen Vermögensverwalter betrieben wird, heißt es zudem in Frankfurt. Aufwendige Compliance-Anforderungen, hohe Investitionen in neue IT, all das behindert Vermögensverwalter unter dem Dach von Banken. Häuser, die sich allein auf die Vermögensverwaltung konzentrieren können wie Flossbach von Storch oder Acatis hätten es leichter.

Branchenbeobachter können sich für Henning Gebhardt viele Alternativen vorstellen. Er könne Manager eines Staatsfonds werden, meint der eine. Er werde sicherlich zu einem bankenunabhängigen Vermögensverwalter wechseln, ein anderer.

Gegenüber dem Fachmagazin Fondsprofessionell sagte DWS-Chef Asoka Wöhrmann auf die Frage, ob er auch Henning Gebhardt wieder einstellen würde, „man soll nichts ausschließen“. Was sich viele bei der DWS sicherlich wünschen würden, wäre für den globalen Investmentchef der DWS allerdings ein Problem. Und für Gebhardt gibt es sicherlich noch vielversprechendere andere Angebote, als an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren.

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