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BrandIndex

Was die Postbank der Deutschen Bank voraus hat

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die Deutsche Bank will ihre Tochter Postbank loswerden, obwohl sie im vergangenen Jahr einen soliden Gewinn erwirtschaftet hat. Einiges spricht für den Verkauf – doch eindeutig ist die Situation nicht.

Eine gelbe Flagge weht vor einer Filiale der Postbank. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank hat es zwar nicht eilig – aber in den kommenden zwei Jahren will sie die Postbank verkaufen, die seit 2015 eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ist. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, bemüht schon die Öffentlichkeit bei der Käufersuche: „Wenn Sie jemanden kennen, der eine deutsche Filialbank kaufen will - lassen Sie es mich wissen.“ Manche Aktionäre sind mit dem Verkaufswunsch wohl nicht einverstanden und schlagen vor, den Verkauf nochmal zu überdenken. Immerhin hätte die Postbank 2015 einen soliden Gewinn erwirtschaftet.

Und tatsächlich – ein Blick in den YouGov-Markenmonitor BrandIndex verrät: Es ist nicht einfach. Die Postbank vereint gleichermaßen Chancen, sich weiterzuentwickeln und Risiken, zu einer eher unbedeutenden Bank zu werden.

Eine Bank für alle, aber auch beliebig

Ganz klar: Die Postbank gehört zu den größten deutschen Banken, hat nach Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbank sowie ING-DiBa die meisten Kunden in Deutschland und fast neun von zehn Deutschen kennen die Marke. Chancen, neue Kunden zu gewinnen, sind ebenfalls vorhanden: 17 Prozent all derjenigen, die angeben, die Marke Postbank zu kennen, ziehen sie in die engere Wahl, wenn es darum geht, sich für eine Bank zu entscheiden. Mehr Nennungen erreichen hier nur die fast in allen Bereichen dominierenden Banken Sparkasse, ING-DiBa und Volks- und Raiffeisenbanken.

Die Problemfälle der Deutschen Bank
Mai 2016Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert. Quelle: REUTERS
28. April 2016Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.    Quelle: dpa
25. April 2016Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben. Quelle: dpa
22. April 2016Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai. Quelle: dpa
April 2016Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei. Quelle: REUTERS

Die Deutschen haben die Postbank auf dem Schirm. Zum Vergleich: Die Konzernmutter ist nur bei zehn Prozent der Kenner im Relevant Set.

Andererseits ist hier eine gewisse Beliebigkeit zu erkennen. Die Postbank verzeichnet potenzielle Kunden in allen Altersklassen, unabhängig vom Geschlecht. Immerhin: Menschen mit Online-Girokonto interessieren sich etwas mehr für die Postbank als die mit Konto bei einer Filialbank. Doch einen relevanten Vorteil durch punktgenaue Zielgruppen-Ansprache kann die Postbank dadurch trotzdem nicht erlangen: Die Verbraucher mit Filial-Konto würden zurzeit neben den drei Platzhirschen noch eher die Sparda- als die Postbank wählen. Bei den Online-Girokonto-Inhabern liegt die Comdirect gleichauf und die DKB Deutsche Kreditbank leicht vorn.

Die Postbank weckt immer noch Interesse

Auch durch andere Kriterien kann die Postbank nicht hervorstechen. Mit null Punkten – so bewerten die Kenner der Marke das Preis-Leistungs-Verhältnis auf einer Skala von -100 bis +100 Punkten – liegt die Bank zwar gleichauf mit der Sparkasse (und deutlich vor der Deutschen Bank), doch ING-DiBa, die Sparda-Bank und Comdirect schneiden hier viel besser ab. Auch bewerten die Verbraucher die Qualität der meisten Konkurrenten deutlich besser als die der Postbank.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Vor dem Hintergrund dieser eher mäßigen Image-Indikatoren wundert es fast ein wenig, dass so viele diese Bank auf dem Zettel haben.

Ein Grund dafür könnte die hohe Filialdichte sein, die nicht unbedingt als klassisches Merkmal der Qualität oder als Argument für eine hohe Zufriedenheit als Kunde angesehen wird. Zudem profitiert die Bank vielleicht auch noch von der farblichen und Namens-Ähnlichkeit zur Deutschen Post, die ein recht hohes Ansehen genießt – nach dem Motto: Ich mag die Postbank zwar nicht, aber falsch machen kann man mit ihr ja auch nichts.

Falls das so wäre, wäre das eine überschaubar attraktive Ausgangslage für die Zukunft und die Deutsche Bank hätte ein berechtigtes Interesse daran, die gelbe Tochter loszuwerden.

Andererseits: Die Postbank weckt immer noch das Interesse potenzieller Kunden. Darauf kann man ja aufbauen. Und zumindest bei Privatkunden wird sich die Marke Postbank leichter tun als die Konzernmutter Deutsche Bank, deren Image durch die Skandale der Vergangenheit doch deutlich mehr Schrammen besitzt. Rein markentechnisch könnte die Postbank sogar deutlich stärker von der Deutschen Post profitieren, deren Imagetendenz aktuell weiter steigend ist.

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